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Donnerstag, 16. April 2026

Geboren vor 250 Jahren: Wie Luise die Preußen verzauberte

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Böttner, Wilhelm: Königin Luise von Preußen,  1799, GK I 9904.
Königin Luise von Preußen, hier in einem Ausschnitt von einem mehr als zwei Meter großen Ganzkörpergemälde von Wilhelm Böttner (1799): Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) führt es unter der Inventarnummer GK I 9904. Schloss Paretz ist Standort dieses Gemäldes. Foto: SPSG / Leo Seidel

Wer ist wohl die berühmteste Gattin eines Monarchen im deutschsprachigen Raum gewesen? Die einen würden hierbei wohl Elisabeth („Sissi“) von Österreich (1837-1898) nennen, andere Luise von Preußen (1776-1810). Um einiges dramatischer waren die Schicksalsjahre der eingeheirateten Preußenkönigin, deren Geburtstag sich am 10. März 2026 zum 250. Mal jährt.

Luises letzte Lebensjahre fielen in die preußische Katastrophe mit französischer Besatzung. „Die Trauerglocke läutet vom Dorfe her. Wir wissen, was es deutet: Sie ist nicht mehr!“ Diese und noch andere Zeilen reimte der in Nennhausen (Havelland) schöpferisch tätige Dichter Friedrich de la Motte Fouqué bald nach Luises Tod in seinem „Brandenburger Erntelied“. Die Königin war am 19. Juli 1810 einer schweren Krankheit erlegen gewesen. Man meinte, ihr Herz sei gebrochen ob des Kummers, den die französische Besatzung ihr bereitet habe. Vormals hatte sie sozusagen ein Leuchten ins Königreich getragen, ihr waren Wellen der Sympathie entgegengeschlagen. 

Luise hatte offenbar nicht nur ihren künftigen Gatten, Kronprinz Friedrich Wilhelm, sondern die gesamte Gesellschaft betört, als sie im Dezember 1793 als gerade erst 17-jährige, Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz in Berlin angekommen war. Der ein Jahr jüngere Fouqué beschrieb später: „Alle Herzen flogen ihr entgegen und ihre Anmut und Herzensgüte ließen keinen unbeglückt“. 

Ihr wohnte wohl ein unkonventioneller Geist inne. Doch wusste sie sich schon früh mit Charme und Grazie über das hochadelige Parkett zu bewegen. Wie es heißt, hatte Luise als 14-Jährige nach Krönung des österreichischen Habsburgers Franz II. zum Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation den Festball eröffnet – gemeinsam mit Klemens von Metternich, dem später berühmten Diplomaten und Staatsmann. Das war Mitte Juli 1792 in Frankfurt am Main.

In der Stadt wurde Luise Monate später dem preußischen Regenten aus dem Hause Hohenzollern vorgestellt – freilich nichtsahnend, dass das Kaiserreich nur noch bis 1806 bestehen und sie mal zur Mutter des ersten Hohenzollern-Kaisers werden würde. Der König wurde Anfang März förmlich verzaubert, legte die blutjunge Frau seinem 22-jährigen Kronprinzen ans Herz. 

Friedrich Wilhelm sah Luise erstmals am 14. März 1793, machte ihr fünf Tage später einen Heiratsantrag. Zur offiziellen Verlobung kam es am 24. März. Die Eheschließung erfolgte zu Heiligabend des Jahres.

Dem Ehepaar wurde 1795 mit Friedrich Wilhelm IV. der Thronfolger geboren, zwei Jahre später kam Wilhelm Friedrich zur Welt. Ferner starb Luises Schwiegervater, woraufhin ihr Gatte 1797 zum König gekrönt wurde. Da war Preußen bereits aus dem ersten alliierten bzw. Koalitionskrieg gegen das revolutionäre Frankreich ausgeschieden, verhielt sich neutral im zweiten und dritten Krieg. Napoleon war inzwischen Kaiser der Franzosen. 

Im Dezember 1805 besiegte er Russen und Österreicher bei Austerlitz, begründete im Sommer 1806 mit mehreren deutschen Staaten – darunter sogar Bayern, Baden und Württemberg – ein Rheinbund genanntes Militärbündnis. König Friedrich Wilhelm III. zeigte sich unentschlossen, verließ sich auf seine Berater. Ehefrau Luise hatte ihm wohl nachhaltig ins Gewissen geredet, ehe der König am 9. Oktober 1806 Frankreich den Krieg erklärte. Es begannen die „Schicksalsjahre der Königin“.

Nur fünf Tage nach Kriegserklärung unterlag Preußen in der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt. Die Reservearmee wurde bei Halle geschlagen. Das Königspaar, das sich nahe den kämpfenden Truppen aufgehalten hatte, musste getrennt fliehen – für beide ging es über Rathenow. Zu Luises Zielfluchtort wurde zunächst das ostpreußische Königsberg, wo sie schwer erkrankte. Dennoch wurde die Flucht bis nach Memel, in den letzten Zipfel des Königreichs fortgesetzt. Dort traf sie wieder mit ihrem Ehemann zusammen. 

Am 14. Juni 1807 besiegte Napoleon erneut die Russen und auch die letzten Reste der preußischen Truppen. Das war das Ende des vierten Koalitionskriegs. Es folgten Friedensverhandlungen. Um das erwartete französische Diktat zu mildern, diente Luise jetzt auf diplomatischem Parkett. Zur Begegnung mit Napoleon kam es am 6. und 7. Juli 1807 im ostpreußischen Tilsit. Beide zeigten sich beeindruckt voneinander. Doch blieb Luise erfolglos. Preußen blieb als Staat erhalten, doch enthielt der nach der Stadt Tilsit benannte Frieden überaus harte Bedingungen.

Die französischen Truppen hatten Berlin Ende 1808 verlassen. Ein Jahr danach kehrte die königliche Familie zurück. Ende Juni 1810 reiste Luise nach Neustrelitz und von dort ins Schloss Hohenzieritz, wo sich ihr Gesundheitszustand verschlechterte. Der per Eilkurier herbei gerufene Gatte und die beiden ältesten Söhne erreichten das Schloss am frühen Morgen des 19. Juli 1810, wo die 34-jährige Luise von Preußen wenige Stunden später starb.

Ihr Leichnam wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung nach Berlin überführt und drei Tage lang im Stadtschloss aufgebahrt. Fouqué schrieb sein „Brandenburger Erntelied“. Zahlreiche preußische Patrioten sahen in Luise eine am französischen Joch zugrunde gegangene und daher zu rächende Frau. Sie wurde zur Kriegsikone Preußens. 

Nach den von Russland befeuerten Befreiungskriegen (1813-1815) sollten 55 Jahre bis zum nächsten Krieg gegen Frankreich vergehen. Diesmal kämpften die deutschen Länder vereint. 1871 wurde Luises zweitgeborener Sohn als Wilhelm I. zum Kaiser des Deutschen Reichs.

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