Nauen war mal ein Epizentrum der Zuckerrübe
Der gute Ruf von Zucker hat in den letzten Jahrzehnten stark gelitten, wohl auch im Havelland, wo sich bis 1993 eine Zuckerhochburg befand. Was aus ihr geworden ist.
In vielen Köpfen hat sich Weißzucker als industriell gefertigtes Produkt eher abwertend zu „Industriezucker“ verformt. Bei manchen geht das so weit, dass sie allen Ernstes glauben, dass es im Gegensatz zu Weißzucker diverse Arten mit natürlichen Rohstoffen gibt. Schräger könnte diese Sichtweise kaum sein!
Ein Blick in die havelländische Heimatgeschichte offenbart, dass Weißzucker aus Rüben hergestellt wird. Allerdings nicht mehr in Nauen wie ab 1889. Hervorragende Infoquelle dazu ist die Internetseite nauen.eu. In besten Zeiten, ab 1974, bestand auf dem Betriebsgelände ein Lagerplatz für bis zu 40.000 Tonnen Rüben. Schon ab 1968 gab es ein Produktionsgebäude für eine 1kg-Weißzuckerabpackanlage, einschließlich Versandlager mit einer Kapazität von 1.000 Tonnen 1kg-Pakete auf Paletten. Der VEB Zuckerfabrik Nauen war die einzige Zuckerfabrik im damaligen DDR-Bezirk Potsdam. DDR-weit gab es 42 weitere. Auf Nauen entfielen fast 5 Prozent der DDR-Gesamtzuckerproduktion. Nach der Wende erwarb Pfeifer & Langen das inzwischen privatisierte Unternehmen und schloss es 1993.
Heutigentags bestehen auf dem Gebiet der früheren DDR nur noch vier Standorte: in Anklam (Mecklenburg-Vorpommern/ Cosun Beet Company), Klein Wanzleben (Sachsen-Anhalt/Nordzucker AG), Könnern (Sachsen-Anhalt/ Pfeifer & Langen GmbH & Co. KG), Zeitz (Sachsen-Anhalt/Südzucker AG). Brandenburgs letzte Zuckerrübenfabrik hatte Südzucker im Jahr 2019 in Brottewitz (Landkreis Elbe-Elster) geschlossen. Die 1991 geschlossene Fabrik in Oldisleben wurde 2021 von Südzucker in die Stiftung Kulturgut Zuckerfabrik Oldisleben übertragen und ist heute ein Technisches Denkmal. Hier wird auch die Bedeutung der Zuckerrübe betont.





