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Donnerstag, 16. Juli 2026

Roboter in der Pflege – Seniorenheim in Wustermark wird Innovationsstandort

Wustermark
Eine Frau mit Brille und dunklen, zum Zopf gebundenen Haaren in einem rosa Shirt hat einen Roboter rechts neben sich. Er ist weiß, trägt eine blaue Strickmütze, hat große Augen. Sein Oberkörper hat ein gelbes Top an.
Pflegefachkraft Claudia Rodriguez und „Willi“ arbeiten beide in Wustermark im Seniorenpflegezentrum der Havelland-Kliniken Unternehmensgruppe. Willie ist ein Navel-Pflegeroboter, der sich mit den Menschen unterhält. Foto: Sandra Euent

Innovationshaus, so nennt Thilo Spychalski, Geschäftsführer der Havelland-Kliniken Unternehmensgruppe, das Seniorenpflegezentrum in Wustermark. Der Titel ist neu. Denn hier hat die Unternehmensgruppe 2026 ein Pilotprojekt gestartet. Wie können Technik, Robotik oder künstlichen Intelligenz (KI) in der Pflege und Betreuung genutzt werden? Was ist sinnvoll einsetzbar und unterstützend oder macht vielleicht sogar mehr Arbeit? Diesen Fragen will man in Wustermark nachgehen.

Diese „Versuche“ gehe man bewusst in der Seniorenpflege und nicht in den Kliniken an. Zum einen ist das Haus in Wustermark relativ neu, es verfügt bereits über die notwendige technische Ausstattung, wie flächendeckendes W-LAN. Und zum anderen will man bewusst die Attraktivität der Altenpflege als Arbeitsplatz steigern. Wichtig sei ihm, betont Spychalski, dass es dabei nicht um Einsparung von Arbeitsplätzen gehe, sondern um Unterstützung im Alltag.

Die wohl spannendste Anschaffung ist der Pflege- und Betreuungsroboter Navel, der hier den Namen Willi bekommen hat. Pflegen tut dieser allerdings nicht, er ist ein Empathie-Roboter, der sich mit seinem Gegenüber unterhält und zum Gespräch anregt. Eine Diskussion mit ihm habe er noch nie gewonnen, lacht Thilo Spychalski. Der KI-gestützte Roboter ist 75 Zentimeter hoch, bewegt sich theoretisch auf Rollen – die Funktion ist allerdings noch nicht freigeschaltet. Willi wird also von seinen Bezugspersonen im Team zu den Bewohnerinnen und Bewohnern gebracht, die zugestimmt haben, ihn treffen zu wollen und dann unterhält er sich mit den Menschen.

Seine großen, runden Augen und das Gesicht mit Kindchenschema haben inzwischen auch skeptische Bewohner überzeugt. Er bewegt seinen Kopf, er zwinkert, er fragt nach, egal, was man ihm erzählt und hält so das Gespräch am Laufen. Am Ende frage man sich, warum man sich gerade eine Stunde mit einem Roboter unterhalten habe, erzählt Burkhard Krüger, Geschäftsführer der Wohn- und Pflegezentrum GmbH. Willi merkt sich auch, über was er mit bestimmten Personen gesprochen hat, spricht darüber aber nicht mit anderen Personen. Möglich macht das die Gesichtserkennungssoftware und die Kameras, mit denen Willi ausgestattet ist.

Während Willi der Unterhaltung der Bewohner dient, sind andere Dinge eher auf Arbeitserleichterung ausgerichtet, wie beispielsweise die Exoskelette. Diese werden vom Pflegepersonal getragen und unterstützen deren Körper bei Hebe- und Pflegearbeiten. Eingeschaltet kann das Exoskelett bis zu 35 Kilogramm Erleichterung in Hebevorgängen bieten. Das wurde auch mit Hilfe von Thilo Spychalski eindrucksvoll demonstriert. Der Rücken der Pflegekräfte wird dadurch deutlich weniger belastet.

Havelland-Kliniken Geschäftsführer Thilo Spychalski stellte sich als Versuchsperson für die Hebearbeit mit Exoskelett zur Verfügung. Foto: Sandra Euent

Entlastung sollen auch Reinigungs- und Gastronomieroboter bieten. Diese sind aber noch nicht im Einsatz. Bestellt ist auf jeden Fall ein Reinigungsroboter, der auf den Fluren und im Eingangsbereich für Sauberkeit sorgen soll.

Weniger Schreibarbeit soll eine neue App bringen, mit deren Hilfe die notwendige Dokumentationsarbeit direkt mobil am Bett oder im Zimmer des Patienten erledigt werden kann und wo nicht später nochmal alles gesondert in der Patientenakte erfasst werden muss.

Training an Fernseher oder Tisch mit Touch-Funktion

Für Abwechslung im Alltag im Seniorenheim sorgen sogenannte „motivierende Trainingssysteme“ – ein mit Kamera ausgestatteter SilverFit und ein Care-Table, der über einen Touchscreen verfügt. Therapie, Bewegung und Gedächtnistraining ist mit diesen beiden Geräten möglich. Sie verfügen über mehrere Programme und Spiele, der Care-Table auch über Vorlese- und Videofunktionen. Diese beiden Technologien kommen auch schon in anderen Senioreneinrichtungen der Havelland-Kliniken zum Einsatz.​

Das Projekt in Wustermark soll regelmäßig evaluiert werden. Wenn sich Dinge in der Praxis als sinnvoll erweisen, sollen diese dann auch nach und nach in den anderen Häusern etabliert werden. Geplant ist in der Zukunft auch, Technologien in beispielsweise einer Hausmesse vorzustellen und ausprobierbar zu machen. 

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