Heimatgeschichte für sich entdeckt – Ziegelindustrie im Fokus
Geboren 1946 in Semlin bei Rathenow: Heike Brett wurde 80. Seit ihrer Jugend interessiert sie sich für das, was einst im Ort und darüber hinaus geschah.
Rathenow gilt nicht nur als die Stadt der Optik, sondern war über viele Jahrzehnte auch das Zentrum einer Region mit prosperierender Ziegelindustrie. Dieser Wirtschaftszweig prägte insbesondere im 19. Jahrhundert das Havelland und machte die Region durch zahlreiche leistungsfähige Ziegeleibetriebe zwischen Havel und Elbe weit über ihre Grenzen hinaus bekannt. Um die Erforschung der Geschichte dieser inzwischen längst verschwundenen Betriebe hat sich Heike Brett große Verdienste erworben.
Zuletzt feierte die auch jenseits des Havellands geschätzte Heimatforscherin ihren 80. Geburtstag. Zu diesem besonderen Jubiläum gratulierten ihr auch ihre Freunde vom Rathenower Heimatbund e.V.
Heike Brett wurde am 6. Juni 1946 in Semlin geboren. Die Familie ihrer Mutter war bereits seit Generationen eng mit dem Dorf am Hohennauener-Ferchesarer See verbunden und dort tief verwurzelt. Vor Ort besuchte sie zunächst die Dorfschule, bevor sie 1962 in Rathenow ihre Mittlere Reife erlangte. Anschließend erlernte sie in der Optikstadt beim VEB ROW den Beruf der Industriekauffrau und qualifizierte sich später im Fernstudium zur Ingenieurökonomin. Nach Tätigkeiten in verschiedenen Betrieben und Einrichtungen übernahm sie Anfang der 1990er Jahre eine Aufgabe im Jugendamt des damals neu geschaffenen Landkreises Havelland.
Schon seit ihrer Jugend interessierte sich Heike Brett für die Geschichte ihrer Heimat. Mit Beginn des neuen Jahrtausends widmete sie sich diesem Interesse zunehmend intensiver. Dabei galt ihre besondere Aufmerksamkeit von Anfang an der Geschichte der im 19. Jahrhundert äußerst leistungsfähigen Ziegelindustrie in und um Rathenow.
Die Erforschung dieser Industrie, die Biografien der Ziegeleibesitzer und ihrer Familien sowie die überregionale Verbreitung der Rathenower Ziegel entwickelte sich zu einem Schwerpunkt ihrer heimatgeschichtlichen Arbeit. Gemeinsam mit dem Berliner Ziegelfreund Horst Hartwig und weiteren, deutschlandweit tätigen Ziegelenthusiasten erforscht und sammelt sie alle Informationen, die mit den Rathenower Ziegeln in Zusammenhang stehen.
Die Ergebnisse dieser gemeinsamen Forschungen finden interessierte Leser auf den Webseiten von Horst Hartwig. Im Laufe der vergangenen Jahre hat Heike Brett die umfangreichste Sammlung gestempelter Ziegelsteine der Region zusammengetragen. Diese stellt sie nicht nur für Forschungszwecke zur Verfügung, sondern präsentiert sie auch gern interessierten Ziegelfreunden.
Ab etwa 2010 entwickelte sich zwischen der inzwischen schon längere Zeit in Rathenow lebenden Jubilarin und dem Wahl-Semliner Martin Keune eine rund siebenjährige, äußerst fruchtbare Zusammenarbeit. Diese begann mit der Aufarbeitung des Lebens des während der NS-Zeit längere Zeit in Semlin lebenden Autors Axel Rudolf. 2009 erschien dazu das Buch „Groschenroman“.
Darüber hinaus entstanden zahlreiche Hefte über das Leben in und die Geschichte Semlins. Einen nicht unerheblichen redaktionellen Anteil an diesen Veröffentlichungen hatte die Jubilarin, die mit ihrem Engagement sowie ihren umfassenden Orts- und Geschichtskenntnissen maßgeblich zum Gelingen dieser Publikationsreihe beitrug.
Darüber hinaus veröffentlichte Heike Brett zahlreiche weitere regionalgeschichtliche Beiträge im Rathenower Heimatkalender, in der Lokalpresse sowie in verschiedenen Publikationen des Rathenower Heimatbund e.V. Zudem ist sie immer wieder als Referentin gefragt – auch weit über die Grenzen Semlins hinaus.
Die Geschichten der Adelsfamilien im Havelland und im Elb-Havel-Winkel zählen zu ihrem aktuellen Forschungsschwerpunkt. Neben mehreren Veröffentlichungen zu diesem anspruchsvollen Themenkomplex konnte Heike Brett ihr fundiertes Wissen jüngst auch in mehreren durchweg gut besuchten Vorträgen eindrucksvoll unter Beweis stellen.
Zu ihren Lieblingsadligen gehören Caroline de la Motte Fouqué (geborene von Briest / verwitwete von Rochow) aus Nennhausen sowie deren nahe Verwandte Jenny von Briest aus Böhne. Letztere, verheiratet mit Carl Friedrich Wilhelm Titus von Möllendorf auf (Groß-)Wudicke, soll 2027 mit einem Theaterstück in der Großwudicker Schlosskapelle – ein achtseitiger Zentralbau – gewürdigt werden. Für dieses besondere Projekt hat sich Heike Brett bereit erklärt, die dafür notwendigen historisch belastbaren Grundlagen zusammenzutragen.





