Zum 85. Geburtstag von Jürgen Mai: aus „kapitalistischem“ Elternhaus „zur Bewährung“ in Premnitz
Am Montag, 18. Mai 2026, beging der weit über die Stadtgrenzen von Premnitz hinaus bekannte Jürgen Mai seinen 85. Geburtstag. Auch der Rathenower Heimatbund e. V. gratulierte.
Der in der Region sehr geschätzte Jubilar zählt im Verein zu den bewährten Stützen und ist ein Garant für kurzweilige und verständliche Aufarbeitung der Regionalgeschichte von Premnitz und seinen Ortsteilen. Ein gebürtiger Premnitzer ist Jürgen Mai allerdings nicht. Er stammt aus dem im sächsischen Langburkersdorf.
Dort wurde Mai wurde am 18. Mai 1941 als Sohn eines ortsansässigen Papierblumenfabrikanten geboren. In Sebnitz besuchte er die örtliche Oberschule und erlangte dort 1959 die Hochschulreife. Ein zeitnahes Hochschulstudium wurde ihm damals aufgrund seines „kapitalistischen“ Elternhauses versagt. Stattdessen führte ihn sein weiterer Lebensweg noch im selben Jahr nach Premnitz. Hier konnte er nach einem verordneten Praktikum „zur Bewährung“ eine Facharbeiterausbildung für die chemische Produktion absolvieren. In den frühen 1960er Jahren nahm er dann ein Fernstudium der Chemie auf und schloss dieses erfolgreich ab.
Neben seiner Tätigkeit als Abschnittsleiter Spektralphotometrie in der HA Zentrallabor im VEB Chemiefaserwerk Premnitz betätigte sich Mai in seiner Freizeit in vielfältiger Form im örtlichen Kunst- und Kulturbereich. Als freier Korrespondent wirkte er zudem bei der Betriebszeitung „Aufwärts“ mit. In den frühen 1970er Jahren organisierte er gemeinsam mit Unterstützern die erste und noch heute alljährlich stattfindende Tauschbörse für Philatelie und Numismatik. Die Begeisterung für Briefmarken hat ihn bis heute nicht losgelassen. In der Region gilt er heute als geschätzter Kenner der Materie.
Eine weitere Leidenschaft galt seit frühester Jugend der Fotografie. Über diese Passion kam der Kontakt zur URANIA zustande. Für diese in der DDR sehr aktive Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse hielt er weit über die Stadtgrenzen von Premnitz hinaus unzählige populärwissenschaftliche Vorträge aus den verschiedensten Fachgebieten.
Als 1980/81 der Premnitzer Carnevalsclub (PCC) aus der Taufe gehoben wurde, gehörte er bereits ein Jahr später zu den aktiven Premnitzer Narren. In den frühen 1990er Jahren übernahm er schließlich für 20 Jahre die Funktion des Präsidenten und ist heute Ehrenpräsident des PCC.
Musikfreunde aus der Region kennen ihn zudem als emsigen Organisator immer neuer hochwertiger Musikerlebnisse im Rahmen der Premnitzer Konzertreihe „Stunde der Musik“. Diese seit 1953 in der Chemiearbeiterstadt angebotene beliebte Konzertreihe kann heute auf mehr als 1.000 Veranstaltungen zurückblicken.
1991 wechselte Mai in die Stadtverwaltung von Premnitz. Dort leitete er bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2003 das Amt für Schule, Kultur und Sport. Zu seinen Aufgaben gehörte damals unter anderem die Neuordnung der städtischen Schullandschaft, so auch der Aufbau eines örtlichen Gymnasiums.
Seit seinem Ruhestand engagiert er sich als privater Stadtchronist für Premnitz und seine Ortsteile. In dieser Funktion hat er inzwischen nicht nur unzählige Zeitdokumente zusammengetragen und damit vor dem Verfall bewahrt, sondern diese auch akribisch archiviert. Dank seines unermüdlichen ehrenamtlichen Engagements entstand so ein geschichtliches Gedächtnis – nicht nur für die Stadt und ihre Ortsteile, sondern auch für die mehr als 100-jährige örtliche Industriegeschichte.
Im Jahr 1997 veröffentlichte Jürgen Mai seine erste regionalgeschichtliche Publikation mit dem Titel „Premnitz – Döberitz – Mögelin – Ein historischer Streifzug“. Im Jahre 2005 folgte mit „Premnitz – Jahrzehnte im Rückblick“ seine zweite Veröffentlichung. 2014 erschien mit „Premnitz – 100 Jahre Industriestandort“ ein weiterer Rückblick auf die Industrialisierung des früheren Haveldorfs. Premnitz und seinen Ortsteilen widmete sich Mai im Jahr 2022 in der beim Rathenower Heimatbund e.V. erschienenen Broschüre „Premnitz“ sowie 2025 in dem Buch „Premnitz im Wandel“. Darüber hinaus runden zahlreiche Presseartikel und Aufsätze mit regionalgeschichtlichem Bezug sowie Beiträge im Rathenower Heimatkalender und in BRAWO sein publizistisches Wirken ab. Am 17. April 2026 zeichneten Landrat Roger Lewandowski und die stellvertretende Kreistagsvorsitzende, Anja Stamm, im Schloss Ribbeck Jürgen Mai für sein hohes ehrenamtliches Engagement mit der Havelländischen Ehrenamtsmedaille aus.





