Kein Mord, aber Totschlag in Rathenow? – Vietnamese vor Gericht geständig
Die Messerstiche treffen die Frau tief, an verschiedenen Stellen des Körpers und sind letztlich tödlich. Sanitäter, die die Betreiberin des vietnamesischen Imbisses an der Mittelstraße in Rathenow am 25. Juni 2025 auffinden, versuchen, ihre Blutungen zu stoppen. Im örtlichen Krankenhaus ringen die Ärzte um ihr Leben – letztlich vergeblich. Rund zwei Stunden nach dem Angriff auf ihr Leben verstirbt die Frau.
Angeklagt wegen Totschlags ist der 51-jährige Ex-Ehemann Quoc D., der am Montag vor dem Landgericht Potsdam die Tat gestand – soweit er sich daran erinnern konnte. Die Tat tue ihm sehr leid. Er beschrieb seinen Eindruck, dass eine andere Person das getan habe und er später „aufgewacht“ sei. Dann habe er bei der Feuerwehr angeklingelt, erfolglos versucht, Passanten anzuhalten, es nochmal bei der Feuerwehr versucht. Den Notruf selbst zu wählen, habe er sich mit seinen schlechten Deutsch-Kenntnissen nicht zugetraut. Im Gerichtssaal sagte er kein deutsches Wort, alle Aussagen wurden übersetzt. Laut Anklage war die 43-jährige Frau gerade dabei, Speisen für den Imbiss vorzubereiten, als sie angegriffen wurde.
Die beiden heirateten etwa 2003 in Vietnam, haben zwei gemeinsame Kinder. Später ging sie nach Deutschland, er ließ sich scheiden, sie heiratete einen hier lebenden vietnamesischen Mann. Auch er verheiratete sich neu, mit einer in Deutschland lebenden Vietnamesin. So kam auch er 2024 nach Europa.
Er wollte seine Kinder sehen, half im Imbiss aus, erzählte er – oder war es doch eine Scheinehen-Konstruktion, wie der Vorsitzende Richter Bodo Wermelskirchen es ins Spiel brachte? Lebten beide wieder zusammen, nur offiziell anders verheiratet? Er, der jetzt in Berlin lebt, wollte seine Kinder in Rathenow wiedersehen. Kurz vor der Tat kümmerte er sich um den Imbiss, weil seine Ex-Frau in Vietnam war, und wohnte in ihrer Wohnung.
Um das Geschehen rund um die ihm vorgeworfene Tat ging es in der zweieinhalbstündigen Aussage des Angeklagten eher selten. Viel erzählte er von einer psychischen Erkrankung und seinen Ängsten, dass er vergiftet werden könnte. Im Verdacht hat er die Brüder der Getöteten oder einen Geschäftsmann, akribisch erzählte er seine Erlebnisse aus Vietnam. Wasser trinke er deshalb aus der Leitung, antwortete er der Psychiaterin, die seine Schuldfähigkeit beurteilen muss.
Wenig Gutes fällt ihm den Worten der Übersetzerin folgend zu seiner getöteten Ex-Frau ein. Sie habe ihn schlecht behandelt, zu langsame Arbeit vorgeworfen, wenn er im Imbiss mithalf. „Wenn Du so weiter machst, kriegst Du gar nichts zu essen“, soll sie gedroht haben, oder auch, dass er nur Toiletten putzen könne, wenn er nicht als Küchenhilfe arbeiten wolle. „Sie wollte mich erniedrigen“, wurde er immer wieder übersetzt, auch das Wort „Sklave“ fiel. Angeblich wollte die Ex-Frau auch verhindern, dass er die beiden Kinder wiedersieht, und an der österreichischen Grenze einen neuen Imbiss eröffnen.
„Ich habe mich nicht mehr unter Kontrolle. Ich wollte sowas niemals“, wurde übersetzt, während er sich Tränen aus dem Gesicht wischte. Als er wieder „aufwachte“, sah er seine blutende Ex-Frau. Dann habe er sich um Hilfe bemüht. Als jemand sagte, dass es gut werde, sei er nach Hause gefahren. Angeblich wollte er gerade zur Berliner Polizei starten und sich stellen, als die Beamten vor seinem Haus auftauchten.
Die Frau verstarb nach drei Stichen in die Brust, mit einem weiteren Stich wurden Leber, Magen, Dünndarm und die Hauptschlagader getroffen. Die 1. Strafkammer hat acht weitere Verhandlungstage bis zum 21. April angesetzt. Nach dem Geständnis dürfte das Urteil nun deutlich schneller fallen.





