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Sonntag, 14. Juni 2026

Wandern und Biken auf uralten Waldwegen – eine echte Mutprobe zwischen Rathenow, Mützlitz, Döberitz und Seelensdorf

Havelland, Rathenow
landkarte-Wald
Dieser Ausschnitt einer Landkarte aus dem frühen 19. Jahrhundert zeigt, auf welchen Wegen es durch den Wald ging. Bildquelle: René Wernitz / Archiv

Wer sich in den riesigen Wald wagt, durch den einst die Hauptverkehrsachse Brandenburg/Altstadt – Rathenow verlief, erlebt wahre Einsamkeit.

Im Uhrzeigersinn aufgezählt: Mützlitz, Marzahne, Kieck, Seelensdorf, Pritzerbe, Gapel, Döberitz, Premnitz, Mögelin, Rathenow, Bamme und Gräningen sind infrastrukturell schon seit Jahrhunderten miteinander verbunden. Es besteht ein uraltes Wegesystem, das sich mutigen Wanderern und Radfahrern erschließen würde. Es stammt aus mittelalterlichen Zeiten und hatte ausgedient, als Kraftfahrzeuge zum bevorzugten Verkehrsmittel wurden.

Man denke nur an den Bammer Weg in Döberitz. Ab dem dortigen Norma-Standort sind es nur rund 8 Kilometer Luftlinie bis zum Döberitzer Weg in Bamme, indessen etwa 25 Kilometer mit dem Auto über Rathenow. In Mützlitz gibt es derweil die Döberitzer Straße, die zum Döberitzer Feldweg wird und letztlich über den Döberitzer Weg ins definitiv Grüne führt. An der Ortsdurchfahrt in Gräningen weist ein alter Richtungspfeil den noch immer bestehenden Weg gen Seelensdorf/Pritzerbe. Auf Höhe des Rathenower Tierheims, Bammer Landstraße, zweigt der frühere Hauptweg (Alte Heerstraße) in den Wald ab, durch den Generationen von Menschen liefen, ritten oder auf Kutschen fuhren.

Richtungspfeil an der Ortsdurchfahrt in Gräningen. Foto: René Wernitz

Anschluss besteht irgendwie in allen genannten Orten – in Rathenow/Premnitz auch dort, wo der Landesforstbetrieb (Grünaue) ansässig ist. Wegweiser im Wald gibt es nicht. Heutige Wanderer oder Radfahrer wüssten daher wohl nie so recht, wo sie sich denn gerade befinden oder wo sie irgendwann aus dem riesigen Waldgebiet herauskommen bzw. welchen Ort sie ansteuern. Wer sich verirrt hat ein zusätzliches Problem. Denn es handelt sich um ein gewaltiges Funkloch. Es hat den Anschein, als wäre in diesem Wald die Zeit stehen geblieben.

Wernitzdamm: Dieser Findling zeigt den Standort an – im ungefähren Bereich der Kreisgrenze zwischen Havelland und Potsdam-Mittelmark. Foto: René Wernitz

Vom Nordwest-Südost-Hauptweg von und nach Rathenow (über Spolierenberg) zweigen die Wege zu den anderen Orten ab. Die Alte Heerstraße gen Altstadt Brandenburg führt im grünen Zentrum durch das 1.270 Hektar große Naturschutzgebiet (NSG) Pritzerber Laake und hart am 1207 erstmals erwähnten Wernitz-Wald vorbei. Dieser kurze Wegabschnitt nennt sich Wernitzdamm. Es geht in dem Bereich vom Landkreis Havelland nach Potsdam-Mittelmark über. Originell auf mittelmärkischer Seite sind jene an Wegesränder oder -kreuzungen platzierten Findlinge, in die historische Standortamen gemeißelt sind. So wüsste man zumindest, wo man sich gerade konkret befindet, wenn eine alte Landkarte zur Verfügung steht. Der Wernitzdamm wurde ebenso auf diese Weise markiert.

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