Ricarda Lang war zu Gast in Falkensee
Rund 150 Frauen diskutierten beim Falkenseer Frauenstammtisch im Juni 2026 mit der Grünen-Politikerin Ricarda Lang. Von 2015 bis 2019 war Lang im Bundesvorstand der Grünen Jugend und von 2017 bis 2019 dort auch Bundessprecherin. Seit 2021 ist sie im Deutschen Bundestag, von 2022 bis 2024 war sie, gemeinsam mit Omid Nouripour, Parteivorsitzende der Bündnisgrünen und ging damit als jüngste Vorsitzende einer Bundespartei in die Geschichte ein.
Nach der Wahlschlappe für Bündnis 90/Die Grünen bei der Bundestagswahl 2024 nahm sie ihren Hut. Wie Lang zur Politik kam, Erwartungen der Wähler, Umgang mit Hass im Internet und ob Lang für sich in der Politik eine Zukunft sieht, dazu stand sie Rede und Antwort beim Falkenseer Frauenstammtisch.
Den Impuls, sich nicht nur über die Umstände des Lebens zu ärgern, gab die Tante, erzählt Ricarda Lang. Als Langs alleinerziehende Mutter ihren Job verlor, erlebte die Tochter das Gefühl der ohnmächtigen Ungerechtigkeit und damit auch Zorn. Denn die Mutter arbeitete in einem Frauenhaus und das wurde geschlossen, weil Geld fehlte.
Das empfand Lang in mehrfacher Hinsicht als Ungerecht. Da war die persönliche Betroffenheit und der Umstand, dass ein Schutzraum für Frauen und deren Kinder wegfiel. „Ricci, vielleicht musst du nicht bei der Wut stehen bleiben“, bemerkte die Tante und gab damit den Startschuss für die politische Karriere. Es waren nicht die Klimathemen, es waren die sozialen Themen, die Lang zu Bündnis 90/Die Grünen trieb, erzählt sie.
Lang war und ist durchaus streitbar. Das blieb, auch wenn sie mit und seit ihrem Rücktritt Ballast verloren hat. Im übertragenen Sinn, wie auch im wörtlichen Sinn. Dass das Aussehen einer Frau oft mehr Interesse weckt, als ihre politische Botschaft, nervt auch Lang. Beherrschen lassen, will sie sich davon nicht. Es gehe darum, die Deutungshoheit über sich selbst zu behalten, sagt sie.
Was das Interesse der Wähler angeht, hat sie eine klare Meinung. „Die interessieren sich nicht für parteipolitische Anliegen“, sagt Lang. „Es geht oft nur ums Gewinnen oder Verlieren. Und die Frage, wer setzt sich durch? In einer Demokratie geht es nicht ohne den Kompromiss. Doch jeder Kompromiss wird nur noch danach durchsucht, wer sich durchgesetzt hat. Da draußen, da juckt das niemand. Wenn ich im Land unterwegs bin, fragt mich niemand, ist das ein roter, ein grüner, ein gelber Erfolg. Die Leute wollen wissen, was kostet es, wer bezahlt es, wie funktioniert es? Was heißt das für meine Familie? Das heißt für mich, wir müssen weg von diesem Lagerdenken“, erklärt Lang und erntet dafür viel Applaus.
An Ricarda Lang wurde sich auch lange Zeit in den sozialen Medien abgearbeitet. Sie stand lange unter Personenschutz. „Angst“, sagt Lang, „ist Gift für Demokratie.“ Zur Angst kommen Forderungen, wie eine Frau zu sein habe, weiß Lang aus Erfahrung. Sie empfiehlt einerseits ein dickes Fell. Das dürfe aber anderseits nicht zu dick werden, sondern müsse noch Bodenhaftung zulassen. Lang warnt, kritische Auseinandersetzung müssen möglich bleiben. Es gibt Anfeindungen gegen Frauen im Netz und es gibt sie gegen Politiker. Doch man dürfe nicht den Fehler machen und jede Kritik an sie nur als Kritik gegen eine Frau sehen, sagt sie.
Ricarda Lang war seit ihrem Rücktritt als Bundesvorsitzende nicht untätig. Sie hat ihr Studium fortgesetzt und mit dem Bachelor of Law abgeschlossen, derzeit arbeitet sie an ihrem Master. In der Politik will sie bleiben, erstmal. Fürs ganze Leben festlegen mag sie sich da nicht. Möglich, sagt sie, dass da noch etwas anderes auf sie wartet.
Der Falkenseer Frauenstammtisch wurde 2010 ins Leben gerufen. Dahinter stehen die beiden Bündnisgrünen Politikerinnen Ursula Nonnemacher und Petra Budke und die Frauenrechtsaktivistin Ulrike Legner-Bundschuh.





