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Donnerstag, 16. April 2026

Magazininsel in Rathenow – wurden hier einst Menschen bestattet?

magazininsel
Blick von oben auf die Magazininsel in Rathenow, die womöglich einst ein vorchristlicher Begräbnisort war. Bildquelle: google earth

Wo großartige Funde denkbar sind, überliefert mitunter die Heimatgeschichte. Dadurch gibt es auch im westlichen Havelland ein paar spannende Stellen.

Diese sind für professionelle Archäologen und ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger überaus interessant – allerdings auch für kriminelle Schatzsucher. Eine allseits eher unterschätzte Stelle in Rathenow ragt aus der Havel heraus.

​Goldhändler und -schmiede hätten sicher Interesse, erst recht Sammler und in erster Linie Geschichtsforscher, würde es sich um einen Fund der Gegenwart handeln. Doch liegt die Zeit der schriftlich überlieferten Entdeckung schon sehr lange zurück, noch länger als jede regionale Museumseröffnung. Beim Fundort handelt es sich um die Magazininsel im Westen der havelländischen Kreisstadt. 

In seinen „Denkwürdigkeiten der churmärkischen Stadt Rathenow“ (1803) notierte der überaus geschichtsinteressierte Militärgeistliche Samuel Christoph Wagener (1763-1845) folgendes: „Besonders merkwürdig sind die Urnen, welche um das Jahr 1758 in der Gegend des großen königl. Magazins ausgegraben wurden und in deren Einer ein goldener Streithammer und verflochtener Golddraht lagen.“

Zur genannten Fundzeit dürfte allerdings die Insel, auf der erst ab 1786 das Königliche Proviantmagazin errichtet wurde, größtenteils nur aus Natur und womöglich aus einigen zu kleinen Hügeln geformten Grabstellen bestanden haben. Die von Wagener erwähnten Urnen deuten klar auf vorchristliche Bestattungsriten hin. Für die vormalige Bevölkerung sind solche Riten in Havelnähe überliefert. 

1992 war in der Brandenburger Altstadt eine frühslawische Urnenbestattung aus dem 8. Jahrhundert nachgewiesen worden. Das Sorbische Institut lässt für Nieder- und Oberlausitz wissen: „Die vor dem 10. Jh. vorherrschende Bestattungsform war die Brandbestattung, wobei der Leichenbrand mit Resten der Opfergaben in Urnen auf oder in Grabhügeln, gelegentlich auch in älteren, bronzezeitlichen, obertägig sichtbaren Hügeln beigesetzt wurde; mitunter sind die verbrannten Überreste der Verstorbenen zusammen mit Keramikscherben als Ascheschicht gefunden worden. Die Grabhügel waren abseits der Siedlungen auf Flächen angelegt, die oft an Scheidewegen oder auf Anhöhen lagen.“

Auf www.visithavelland.de ist über den Brandenburger Havelortsteil Saaringen zu lesen, dass ein Hügelgräberfeld bei Archäologen besonderes Interesse hervorgerufen hatte. „Im Überflutungsbereich der Havel befanden sich ehemals über 100 Hügel auf den Wiesen bei Saaringen. Viele wurden im letzten Jahrhundert abgetragen oder zerstört. In den knapp ein Meter hohen Hügeln von 5 bis 15 Meter Durchmesser fanden sich bei einer Untersuchung verschiedene Überreste einer Bestattungszeremonie. Heute sind von den 100 Hügeln nur noch etwa 20 sichtbar.“ 

Derweil meint man auf www.literaturport.de über den slawischen Ursprung des Mögeliner Ortsnamens, dass dieser eine „Siedlung nahe eines Erdhügels bzw. bei Grabhügeln“ bezeichnen würde. Die Urnen von der Havel-Magazininsel könnten freilich auch auf vorslawische, also germanische Bestattungsriten hinweisen. 

Kostbare märkische Funde aus dieser Zeit sind römische Geldstücke, wie die Silbermünze mit dem Konterfei von Augustus, die einst in Rathenow ans Licht befördert wurde. Augustus ist jener Kaiser, der zu Zeiten von Jesu Geburt herrschte. Zum Glück für alle Heimatgeschichtsfreunde landete die Münze in keiner Metallschmelze und in keiner privaten Sammlung und wird heutigentags im Archäologischen Landesmuseum in Brandenburg/Havel gezeigt. 

Auch die römische Goldmünze aus der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts, die 1976 auf einem Feld bei Vieritz gefunden wurde, gelangte letztlich in dieses Museum. Für den einstigen Großmeister der hiesigen Altertumsforschung, Dr. Rudolf Guthjahr (1904-1988), stellte sie eine „Rarität ersten Ranges“ dar.

Indessen ist der goldene Streithammer von der Magazininsel verschollen. „Jener ward dem damaligen Bürgermeister Dolscius überliefert“, so Wagener in seinen „Denkwürdigkeiten“: „Den Golddraht aber verkaufte man, aus Unbekanntschaft mit seinem hohen Werthe, für 2 Reichstaler dem Goldschmiede Polle, der ihn, zum größten Leidwesen der Altertumsfreunde, einschmolz.“ Für den Autor der Rathenower „Denkwürdigkeiten“ gehörte das Grabmal auf der Magazininsel „unstreitig einem großen Manne“.

In der Mitte ein in verschiedenen Blautönen besprühter Verteilerkasten, links und rechts davon kniet jeweils ein Mann. Der linke hat ein helles Hemd an, der recht trägt ein grau-blaues Jackett und einen runden Hut.

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