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Freitag, 8. Mai 2026

Drei Kirchberge auf einer Linie – Was hat sich Mutter Natur dabei gedacht?

rth-havelberg
Hier oben thront der Havelberger Dom. Er ist Ausgangspunkt einer gedachten Linie, die über Rathenow nach Brandenburg an der Havel verläuft. Foto: René Wernitz / Archiv

Havelberg – Rathenow – Brandenburg an der Havel: Mutter Natur hat ein sonderbares Phänomen geschaffen. Auf kerzengerader, rund 60 Kilometer langer Luftlinie liegen drei Erhebungen, die im Mittelalter den Baugrund für wichtige geistliche Stätten der Havelregion lieferten.

​Es klingt eher pseudowissenschaftlich bis esoterisch, ist aber ein nachweisbarer Fakt: Auf einer vom Havelberger Sankt-Marien-Domhügel zum Marienberg in Brandenburg an der Havel gezogenen Linie liegt in Rathenow der Kirchberg drauf, auf dem sich die Sankt-Marien-Andreas-Kirche erhebt. 

Als noch nicht von Marien-, sondern vom Harlungerberg die Rede war, stand hier eine viertürmige Wallfahrtskirche, die der Mutter Gottes bzw. Jesu gewidmet war. Die Kirche wurde 1722 abgetragen. In den 1960er Jahren wurde an der Stelle ein Trinkwasserhochbehälter gebaut.

Die Linie entsteht nicht per Lineal und auch auf keiner gedruckten Landkarte. Sie zeigt sich denjenigen, die bei Google Earth die digitale Entfernungsmessfunktion nutzen. Die hier entstehenden Linien berechnen – im Gegensatz zu Landkarten – die Erdkrümmung mit ein und sind daher präzise. 

Die Linie vom Havelberger Dom zum früheren Standort der Brandenburger Marienkirche verfehlt allerdings die Rathenower Sankt-Marien-Andreas-Kirche um etwa 50 Meter. Genau mit drauf liegt dieses Gotteshaus erst, wenn in der Brandenburger Altstadt die an der Havel gelegene Johanniskirche zum Zielort wird. 

Von den drei sakralen Standorten ist der des Havelberger Doms anscheinend der jüngste. Er wurde 1170 geweiht. Auf www.rathenow.de heißt es, dass um 1160 auf dem Kirchberg eine romanische kreuzförmige Pfeilerbasilika entstanden sei. Mit dem Bau der Brandenburger Johanniskirche als Teil eines Klosterkomplexes des Ordens der Franziskaner wurde wohl erst um 1250 begonnen. Da stand auf dem Harlungerberg längst die Marienkirche. Sie besaß einen Vorgängerbau aus dem 12. Jahrhundert und wurde 1166 erstmals erwähnt. 

Noch phänomenaler wird die Havelregion-Linie wenn man sich im Brandenburger Stadtbild ein so großes wie perfektes Kreuz vor Augen führt, das am „Huck“ genannten Bereich der Altstadt seinen Schnittpunkt hat. Der Längsbalken des Kreuzes verläuft vom Standort der früheren Marienkirche bis hinter die Havel zur Katharinenkirche der Neustadt, der vor dem Fluss liegende Querbalken von St. Gotthardt zu St. Nikolai (beide Altstadt). 

Durch den Schnittpunkt der gedachten Balken verläuft die Linie Havelberg-Rathenow-Brandenburg. Für dieses Phänomen hat sicher nicht Mutter Natur gesorgt. Auch nicht dafür, dass die Verlängerung des Längsbalkens das frühere Zisterzienserkloster in Lehnin und sogar die Stelle anpeilt, wo zur Wintersonnenwende am Horizont die Sonne aufgeht.

Durch kleine Gitterstäbe hindurch ist ein Hahnenkopf zu sehen. Der Hahn ist dunkelbraun mit einem roten Kamm.

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