Neuheiten im Museum Falkensee vorgestellt
Es ist gelebte Tradition, im Frühjahr zeigen die Mitarbeiter im Museum der Stadt Falkensee, was so alles während des vergangenen Jahres in die Sammlung aufgenommen wurde. So manches wurde auf den Dachböden der Stadt oder in den hintersten Ecken von Amtsstuben entdeckt.
36 Vorgänge, wie die Abgabe der Stücke im Museum nüchtern zusammengefasst werden, gab es im letzten Jahr, berichtet Museumsleiterin Gabriele Helbig. Dabei kann ein Vorgang nur eines oder sehr, sehr viele Stücke beinhalten. Und viele dieser Stücke schaffen es nicht in die Dauerausstellung im Museum. Denn dazu, betont Helbig eins ums andere Jahr, sind die Räume zu klein. So ist die Vorstellung der Neuheiten auch eine schöne Gelegenheit, einige diese Exponate zu bestaunen. Einige, bei weitem nicht alle. Helbig schätzt, es würde eine Woche brauchen, um alles, was neu hinzukam zu zeigen.
Holztafeln für verdiente Bürger
So manches Stück erweitert die Sammlung im Museum, so wie die „Wappen von Falkensee“, Holzarbeiten, die verdiente Bürger und Bürgerinnen einst von der Stadt in Anerkennung für ihre Dienste erhielten. Jede dieser Holztafeln ist ein Unikat.
Besonders begehrt sind alte Stadtpläne und Landkarten. Für Historiker bieten sie wertvolle Hinweise, alle anderen fühlen sich bei den alten Zeichnungen und liebevollen Beschriftungen ein bisschen wie Indiana Jones beim Anblick einer Schatzkarte. Der Schatz liegt freilich in den Karten selbst und so freut man sich im Museum ganz besonders über einen Parzellierung-Plan aus Waldheim, datiert auf das Jahr 1919 und auf eine Karte der Gemeinde Seegefeld von 1843.
Abgegeben wurde der Meisterbrief des Tischlermeisters Erwin Wille aus dem Jahr 1931 und Sportpokale, wie sie in den 1970er Jahren vergeben wurden. Sportlich blieb es bei einer Autogrammkarte der Mannschaft der DDR des Viererbobs, die bei der Olympiade in Calgary 1988 Silber holte. Einer der Gewinner, der Falkenseer Ingo Voge. Dessen sportliche Erfolge fehlten bisher in der Ausstellung.
Vom doch eher ruppigen Eiskanal gings zu feinem Porzellan aus der Manufaktur KPM. Das Besondere daran: Es wurde von Ursula Haferland bemalt. Die Werke ihres Ehemanns, Franz Haferland, sind in Falkensee bekannt, dass auch Frau Haferland malte, wussten nur wenige. Das Porzellan und ein Bild von Franz Haferland, auf dem er in Öl den Lindenweiher festhielt, gehören nun auch zur Falkenseer Sammlung.
Aufräumen gehört oft zu den Tätigkeiten, die vor der Abgabe im Museum stattfinden. Diesmal hatte man im Rathaus aufgeräumt. Dort stehen ja einige Umzüge an und wer umzieht, schaut schon mal, ob wirklich alles mit ins neue Refugium muss. So auch in der Verwaltung. Gefunden wurden diverse Stempel. Der Auffälligste dabei zeichnet sich durch zwei Besonderheiten aus. Er wurde in kyrillischer Schrift gefertigt und wer auch immer ihn herstellte, verfügte über prophetische Fähigkeiten. Denn der Stempel, der um 1945/46 gefertigt wurde, trägt den Schriftzug „Stadtverwaltung Falkensee.“ Museumsleiterin Helbig vermutet, dass die sowjetischen Besatzer die große Landgemeinde Falkensee für eine Stadt hielten und somit schon mal etwas vorgriffen. Tatsächlich erhielt Falkensee erst 1961 Stadtrechte.
Wirtschaftsspionage in Falkensee?
Und noch eine Überraschung. Wer hätte gedacht, dass Falkensee zum Tatort von Wirtschaftsspionage werden würde. Der VEB (volkseigener Betrieb) Plastikverarbeitung Falkensee stellte in den 1980er Jahren eine Gießkanne her, die sah der Kanne eines westlichen Kunststoffunternehmens zum Verwechseln ähnlich. Gleiche Größe, gleiche Farbe, gleiches Design. Zufall oder nicht, die Zwillingskannen erlangten einige Berühmtheit. Ihr Ruf ergoss sich bis nach Gießen. Vom dort ansässigen Gießkannenmuseum kam die Anfrage nach einer Falkenseer Leihgabe. Das Gießkannenmuseum in Gießen, kein Scherz, gibt es wirklich und wer mal in Hessen weilt, kann sich dort nun eine Falkenseer Gießkanne anschauen.
Aus dem Nachlass des Fotografen Heinz Krüger bewahrt das Museum nicht nur viele Fotoabzüge und Negative auf. Nun wurde die Sammlung um Kameraausrüstung, Ausweise und Publikationen ergänzt.
Wer kennt diese Tasse?
Für all diese Neuzugänge gibt es Ereignisse und Geschichten, die Helbig und ihrem Team bekannt sind, an denen sich anknüpfen lässt. Doch das letzte Stück steht für sich allein. Eine weiße Tasse, wenig kunstvoll, eher Kantinencharme behaftet. Darauf mit blau der Aufdruck: „Nie gedacht“, darunter auch mit Blau „Falkensee“. Diese Tasse wurde auf einem Trödelmarkt in Babelsberg gefunden und stellt das Museumsteam vor ein Rätsel. Wer hat hier was nie von oder über Falkensee gedacht? Was war der Anlass, für die Herstellung dieser Tasse? Woher kommt sie?
Museen sammeln schließlich nicht nur Dinge. Sie erzählen Geschichten, all die Dinge sind die Zeugen dieser Geschichten. Gesucht werden die Zeugen zur Geschichte dieser Tasse. Schließlich wüssten wir alle gern, wer hier was der Stadt Falkensee nicht zugetraut hat.





