Feuer im Dorf! – Über die Brandkatastrophe bei Rathenow
Am späten Abend des 28. August 1836 begann für die Einwohner von Böhne (nahe Rathenow) eine der schwersten Zeiten in der Geschichte. Der Großteil des Dorfs an der Havel brannte nieder. Eine Freiwillige Feuerwehr besteht erst seit 1926.
Zwischen 22.00 und 23.00 Uhr brach mitten im Ort, in der Scheune des Schmiedemeisters und Kossäten Johann Wilhelm Gottfried Ost, das Feuer aus. Angefacht durch Winde – zunächst aus Osten, später aus Süden – breiteten sich die Flammen rasend schnell aus. Dürre der vorangegangenen Wochen sowie die gerade eingebrachte und eingelagerte Ernte boten den Flammen reichlich Nahrung.
Innerhalb weniger Stunden wurde ein großer Teil des Dorfs vernichtet. Neben Kirche und Kirchturm sowie Pfarr- und Schulgebäude brannten zahlreiche Ställe, Scheunen mit den eingelagerten Vorräten und gewerblich genutzte Gebäude nieder. Besonders schwer wog der Verlust von Wohnraum: 24 Wohngebäude, in denen mindestens 75 Prozent der Böhner Bevölkerung lebte, fielen der Brandkatastrophe zum Opfer. Weitgehend verschont blieben lediglich die Gebäude des einstigen großen und des kleinen herrschaftlichen Gutes sowie einige wenige Gesindehäuser.
Die Not der Betroffenen war riesengroß. Einige fanden vorübergehend Unterkunft bei Verwandten und Freunden in Nachbardörfern, andere mussten mit den wenigen verbliebenen Gebäuden vorliebnehmen. Besonders tragisch traf es die Familie von Andreas Herms. Er verletzte sich so schwer beim Versuch, das Feuer auf seinem Grundstück zu bekämpfen, dass er am 5. September 1836 den Folgen seiner Verletzungen erlag.
Trotz der großen Not ließen sich die Böhner nicht entmutigen. Rasch begann der Wiederaufbau. Unterstützung kam auch von außerhalb und ganz oben. Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. stellte auf eine in der Berliner Zeitung veröffentlichte Bitte des Böhner Predigers August Christian Wilhelm Braumann hin 500 Taler zur Verfügung. Weitere rund 500 Taler wurden in Berlin, Brandenburg, Magdeburg und Rathenow gesammelt und unter den Betroffenen verteilt. 1.000 Taler waren damals sehr viel Geld.
Besonders dringend war die Schaffung von Unterkünften, denn der nahende Winter stellte die obdachlos gewordene Bevölkerung vor eine gewaltige Herausforderung. Zunächst wurden vielfach die Ställe wiederhergestellt, da sie nicht nur dem Vieh, sondern vorübergehend auch Menschen Schutz bieten konnten. Ein Zeitzeuge überlieferte, wie seine Familie Ende November bei Wind, Regen und Schneetreiben in einen mit einem Ofen ausgestatteten Stall einzog und dort den Winter gemeinsam mit den Tieren verbrachte.
Der Katastrophe geschuldet, bot der Neuaufbau zugleich die Möglichkeit, den Ort grundlegend neu zu gestalten. Besonders auf Drängen des damals noch sehr jungen und charismatischen Gutsherrn Robert Titus Briest von Briesen wurde die Struktur des Dorfs neu gegliedert. Aus den einst engen und unübersichtlichen Gassen entstanden zwei breite, rechtwinklig verlaufende Ortsstraßen in Nord-Süd- und Ost-West-Richtung. Zudem mussten die neu errichteten Gebäude mit Dachsteinen statt mit der bisher üblichen Schilfrohrdeckung versehen werden. Diese Maßnahme sollte künftig einen besseren Brandschutz gewährleisten.
Die Neuordnung führte zwangsläufig auch zu Veränderungen bei den bisherigen Grundstücksgrenzen und -lagen. Einige Bewohner gaben ihre abgebrannten Grundstücke in der engen Ortslage auf und erhielten neue Flächen am Ortsrand. Andere errichteten ihre neuen Höfe außerhalb des Dorfs. So entstanden der Hilgenfeldshof an der Flurgrenze zu Steckelsdorf sowie nur einige Jahre später der Ludwigs- und der Wilhelminenhof.
Bereits 1837 konnten das Pfarr- und das Schulgebäude wiederaufgebaut werden. Auch der weitere Wiederaufbau des Haveldorfs schritt rasch voran. Seinen sichtbaren Höhepunkt fand dieser Prozess am 20. September 1838, als die Turmspitze auf den wiederaufgebauten Kirchturm gesetzt wurde.
So war aus der verheerenden Brandkatastrophe innerhalb von nur zwei Jahren ein neu geordnetes Böhne entstanden. Die breiten, geradlinigen Straßen und die besondere Struktur des Ortes erinnern noch heute an jene dramatischen Ereignisse des Jahres 1836.
Als Böhne seine eigene Feuerwehr bekam
Genau 90 Jahre später, im Jahr 1926, entschlossen sich auch die Böhner – dem Beispiel vieler umliegender Dörfer folgend – zur Gründung einer eigenen Freiwilligen Feuerwehr. Zum ersten Wehrführer wurde damals Otto Düngler jun. gewählt. Dieses bedeutende Ereignis in der Ortsgeschichte jährt sich jetzt zum 100. Mal und soll am 12. September 2026 auf dem Gelände des Böhner Gemeindezentrums mit einem abwechslungsreichen Programm und zahlreichen Darbietungen gefeiert werden.





