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Donnerstag, 16. April 2026

Echter Havelländer Gigant, der größer als Goliath war?

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marienberg
Blick von oben auf die Spitze des Marienberg, wo im 15. Jahrhundert die Gebeine eines riesenhaften Menschen ausgegraben worden sein sollen. Bildquelle: Google Earth

Im Havelländischen ranken sich Sagen um riesenhafte Gestalten, die für die Entstehung von Hügeln herangezogen werden. Die reale Heimatgeschichte sorgt mitunter für ebenso unglaubliche Geschichten.​

​Beim Teufelsberg nahe Landin (westlicher Landkreis Havelland) ist die Rede davon, dass ein Riesenmädchen an der Stelle eine Schürze voller Sand fallen gelassen haben soll. Keine Sage, sondern englische Geschichte in der südlichen Grafschaft Wiltshire: „Mit einer Höhe von 37 Metern ist Silbury Hill der größte prähistorische künstlich geschaffene Hügel Europas und nur wenige andere in der Welt übertreffen ihn überhaupt. Es ist kaum vorstellbar und doch wurde er vor beinahe 5.000 Jahren von Menschenhand geschaffen. 400.000 Kubikmeter Erde, Kreide und Stein wurden in jahrzehntelanger Handarbeit zu einem imposanten Hügel aufgeschüttet. Berechnungen zufolge hätten 700 Männer zehn Jahre ununterbrochen arbeiten müssen, um dieses Monument zu schaffen“, wie auf www.england.de zu erfahren ist. 

Dieser Hügel liegt rund acht Kilometer von der kleinen Stadt Marlborough entfernt. Weil man sich dort später die Entstehung wohl nicht anders erklären konnte, driftete der Ursprung ins Sagenhafte ab. „Demnach soll der Teufel einst vorgehabt haben, über den Bewohnern von Marlborough einen riesigen Sack Erde auszuschütten, doch den Druiden gelang es, den Teufel mit Zauberkraft daran zu hindern. Der Teufel kippte also seinen Sack Erde an einem anderen Ort ab – dort, wo sich heute Silbury Hill befindet“, wie weiter auf der England-Internetseite zu lesen ist. Man kennt recht ähnliche Sagen aus dem Havelländischen.

Dort der Teufel, bei Landin ein Riesenmädchen: Wie groß muss eigentlich ein Riese sein, damit er als solcher bei uns wahrgenommen wird? Der in der Bibel als Riese bezeichnete Goliath soll sechs Ellen und eine Spanne bzw. eine Handbreit groß gewesen sein. In heutige Maße übertragen, sind das etwa 2,90 Meter. Nicht ganz auf diesen Wert brachte es jener Mann, der (nachgewiesener Maßen) der bislang Größte auf Erden war. Der US-Amerikaner Robert Wadlow (1918-1940) ging mit 2,72 Meter in die Geschichte ein. Sowohl ihn als auch den Goliath würde der „Gigant von Castelnau“ deutlich überragen, von dem auf manchen Internetseiten berichtet wird. 

Im südfranzösischen Ort Castelnau-le-Lez soll ein Anthropologe im Jahr 1890 sehr große Knochen eines Mannes der Jungstein- oder Bronzezeit gefunden haben, darunter ein Schienbein. Anhand der sterblichen Überreste soll seine Größe auf 3,50 Meter geschätzt worden sein. Sein Knie wäre also auf Hüfthöhe eines normal gewachsenen Mannes.

Ob die Entdeckung eine wahre Story ist oder nicht, bleibt ungeklärt. Ebenso unklar ist, wie groß die germanische Frau war, die im Jahr 9 vor Christus einen prominenten und erfolgreichen römischen Heerführer dazu bewogen haben soll, mit seinen Legionen an der Elbe umzukehren. Da nicht wirklich bekannt ist, wo die Elbe damals floss, kann sogar die Gegend um Rathenow für das mutmaßliche Aufeinandertreffen in Betracht gezogen werden. Der römische Geschichtsschreiber Cassius Dio berichtet von einer „Frau von übermenschlicher Größe“. 

Indessen war Heerführer Drusus ein Stiefsohn von Kaiser Augustus, dessen Konterfei auf einer Silbermünze zu sehen ist, die einst in Rathenow gefunden wurde und heute im Archäologischen Landesmuseum in Bandenburg an der Havel gezeigt wird. Die Stadt hat ihrerseits zur regionalen Sagenbildung um urgeschichtliche Riesen erheblich beigetragen. Allerdings gibt es auch eine sonderbare Überlieferung aus dem 16. Jahrhundert.

Ein höher gebildeter Brandenburger – späterhin Gründungsrektor der Universität Königsberg – gab die Steilvorlage. Auf die Angaben von Georg Sabinus (1508-1560) ging der Historiker und Gymnasiallehrer Moritz Wilhelm Heffter in seiner 1840 erschienenen „Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg“ ein. Demnach wusste Sabinus von Gräbern auf dem ohnehin mythisch aufgeladenen Marienberg zu berichten. 

Wie es im Buch steht, sollen zu Zeiten des vorreformatorischen Brandenburger Bischofs Hieronymus auf seinen Befehl hin heimlich die Gräber geöffnet worden sein, „in deren einem so große Gebeine gefunden worden sind, dass die Schienbeine derselben bis zur Hüfte eines Menschen von mittelmäßiger Statur gingen“. Heffter fuhr fort und frohlockte: „Ein so riesiges Geschlecht bewohnte ehemals unsere Fluren!“. Die Sache mit dem Schienbein erinnert stark an die Story um den „Giganten von Castelnau“.

Eine junge Riesin für die Entstehung des Teufelsbergs bei Landin verantwortlich zu machen, wie es in Eugen Glieges „Heimatsagen aus dem Havelland“ (2007) steht, wäre freilich zu weltfremd. Ebenso bleibt es nur eine von Adalbert Kuhn 1843 wiedergegebene Sage, wonach ein nicht näher lokalisierter „Riesenberg“ zwischen Landin und Kotzen von einem männlichen Riesen geschaffen wurde: „Ein Riese wollte einst einen in der Nähe befindlichen kleinen See zudämmen, der ihm unbequem war, und trug zu dem Zweck Erde in seiner Schürze herbei. Als er aber zwischen die beiden Dörfer kommt, reißt ihm unglücklicherweise das Band seiner Schürze, und alle Erde stürzt zu Boden. Er raffte jedoch, was er konnte, wieder zusammen, und nur ein Häuflein, das seinen Fingern zu klein war, so dass er´s nicht zwischen die Spitzen nehmen konnte, blieb liegen; das ist der Riesenberg.“

Eugen Gliege zeigt sich sicher, dass damit nur der Teufelsberg gemeint sein kann. Der gebürtige Nauener und heute in Semlin (Rathenow) lebende Sagensammler und Autor kennt noch weitere Geschichten zu dem Bereich. Inzwischen ist es archäologisch belegt, dass sich dort oben in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts eine frühdeutsche Burg befand. Dem Hügel muss demnach strategischer Wert beigemessen worden sein. 

Dass er durch Menschenhand geschaffen wurde, scheint ausgeschlossen, wenn man sich nur die Zahlen zum 37 Meter hohen Silbury Hill in England vergegenwärtigt. Der Teufelsberg soll es auf 55 Meter bringen, allerdings nicht in jeder Veröffentlichung! Das Umweltministerium in Potsdam geht von nur 27 Meter Höhe aus. Dieser Wert findet sich auch in den Erläuterungen der Historiker Felix Biermann und Normen Posselt zu den 2016 gewonnen Grabungsergebnissen auf dem Teufelsberg – nachzulesen im Internet auf landin-havelland.de.

Bei angenommenem menschlichen Zutun wäre auf künstliche Weise die gedachte gerade Linie vom Thyrowberg bei Tremmen zum Mühlberg bei Möthlow nach Nordwesten hin verlängert worden. Auf dem mittig gelegenen Mühlberg war 1996 durch Archäologen eine frühbronzezeitliche Kreisgrabenanlage entdeckt worden, deren Sinn sich bislang nicht erschlossen hat. Die Bronzezeit setzte bei uns vor etwa 4.200 Jahren ein. Da war der Silbury Hill längst aufgeschüttet, und am Nil stand bereits die Cheops-Pyramide. 

Derweil ist das ursprünglich fast elf Meter hohe Königsgrab von Seddin (Prignitz) eine menschliche Leistung, die erst rund 2.800 Jahre zurückliegt. Ehe die Grabkammer 1899 entdeckt wurde, rankte sich um den Hügel eine Sage um einen dort bestatteten Riesenkönig Hinz. Nachzulesen im Internet auf www.landkreis-prignitz.de oder in Eugen Glieges Prignitz-Buch von 2015. Indessen liefert der Markgrafenberg in Rathenow gleich mehrere sonderbare Geschichten.

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