Regine Hildebrandt machte Frankfurter Kranz mit Margarine
SPD-Politikerin Regine Hildebrandt erlangte in Brandenburg geradezu Kultstatus. Am Sonntag, 26. April 2026, jährt sich ihr Geburtstag zum 85. Mal.
Als sich Regine von ihrer Schwägerin Annette Hildebrandt, 1989 frühes Mitglied der neu gegründeten SDP in der DDR, „überreden“ ließ, für die Partei zur Volkskammerwahl zu kandidieren, äußerte die Kandidatin im „Bewerbungsgespräch“, dass sie von Parteifunktionen gar nichts hielte und eigentlich auch nicht als Politikerin geeignet sei. Aber trotzdem oder gerade wegen ihrer offenen Art wurde sie prompt auf Platz 1 der Kandidatenliste in ihrem Kreisverband gewählt.
Regine Hildebrandt hatte sich in Berlin bereits während des politischen Umbruchs in der Bürgerbewegung „Demokratie Jetzt“ engagiert und seit Oktober 1989 in der Sozialdemokratischen Partei (SDP). Letztlich agierte sie ab 1990 wie eine Brandenburger „Mutter Courage“ als Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen. Mit dem direkten, spontanen Ausspruch „Mit den Arschlöchern von der CDU koaliere ich nicht!“ trat sie 1999 als Ministerin zurück. Es kam erstmals zu einer rot-schwarzen Koalition in Brandenburg.
Kürzlich erinnerte Autorin Annette Hildebrandt, deren Bruder Jörg vor 60 Jahren Regine Hildebrandt geheiratet hatte, per Lesung in der Rathenower Stadtbibliothek an die Schwägerin. Die teils musikalische Lesung unterstütze Lothar Tautz, Ehemann von Annette Hildebrandt und Co-Autor eines ihrer Bücher. Rund 50 Zuhörer kamen und brachten ihre Erinnerungen an Regine Hildebrandt mit, wie ein Auftritt in der TV-Koch-Show „Alfredissimo“ mit ihrem Frankfurter-Kranz-Rezept – wie zu DDR-Zeiten natürlich mit Margarine statt „guter“ Buttercreme.

Nach Regine Hildebrandts Tod schrieb Annette Hildebrandt das Buch „Liebe Regine … Erinnerungen zum Weiterleben“ (2004). In zehn fiktiven Briefen an ihre Schwägerin „klärt sie in Gedanken ihr Verhältnis zu Regine, hält die vielen guten Erinnerungen an sie fest“ und schildert diese bewegend und einfühlsam. Gemäß dem Buchuntertitel begann sie mit dem Tod Hildebrandts vor 25 Jahren (26. November 2001) und endete mit positiven Erinnerungen aus ihrem Leben.
„Regine hatte ihre schnoddrige Berliner Art, ein loses Mundwerk. Aber sie sagte, was sie dachte und tat was sie sagte; sie setzte sich für ihre Ideen ein – manchmal auch ohne Rücksicht auf Parteiinteresse. Sie war intelligent, witzig und unterhaltsam, anpackend, unkompliziert und uneitel; sehr offen und menschennah“, erinnerte sich ihre Schwägerin. Übrigens: Regine und Annette sangen gemeinsam viele Jahre im Chor des Berliner Doms.
Annette Hildebrandt wird wohl demnächst erneut in der Rathenower Stadtbibliothek gastieren. Dann mit einem musikalischen Programm. Die seit ihrer Kindheit musikalische Frau, Jahrgang 1954, wuchs in einer Berliner Pfarrer-Familie auf und ließ sich zunächst als Krankenschwester, anschließend zur Audiologisch-Phoniatrischen Assistentin ausbilden.





