Rathenow, die „Stadt der Optik“ – Die Tragik im Leben des Unternehmers J. H. A. Duncker
Hier ruht er in Frieden: Johann Heinrich August Duncker (1767-1843). Das ist jener in Rathenow hochverehrte Geistliche, der die Entwicklung seines Geburtsorts zur „Stadt der Optik“ eingeleitet hat.
Es handelt sich um eine Familiengrabstätte auf dem (Historischen) Friedhof der evangelischen Gemeinde. Die Tragik besteht nicht nur darin, dass sowohl seine Ehefrau (1830) als auch seine Tochter (1842) vor ihm von dieser Welt gingen. Sein hier ebenso bestatteter Schwiegersohn überlebte den Begründer der optischen Industrie lediglich um ein Jahr. Tragisch war ferner, dass Johann Heinrich August Duncker mit seiner Linsenproduktion für Brillen nie den Erfolg auskosten konnte.
1801 hatte er das Patent auf die von ihm entwickelte Vielschleifmaschine erhalten. Der Prediger und Unternehmer vom Kirchberg quälte sich durch die ersten Jahre. Dann behinderte die napoleonische Zeit die Entwicklung. Der Krieg forderte seinen Tribut – die Mitarbeiterzahl schrumpfte. Erst nach 1815 gelang es Duncker allmählich, das Brillen-Unternehmen zu stabilisieren und weiter auszubauen. 1819 wurde er schwer krank und blieb es zeitlebens. Die Fortsetzung seines Schaffens blieb im verwehrt. Dunckers Sohn Eduard übernahm die Firmenleitung als 22-Jähriger.
Es vollzog sich eine durchaus rasante Entwicklung. Rathenow wurde zum Begriff in der Welt optischer Produkte. 1845 übergab Eduard Duncker an seinen 25-jährigen Neffen Emil Busch, dessen Eltern, seine Großmutter und sein Großvater mütterlicherseits bereits gestorben waren.
Die Familiengrabstätte auf dem Historischen Friedhof wirkt gepflegt. 225 Jahre nach Patentierung der Vielschleifmaschine gedenkt Rathenow dem Begründer der optischen Industrie mit einigen Jubiläumsaktionen, so auf dem Stadtfest am ersten Septemberwochenende 2026.





