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Mittwoch, 15. April 2026

Frauen an Rathenows Stadtspitze – Wann gab es das denn?

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Ida Dorn
Ida Dorn (geborene Baumann) war erst Bürgermeisterin in Premnitz und später in Rathenow. Foto: Archiv Karin Dietze

Frauen, die aus einer Männerwelt herausragten, gab es schon viel früher. Dass es noch keine Denkmäler für die erste, zweite und dritte Frau im Rathenower Bürgermeister(innen)amt gibt, liegt vielleicht daran, dass noch niemand auf die Idee kam. 

​Im Förderkreis zum Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche wird für ein Denkmal gesammelt. Eine Bronzebüste soll jene gebürtige Rathenowerin abbilden, die als Kind nach Kriegsende nach Norwegen fortgezogen war und dort zur ersten Frau im Bischofsamt wurde. Der Förderkreis vergibt „Bischofsurkunden“ für Spenden zu je 200 Euro. Rosemarie Köhn (1939-2022) steht sogar in der Liste der Rathenower Ehrenbürgerinnen und -bürger.

An Gertrud Kinast, Ilse Kabelitz und Ida Dorn erinnert praktisch nichts, obgleich das Trio für geradezu Revolutionäres in der Stadt steht. Es handelt sich um die einzigen Frauen, die zu Rathenower Bürgermeisterinnen wurden. Obgleich, wie Geschichtsforscher Wolfram Bleis vom Rathenower Heimatbund meint, die Leute an der Verwaltungsspitze – ob Mann oder Frau – nie viel zu melden hatten in DDR-Zeiten. Die mächtige SED-Kreisleitung gab den Ton an und bestimmte den Kurs.

Nichtsdestotrotz werden Kinast ab 1951, Kabelitz ab 1953 und Dorn von 1957 bis 1970 in der Liste der Bürgermeister seit dem 13. Jahrhundert auf der städtischen Internetseite www.rathenow.de geführt. 2026 gibt es also ein besonderes Jubiläum in Rathenow, wo 75 Jahre zuvor mit Gertrud Kinast erstmals eine Frau an die Spitze der Stadtverwaltung gelangt war.

Angaben zu ihrer Vita und zu der von Ilse Kabelitz liegen BRAWO nicht vor, wohl aber zu der von Ida Dorn (geborene Baumann), die eine als typisch zu bezeichnende proletarische Vorgeschichte hatte. 1921 war sie in Roßbach (Böhmisches Vogtland) geboren worden. Der Ort war ein regionales Zentrum der Textilindustrie. Ida Baumann wurde dort zu einer Vorhangnäherin. 

Gardinen bildeten zunächst ihre berufliche Welt. 1946 folgte die Vertreibung bzw. Umsiedlung der Sudetendeutschen aus der Tschechoslowakei. Familie Baumann gelangte über Rathenow nach Premnitz. Dort lernte Ida Baumann ihren späteren Ehemann, den ebenso aus Roßbach stammenden Erich Dorn kennen. Beide traten der SED bei. Von 1950 bis 1951 hat sich Ida Dorn als Premnitzer Bürgermeisterin offensichtlich für höhere Aufgaben grundqualifiziert. 

Erich Dorn, ein gelernter Bürokaufmann, wurde 1953 zum Wirtschaftssekretär in Gransee. Ein Umzug der Familie wurde notwendig. Ferner brauchte die Ehefrau dort einen Arbeitsplatz. Sie wurde als „Sekretär“ im Rat des Kreises in der Verwaltung tätig. Eine weibliche Bezeichnung  war nicht gebräuchlich. 1957 übersiedelte die Familie im Parteiauftrag nach Rathenow. Ida Dorn sollte zur Nachfolgerin von Ilse Kabelitz werden.

In Dorns Amtszeit fallen einige sozialistische Nachkriegsentwicklungen. Noch lief der Wiederaufbau. Bestimmt hält Ida Dorn auch eine kleine Aktie am Kulturhaus, das 1958 eröffnet wurde und heute als Kulturzentrum bekannt ist. Freilich stellte die politische Wende in der DDR für sie eine Zäsur dar, die ihr aber nicht den Frohsinn geraubt haben soll, wie Karin Dietze (1947 geborene Dorn) mal gegenüber BRAWO berichtet hat. Die dritte Frau im Rathenower Bürgermeister(innen-)amt starb 2004. 

Der mit Ida Dorns Tochter verheiratete Peter Dietze leitet den Förderverein Heimatmuseum für die Stadt Rathenow e.V. Wie er gegenüber BRAWO ankündigt, will er die Bürgermeister(innen) ab 1844 nach und nach recherchieren und Ergebnisse in Rathenower Heimatkalendern der kommenden Jahre veröffentlichen. Keine leichte Aufgabe, da die Quellenlage erst nach 1945 besser werde, wie Dietze meint. Die Recherchen werden ihn unter anderem ins Landeshauptarchiv und ins Geheime Staatsarchiv führen. 

Freilich weiß Dietze über seine Schwiegermutter bereits gut Bescheid. Was aber die 1909 geborene Gertrud Kinast und die 1912 geborene Ilse Kabelitz betrifft, steht er erst am Anfang, weiß im Grunde nichts über die beiden Frauen. Zu den gesicherten Fakten gehört auch, dass die eine 1967 und die andere 2005 in Rathenow verstorben ist.

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