Dr. Michitaro Yamamoto – Deutschland-Chef von Mitsubishi im Havelland bestattet
Kaum war die Geschichte über den Japaner vom Friedhof im winzigen Ort Linde (bei Barnewitz / Landkreis Havelland) in BRAWO und Internet, meldete sich eine Leserin mit überaus aufschlussreichen Fakten.
Bislang wurde allgemein angenommen, dass Michitaro Yamamoto (1904-1942) ein Angestellter der Japanischen Botschaft war. BRAWO fragte dort nach und erfuhr, dass der Mann in keiner der Listen mit den Namen früherer Mitarbeiter auftaucht. Dafür ließ man BRAWO wissen: „Im japanischsprachigen Internet konnte ich einen einzigen Hinweis finden. Es handelt sich um den Tagebucheintrag eines japanischen Studenten vom 19.12. 1940, der damals in Berlin studierte. Er nennt einen Herrn Michitaro Yamamoto als Angestellten des Unternehmens Mitsubishi Corporation, mit dem zusammen er an diesem Tag an einer privaten Feier teilnahm.“ Und das sollte zur Kerninfo werden.

Der Beitrag kann hier nochmals nachgelesen werden. Eine „getriggerte“ Leserin, die sich im deutschen Archivwesen gut auskennt, fand die am 5. Oktober 1942 ausgestellte Sterbeurkunde von Michitaro Yamamoto sowie einen Eintrag in der Zentralhandelsregisterbeilage zum Reichs- und Staatsanzeiger Nr. 66 vom 18. März 1939. In diesem wird die begonnene Prokura von Dr. Michitaro Yamamoto in der Mitsubishi Shoji Kaisha GmbH angezeigt. Im in Berlin ansässigen Unternehmen war er allein vertretungsberechtigt. Er war sozusagen zum Mitsubishi-Deutschland-Chef geworden. Die Prokura eines Dr. Masuzo Fujimuro war erloschen.
Laut Sterbeurkunde hatte der am 10. März 1904 im japanischen Osaka geborene und am 4. Oktober 1942 in der Berliner Charité verstorbene Dr. Yamamoto in der Kufsteiner Straße 49 (Stadtbezirk Schöneberg) gelebt. Seine Ehefrau, Fumie Yamamoto, lebte derweil in Tokio. Dem Austeller der Urkunde „unbekannt“ blieben Vater und Mutter. Der Mitsubishi-Deutschland-Chef war in der Charité einer schweren Erkrankung erlegen.
Die Frage, warum der Japaner 1942 ausgerechnet in Linde im Havelland bestattet wurde, bleibt vorerst unbeantwortet. Klar ist allerdings, warum keine Überführung des Leichnams nach Japan erfolgen konnte. Das Land war Bündnispartner des deutschen NS-Reichs. Am Tag nach dem Angriff auf die US-Marinebasis Pearl Harbor vom 7. Dezember 1941 erklärten die USA dem Kaiserreich Japan den Krieg. Am 11. Dezember erklärte Deutschland den USA den Krieg.





