Gruft der Familie von Rochow in Golzow (Potsdam Mittelmark) gerettet
Die achteckige oder wie es häufig heißt, die oktogonale Golzower Kirche im Landkreis Potsdam-Mittelmark thront auf einem Hügel und zieht die Blicke der Vorbeifahrenden auf sich. Die Golzower wissen jedoch, dass man auch unter die Kirche treten kann. Denn dort befindet sich die Gruft der Familie von Rochow.
2025 hätte die Familiengruft den 275. Jahrestag der Entstehung feiern können. Allerdings wurde eher die Wiedergeburt im Oktober 2022 begangen, denn die im Jahr 1750 von Friedrich Wilhelm von Rochow eingerichtete Gruft wurde zerstört, die Särge geplündert und sogar die Schädel gestohlen.
Die Plünderungen fanden in den 70-er und 80-er Jahren des 20. Jahrhunderts statt, es sollen Jugendliche gewesen sein, die in die Gruft eingedrungen sind. Was noch übrig blieb, war nach Ansicht von Experten sehr gut erhalten, was dem trockenen Raumklima im Gewölbe geschuldet war. Die vorhandenen Särge aus Holz, Zinn und Blei sowie Kupfer stammen aus dem Hochbarock bis zum Biedermeier – also aus der Zeit von 1646 bis zum Jahr 1828. Es sind noch 28 Särge vorhanden und in den letzten Jahren restauriert worden.
„Einige der Beschläge strahlen noch in einem Glanz, der aus vergleichbaren Befunden nicht bekannt ist. Hervorragend erhaltene Textilien erlauben seltene Einblicke in die Mode des 18. und 19. Jahrhunderts und zeugen von der liebevollen Herrichtung der Leichname durch die Angehörigen“, schreiben Andreas und Regina Ströbl. Die Historiker und Restauratoren aus Lübeck haben diese Arbeiten übernommen.
Von 2017 bis 2020 konnten die Särge und ihre Inhalte von ihnen wissenschaftlich dokumentiert und gemeinsam mit Fachrestauratoren aus den Disziplinen Holz, Metall und Textil restauriert werden. Durch die interdisziplinären Untersuchungen ließen sich, auch anhand der historischen Kirchenbücher, fast alle Bestatteten identifizieren.
Besonders prachtvoll sind die vergoldeten und reich bemalten Kupfersärge von Georg Wilhelm von Rochow (1610-1665) und seiner zweiten Frau Maria Polyxena, geb. von Loeben (1626-1666), sowie der mit lachsfarbenem Samt bezogene und mit vergoldeten Kupferblechen geschmückte Sarg des Daniel von Rochow (1684-1735).
Mit einem Festgottesdienst endeten im Oktober 2022 die Arbeiten. Die Gruft ist nun wieder sicher verschlossen und kann zu besonderen Anlässen besichtigt werden. Derweil steht die Kirche jedem für einen Besuch offen. Wer auch die Gruft der von Rochow besichtigen möchte, sollte sich an Oliver Notzke, den zuständigen Geistlichen, wenden. Er ist gegenüber der Kirche im Gemeindehaus zu erreichen.





