Gustav II. Adolf und der Schwedendamm in Rathenow
In den Jahren 1628 und 1678 wurde die Hansestadt Stralsund belagert und beschossen. Das ist gutes Beispiel dafür, wie schnell sich Machtgefüge in nur wenigen Jahrzehnten rapide ändern können.
Im Stralsunder Rathaus ist eine Büste zu sehen, die Schwedenkönig Gustav II. Adolf zeigt. Er wurde in der Stadt einst als Held gefeiert. 1628 wurde auch mit schwedischer Militärunterstützung eine Belagerung durch kaiserlich-katholische Truppen überstanden.
Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648), in dem sich katholische und protestantische Machtblöcke gegenüberstanden, tobte auch in Pommern an der Ostsee. Stralsund verbündete sich nach der Belagerung mit dem schwedischen König, der ebenso ein Protestant war. Ab September 1630 weilte er hier für zwei Monate, woran die 300 Jahre später geschaffene Büste erinnern soll.
Gustav II. Adolf wurde nur an der Ostseeküste als Held und Befreier gefeiert. Dem protestantischen Kurfürstentum Brandenburg-Preußen drückte er ein Zwangsbündnis auf. Die Mark wurde dadurch zum schwedischen Durchmarschgebiet, wobei es auch zu Plünderungen kam. 1632 wurde der König in der Schlacht bei Lützen (zwischen Leipzig und Naumburg) tödlich getroffen.
In dem Zusammenhang ist das protestantische Rathenow zu klein für Weltgeschichte. Immerhin kam es aber in der Havelstadt, die damals nur aus der Altstadt-Insel mit etwa 2.000 Einwohnern bestand, von 1631 bis 1634 zu einer schwedischen Phase. Zuletzt sollen hier sechs berittene Kompanien in Garnison gelegen haben.

Eine 1633 geschaffene und vom Weinberg ausgehende Stadtansicht – hier Rattenaw genannt – zeigt am linken Rand (nahe dem heutigen Optikpark) ein militärisches Feldlager. Wenn dem Entstehungsjahr des Kupferstichs geschichtliche Fakten zu Grunde liegen, müsste es sich um schwedische Truppen handeln. Vermutlich kam der Schwedendamm so zu seinem Namen. Die Ansicht geht auf Matthäus Merian dem Älteren (1593-1650) zurück.

Obwohl der König starb, gehörte Schweden letztlich zu den Kriegsgewinnern. Nachfolgende wurden zu Herzögen von Schwedisch-Pommern (unter anderem mit Stralsund, Rügen und Usedom). 1674 wurde die Region zur Ausgangsbasis der schwedischen Aggression gegen das benachbarte Brandenburg-Preußen.
Schweden stand dem katholischen Frankreich bei, das sich im Krieg mit den protestantischen Niederlanden befand. Der brandenburgische Kurfürst unterstützte die Glaubensbrüder aktiv und führte sein Heer in den fernen Holländischen Krieg. Um seinen katholischen Verbündeten zu stärken, fiel Schweden dem Kurfürstentum in den Rücken.
Im Frühjahr 1675 kamen Truppen bis an die Untere Havel. Havelberg, Rathenow und die Stadt Brandenburg wurden besetzt. Im Juni wurde Rathenow befreit. Der Kurfürst schlug durch bis in die gewonnene Schlacht bei Fehrbellin. Der Schwedisch-Brandenburgische Krieg war damit noch nicht beendet. 1678 belagerte und beschoss der Kurfürst die Hansestadt Stralsund. Letztlich eroberte er ganz Schwedisch-Pommern, musste aber nach dem Friedensvertrag von 1679 seine Eroberungen wieder herausgeben. 1734 bis 1736 wurde der Sieger in Rathenow in Sandstein gemeißelt. Schließlich hatte hier der Siegeszug begonnen.





