Rätsel um Mann aus Japan: Wieso wurde Michitaro Yamamoto 1942 im winzigen Ort Linde bestattet?
Bei christlichen Bestattungen heißt es: „Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub“. Bei nicht mehr genutzten Friedhöfen wird das ebenso natürliche Realität – so auch im winzigen Ort Linde im Havelland.
Ausgeschildert ist hier nichts. Die Richtung zum früheren Friedhof weist der Stamm einer umgestürzten Traueiche. Die Natur um- und überwuchert einen kleinen Bereich, der mal umzäunt war. Wer durch das offene Portal geht, gelangt zu stark vermoosten Grabstellen. Zahlreiche junge Bäume wachsen hier. Ein 2017 aufgestellter Grabstein ist sicher keinem verstorbenen Menschen, sondern vermutlich einem Hund gewidmet. Bis auf einer kleinen Gedenktafel, die wegen ihres intakten Zustands nicht recht ins Bild passt, sind nirgends Namen zu lesen.
Offenbar sind es japanische Schriftzeichen im oberen Teil der Tafel. Es folgt der Name Michitaro Yamamoto, der 1904 geboren worden war, im Kriegsjahr 1942 starb und allem Anschein nach auf dem Friedhof beerdigt wurde. Unklar, ob genau an der Stelle oder woanders. Beinahe zwangsläufig stellt sich die Frage, wieso der Japaner überhaupt in Linde (bei Barnewitz) war.

Knappe Angaben zu den Umständen im Zweiten Weltkrieg liefert zunächst die Internetseite www.denkmalprojekt.org. Demnach war die Botschaft von Deutschlands Bündnispartner Japan nach Linde ausgelagert worden. Bei Michitaro Yamamoto könnte es sich also um einen Angestellten gehandelt haben.
Die Antwort auf eine BRAWO-Anfrage in der in Berlin ansässigen Japanischen Botschaft ergibt nicht viel, macht die Grabstätte von Michitaro Yamamoto aber noch rätselhafter. Denn Auslagerungen seien erst ab 1943 erfolgt. Und das nicht nur nach Linde, sondern unter anderem auch nach Boitzenburg und Süddeutschland: „Von daher bleibt offen, ob Herr Yamamoto aufgrund von Kriegseinwirkungen verstorben ist und warum er in Linde beigesetzt wurde.“
Der Absender der Antwort bedauert, dass die Botschaft nur über sehr wenige und bruchstückhafte Informationen aus ihrer Zeit in Berlin bis 1945 verfügt. In allerdings vorliegenden Mitarbeiterlisten finde sich kein Michitaro Yamamoto. Wörtlich heißt es weiter: „Im japanischsprachigen Internet konnte ich einen einzigen Hinweis finden. Es handelt sich um den Tagebucheintrag eines japanischen Studenten vom 19.12. 1940, der damals in Berlin studierte. Er nennt einen Herrn Michitaro Yamamoto als Angestellten des Unternehmens Mitsubishi Corporation, mit dem zusammen er an diesem Tag an einer privaten Feier teilnahm.“





