Gegen Bürokratie: Havelländer Erntekönig als Lobbyist der Landwirtschaft
Alexander Vujanov ist Chef und kreativer Edeka-Kopf in Falkensee-Finkenkrug. Seit 2023 führt er den Markt und setzt mit immer neuen Ideen, wie Plauderkassen und stille Einkaufsstunde, originelle Akzente. Die Idee, sich als Havelländer Erntekönig zu bewerben, kam jedoch von seiner Frau, wie er erzählt.
Milch-, Wein-, Erdbeer-, Fischerkönigin – in der Regel agieren Frauen als Repräsentantinnen. Eine rein weibliche Bastion? Mitnichten! Vujanov bewarb sich auf Anraten seiner Frau, wurde vom Kreisbauernverband Havelland zum Casting eingeladen und überzeugte. Im September 2025 trat der erste Erntekönig sein Amt an. Allerdings nicht ohne ein paar Hürden nehmen zu müssen.
„Einen Erntekönig fanden nicht alle gut. Manche sahen darin einen Traditionsbruch“, so Vujanov. Doch es gelang ihm, diese Einwände zu zerstreuen. Denn dem Erntekönig ist sein Amt wichtig, er habe Freude daran seine Region zu repräsentieren, wie er sagt. Er will nicht nur „Gallionsfigur“ sein, sondern auch wirklich etwas bewirken. „Ich setze mich gegen die überbordende Bürokratie ein. Außerdem gelingt es mir als Einzelhändler nun viel besser, mit den Landwirten der Region ins Gespräch zu kommen.“ Der Erntekönig möchte Aufmerksamkeit schaffen für die regionalen Landwirte. Auf der Ausbildungsmesse im Märkischen Ausstellungs- und Freizeitzentrum (MAFZ) habe er zuletzt viele junge Menschen auf die sogenannten grünen Berufe der Landwirtschaft aufmerksam machen können.
Auch auf der Grünen Woche 2026 in Berlin kam der Erntekönig aus dem Havelland gut an: „Es kam extrem viel Resonanz, gerade auch aus dem bayrischen Raum. Das freute mich“, erinnert sich der 41-jährige. Auf der Grünen Woche war er allerdings nicht der einzige Brandenburger Monarch. Mit Christian Braune aus Nuthetal hat auch das Land Brandenburg einen Erntekönig gekrönt. Allerdings darf Vujanov für sich in Anspruch nehmen, als erster Mann die Krone eines Erntekönigs erhalten zu haben.
Mit seinen königlichen Kolleginnen versteht sich Vujanov. Er sei gut aufgenommen worden, stehe im regelmäßigen Austausch mit ihnen und freue sich schon auf den Königinnentag. Gern würde Vujanov um ein Amtsjahr verlängern: „Es dauert ja seine Zeit, bis man so alles verstanden hat und kann dann erst richtig loslegen“, erklärt er. Außerdem würde dann das Königsgewand noch ein zweites Jahr Verwendung finden. Bei diesem hatte er Mitspracherecht. „Ich wollte ja lieber einen Kilt, aber es wurde dann doch eine Pumphose gewünscht“, sagt er. Bezahlt haben das königliche Outfit seine Majestät zur Hälfte selbst, die andere Hälfte kam vom Kreisbauernverband. Über letzteren, die königlichen Kolleginnen, die Landfrauen und natürlich die Landwirte der Region, weiß Vujanov nur Gutes zu berichten und meint: „Die leisten alle ganz tolle Arbeit. Ich würde mir manchmal nur wünschen, sie wären etwas lauter und sichtbarer. Sie hätten mehr Aufmerksamkeit verdient.“





