Duncker-Politposse in Rathenow
Die 225-jährige Rathenower Optik-Geschichte bietet einige Anekdoten. Zur wirtschaftspolitischen bzw. ideologischen Duncker-Posse kam es 1972.
Das Geburtshaus des wohl berühmtesten Sohnes der Stadt und die erste Optik-Produktionsstätte auf dem Kirchberg sind durch eine Infotafel zu erkennen. Den berühmten Namen „J. H. A. Duncker“ – J.H.A. steht für Johann Heinrich August – hatte sich 1945 eine Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) zugelegt. Schon 1934 waren Kompetenzen in der Jahnstraße 27 gebündelt worden.
Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es etwa 235 optische Betriebe in Rathenow, von denen 75 noch im Jahr 1958 bestanden. 45 schlossen sich zur PGH zusammen; mit bis zu 800 Beschäftigten soll es die größte in der sozialistischen DDR gewesen sein. Auf Druck des Staatsapparats wurde die PGH im Jahr 1972 verstaatlicht und in einen Volkseigenen Betrieb (VEB) umgewandelt.
Der ideologische Aktionismus ging soweit, dass „J. H. A. Duncker“ durch den Namen eines 1960 verstorbenen Kommunisten ersetzt wurde. Der „VEB Augenoptik Herrmann Duncker“ bestand bis 1980. Es erfolgte die staatlich verordnete Fusion mit dem größten Betrieb der Stadt zum „VEB Rathenower Optische Werke Hermann Duncker“.
1991 ist die PGH am historischen Standort wiedererstanden, doch das Projekt scheiterte. Nach langem Leerstand erwarb Unternehmer Günter Schwolow im Jahr 2006 die Immobilie. Er und sein Sohn André sicherten sich den Namen Duncker und schufen um 2015 in der Jahnstraße 27 einen Gewerbepark dieses Namens. Dort ist die Unternehmensgruppe Optik Rathenow ansässig. Mehr Infos im Internet auf www.duncker.online.





