Letzte-Hilfe-Kurse: Am Ende wissen, wie es geht
Letzte-Hilfe-Kurse vermitteln einfühlsam Wissen zur Sterbebegleitung und richten sich an alle
Menschen, die sich über die Themen Sterben, Tod und Palliativversorgung informieren wollen.
Jeder Mensch, der in Deutschland einen Führerschein machen will, muss einen Erste-Hilfe-Kurs absolvieren. Von einem Letzte-Hilfe-Kurs haben die meisten dagegen wohl noch nicht einmal gehört. Das wollen Andrea und Jürgen Röhr ändern. Im Havelland organisieren sie seit 2024 diese Kurse, die sich vor allem, aber nicht nur, mit dem Umsorgen von schwerkranken und sterbenden Menschen beschäftigen.
Jürgen Röhr ist Notfallseelsorger und konnte bei seiner Tätigkeit oft beobachten, wie unvorbereitet viele Menschen im Angesicht tragischer Ereignisse sind. Der pensionierte Polizist war es, der in der Schweiz das erste Mal von Letzte-Hilfe-Kursen erfahren hat. Andrea Röhr, ihres Zeichens Krankenschwester, die auch schon auf Intensivstationen gearbeitet hat, war sofort begeistert von der Kursidee. Auch in ihrem Job ist sie mit Trauernden konfrontiert und erlebt, wie wenig Menschen über das Sterben wissen.
Mit dem Kurs wollen die beiden das ändern. Rund fünf Stunden nehmen sie sich mit ihren Kursteilnehmern Zeit, um darüber zu sprechen, was eigentlich sterben ist, was es ausmacht. Dabei wird der Prozess ganzheitlich betrachtet.
„Sterben fängt nicht erst mit der Schnappatmung an“, sagt Andrea Röhr. Das Sterben als Teil des Lebens, bei dem nicht nur der Körper stirbt, sondern wo auch psychische, spirituelle und soziale Aspekte eine Rolle spielen. Die letzte Hilfe will Wege zeigen, was man tun kann, um Leiden zu lindern und Lebensqualität zu erhalten.
Im Kurs werden viele Anschauungsmaterialien verwendet. Gans Gertrud hilft dabei, schwere Themen zu veranschaulichen, genauso wie die Matrjoschka-Puppen. Im Kursteil „Leiden lindern“ wird erklärt, was man bei verschiedenen Symptomen tun kann, von Mundpflege bis Atemnot lindern.
Es muss kein Wasser sein
„Menschen sterben nicht, weil sie nicht mehr essen und trinken, sondern sie essen und trinken nicht mehr, weil sie sterben“, betont Andrea Röhr. Und wenn Menschen an ihrem Lebensende etwas Bestimmtes nochmal essen oder trinken wollen, dann solle man ihnen das geben, egal, was es ist. „In der Sprühflasche zum Mundbefeuchten muss kein Wasser sein“, ergänzt sie.
Worauf beide Kursleiter Wert legen, ist das Thema Abschied nehmen. Es sei essenziell für die Trauer und auch das Begreifen des Todes. Sie befürworten, das man den Verstorbenen nochmal sieht, den Körper anfasst und wahrnimmt. Auch Kindern oder Enkeln sollte die Wahrheit gesagt werden. Kleinen Kindern zu sagen, dass der Opa oder die Oma für immer schlafen, könne dazu führen, dass Kinder Angst vor dem Schlafen bekommen.
Zum Thema Sterben gehört auch das Thema Vorsorge. Im Kurs wird erklärt, was Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten sind und aufgezeigt, was man alles festlegen kann. Im Kurs wird erklärt, aber nicht ausgefüllt. „Wir geben aber Tipps, an wen man sich wenden kann“, sagt Jürgen Röhr.
Es gebe die fünf W‘s der Vorsorge: Was ist mir wichtig? Wer (darf/soll dabei sein)? Wo (will ich sterben)? Wie? Und wann? All diese Fragen kann man sich im Vorfeld stellen und mit seinem Umfeld, mit Menschen, denen man vertraut, darüber reden. Wie man mit jemanden umgeht, der einen Verlust erlitten hat, wird ebenfalls angesprochen. Trauer sei ein Fächer an Emotionen. Man müsse den Menschen Zeit lassen, ein Trauerjahr, in dem viele Ereignisse das erste Mal ohne den geliebten Menschen stattfinden, gehöre dazu.
Neue Kurse in 2026 geplant
Am Ende des fünfstündigen Kurses sind alle Letzthelferinnen und Letzthelfer. Diese Art Kurse, die immer im Tandem von einem Seelsorger und einer medizinischen Fachkraft ehrenamtlich gegeben werden, gibt es in ganz Deutschland. Andrea und Jürgen Röhr bieten sie in Nauen und Rathenow für Menschen ab 18 Jahren an. Der nächste Termin ist der 25. April 2026 in Nauen, dann folgen Kurse am 26. September 2026 in Rathenow und am 7. November 2026 wieder in Nauen.
In Nauen finden die Kurse in der Pflegefachschule im Dreifelderweg statt, in Rathenow in der Klinik Rathenow, Forststraße 45. Es gibt immer maximal 15 Plätze. Die Teilnahme ist kostenfrei. Die Anmeldung erfolgt für beide Standorte über die Pflegefachschule telefonisch unter 03321/421730 oder via E-Mail an fortbildungen@agp-havelland.de. Weitere Informationen zur Letzten Hilfe gibt es auf www.letztehilfe.info.





