Geteilte Mark: Havel als Grenze zwischen Alt- und Neustadt Brandenburg
Das Havelland und die Zauche sind Keimzellen märkischer Geschichte. In Brandenburg an der Havel grenzen die Regionen aneinander.
Die Brandenburger Altstadt ist eindeutig havelländisch, derweil entstand die Neustadt in der Zauche. Die Schwesterstädte wurden erst 1715 zu einer Kommune zwangsvereinigt. Bis dahin hatte sie die Havel strikt getrennt. Das Land, auf dem Alt- und Neustadt entstanden, gehörte bis Mitte des 12. Jahrhunderts dem slawischen Stamm der Heveller. Sein Fürst schrieb erstmals Geschichte, als er die Zauche verschenkte.
Die Region liegt zwischen Havel, Nuthe und Fläming. Als noch lange nicht absehbar war, dass Albrecht der Bär tatsächlich mal zum Markgrafen von Brandenburg werden würde, erhielt sein erstgeborener Sohn Otto die Zauche sozusagen in die Wiege gelegt. Sie war um 1125 das Tauf- bzw. Patengeschenk von Heinrich-Pribislaw, der kurioserweise zu der Zeit noch gar nicht der Hevellerfürst war. Er trat seine Macht erst 1127 an. Die Zauche gab er ab, das Havelland und den befestigten Herrschaftssitz in Insellage wollte er aber behalten.
Am havelländischen Ufer gegenüber der Brandenburg forcierte der Fürst die Urbanisierung, siedelte christliche Geistliche an und schuf einen Handelsplatz, was Kaufleute lockte. In den 1170er Jahren erwuchs daraus die Altstadt. Pribislaw-Heinrich war 1150 ohne eigene Nachkommen gestorben. Er schrieb erneut Geschichte, indem er sein Reich Albrecht vererbte, dessen herangewachsener Sohn die Zauche bereits besaß. Die Neustadt wurde etwa 20 Jahre nach der Altstadt gegründet.
Otto I. zeugte Otto II., dessen Söhne – Otto III. und Johann I. – für ein seltsames Kapitel der Landesgeschichte sorgten. 1258 teilten sie die Markgrafschaft. Es entstanden zwei autarke Familienzweige. Die ottonische Linie herrschte über die Regionen ab der Zauche mit der Neustadt Brandenburg und Lehnin, der johannischen Linie gehörte unter anderem das Havelland mit Orten wie Rathenow und Nauen sowie der Altstadt Brandenburg. Die Teilung währte nur etwa fünf Jahrzehnte. Eine für das westliche Havelland wichtige infrastrukturelle Entwicklung dürfte sich spätestens in dieser Phase vollzogen haben.
Wie das Wappen von Brandenburg an der Havel anzeigt, gab es mal neun Tortürme – vier in der Altstadt. Selbstredend, wohin der Weg durch den Rathenower Torturm führte. Rund 200 Meter vom Turm entfernt, geht es heute von der Rathenower auf die Brielower Straße, die stadtauswärts zur Brielower Landstraße wird. In Brielow kann man in die Hohenferchesarer Straße abbiegen.
Für Kraftfahrer ungeeignet ist der direkte Weg zwischen Brielow und Hohenferchesar. Wobei Wanderer und Biker sich weiter auf der Alten Heerstraße bewegen, die sodann über Seelensdorf und Spolierenberg nach Rathenow führt. Über Jahrhunderte war das der Hauptverkehrsweg zwischen den Havelstädten. Als Rathenow erstmals als Stadt erwähnt wurde – 1295 – bestand noch die geteilte Mark. Anfang des 14. Jahrhunderts starb die ottonische Linie aus, das Land wurde wieder unter einem Markgrafen vereint.





