Mit der Sielmann-Stiftung in der Döberitzer Heide unterwegs
Die schlechte Nachricht zuerst: Alle bisher für 2026 geplanten Kleinbustouren durch die Döberitzer Heide sind bereits ausgebucht. Im Natur-Erlebniszentrum in Elstal ist man selbst erstaunt, wie gut das neue Angebot angenommen wurde und führt bereits Wartelisten. Die Heide-Safari wurde speziell dafür entwickelt, auch mobilitätseingeschränkten Menschen die Döberitzer Heide näherzubringen.
Gemeinsam mit einem Experten oder einer Expertin der Sielmann-Stiftung fährt man in einer kleinen Gruppe die sandigen Wege vom Natur-Erlebniszentrum in Richtung Kernzone. Die sandigen Wege sind im Übrigen einer der Gründe, warum die Heide-Safaris nur im Frühjahr und Herbst angeboten werden. Mit einem voll besetzten Kleinbus werden diese im trockenen Sommer schlecht befahrbar. Und sich festfahren möchte niemand.
Ziel der Tour ist die sogenannte „Wüste“, ein Abschnitt in der Heide, der durch langjährige Nutzung als Panzerübungsstrecke über Jahrzehnte frei von jeglichem Bewuchs war. Der regional typische Sandboden bot einen speziellen Lebensraum für viele Tiere, insbesondere Insekten. Nach dem Rückzug des Militärs wuchs der Bereich langsam zu, vor allem Ginster breitete sich stark aus. Dank Pflegemaßnahmen der Sielmann-Stiftung konnte der offene Charakter wieder hergestellt werden. So bietet die von Wald umgebene Wüste wieder einen freien Blick weit in die Landschaft hinein.
Die großen Säuger treffen sich hier gerne, um ein Sandbad zu nehmen oder in der Sonne ein Nickerchen zu halten. So hatte auch die erste Heide-Safari hier das Quäntchen Glück: Eine Gruppe von mindestens acht Wisenten hatte sich in Nähe eines Baumes niedergelassen und ließ sich die Frühjahrssonne auf den Pelz scheinen. Allerdings waren die Tiere nur mit dem Fernglas richtig gut zu erkennen. Vom erhöht gelegenen Rastpunkt an der Wüste waren es einige hundert Meter bis zu den Tieren. Einzelne Wisente zogen aber immer wieder auch deutlich näher vorbei.
Die Big Five der Döberitzer Heide
Richtig weit weg und sich immer wieder in den angrenzenden Wald begebend zeigte sich ein Przewalskipferd, das mit dem bloßen Auge nur als hellbrauner Punkt in der Ferne erschien. Richtig Glück hatte die Gruppe dann gegen Ende des etwa halbstündigen Aufenthalts an der Wüste, als sich auch noch eine große Gruppe Hirschkühe aus dem Wald heraus bewegte. Rund 20 Tiere wurden durch die Ferngläser gezählt.
Die Experten der Stiftung hatten zudem ein Spektiv dabei, mit dem die Gäste einen noch besseren Blick auf die Tiere werfen konnten. Während der gesamten Tour standen fünf Stopps an. An jedem informierten die Sielmann-Mitarbeiter zu einem anderen der „Big Five“, der großen Fünf, der Döberitzer Heide. Anders als in Afrika, wo Löwe, Leopard, Nashorn, Elefant und Büffel zu den Big Five gezählt werden, sind es in der Heide der europäische Wisent, der Rothirsch, das Przewalskipferd, der Wolf und der Seeadler.
Erklärt wird, u.a. welche Bedeutung die Tiere für das Ökosystem haben und warum man gerade diese hier angesiedelt hat. Wobei natürlich Seeadler und Wolf von selbst die Heide als Revier gewählt haben. Man erfährt, dass die rund 130 Tiere zählende Wisentpopulation die größte Herde in Europa ist, dass die Przewalskipferde nur Stuten und Wallache, also kastrierte männliche Tiere, umfasst, da das weltweite Zuchtprogramm keine Vermehrung dieser Tiere mehr vorsieht und dass die Wolfsfamilie immer aus einem Pärchen mit Jungtieren und Einjährigen besteht, weil die älteren Nachkommen in ihrem zweiten Lebensjahr abwandern.
Man lernt, dass die Rothirsche rund drei Jahre gebraucht haben, um sich an den Wolf zu gewöhnen und ihre Jungtiere entsprechend vor Angriffen zu schützen. Die Population sei im vergangenen Jahr erstmals wieder stabil gewesen, war zu erfahren. So hätten die Hirsche gelernt, die Jungtiere bei Gefahr, wie es auch die Wisente tun, schützend in die Mitte zu nehmen. Man habe sogar beobachtet, wie sich Rothirsche zu den Wisentgruppen dazu gestellt haben, wenn Wölfe in der Nähe waren.






