Der Waldfriedhof von Görisgräben – kleinster Totenacker der Stadt Brandenburg
Tief im Neustädtischen Forst versteckt zwischen Brandenburg an der Havel und Grüningen in Potsdam- Mittelmark liegt Görisgräben, ein Wohnplatz, der noch zur Stadt Brandenburg an der Havel gehört.
Er besteht aus wenigen Gehöften und hat auch einen eigenen Friedhof. Dieser ist der kleinste Begräbnisplatz von Brandenburg an der Havel und liegt etwa 100 Meter westlich von Görisgräben. Der älteste erhaltene Grabstein auf dem kleinen Waldfriedhof stammt aus dem Jahr 1875, dabei reicht die Geschichte von Görisgräben bis in das Mittelalter zurück.
1294 erstmals erwähnt, ist an der Stelle des heutigen Görisgräben das Dorf Groben nachgewiesen. Vermutlich wurde es wie viele Nachbarorte in der Umgebung von Brandenburg im 14. Jahrhundert wüst, 1396 wurde es als „wüste Dorfstätte“ bezeichnet. Die Flur des Dorfes Groben ging 1398 durch markgräfliche Schenkung in den Besitz der Neustadt Brandenburg über. Im 16. Jahrhundert begann die Wiederbesiedlung des über hundert Jahre unbewohnten und wüsten Ortes.
Ein Meilenstein auf dem Weg dahin war die Errichtung einer später zum Vorwerk ausgebauten Schäferei. Ein Vorwerk von Görisgräben wurde 1848/49 aufgelöst und hinterließ als einziges Überbleibsel das Haus Görisgräben 10. Östlich des Vorwerks entstand in Verbindung mit der 1754 in Brandenburg eingerichteten Barchentmanufaktur eine Spinnerkolonie, die im Jahre 1858 aus sieben Wohngebäuden bestand.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts forstete man die überwiegend im Süden gelegenen Ackerflächen auf. Die wenigsten der früheren Gehöfte sind heute noch im Originalzustand erhalten. Vor der Eingemeindung in den Stadtkreis Brandenburg 1928 gehörte Görisgräben mit Kolonie und Vorwerk als Teil des Gutsbezirks Neustadt Brandenburger Forst zum Landkreis Zauch-Belzig. (Quelle: Marie-Luise Buchinger: Stadt Brandenburg an der Havel. Äußere Stadtteile und eingemeindete Orte. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Denkmale in Brandenburg, Band 1.2, Worms, 1995)
Der kleine Friedhof dürfte in der Zeit der Spinnerkolonie entstanden sein. Viele der alten Gräber sind kaum noch als solche zu erkennen, die Einfassungen sind verschwunden, die Grabsteine und ihre Inschriften sind mit Moos bewachsen und verwittert. Namen von einstmals bekannten Familien wie Wasserroth, Wernsdorf, Kreutz, Senf, Liepe, Siegel und Struck sind auf den Steinen vergangener Jahrhunderte aber auch heute noch gut zu erkennen. Der ganze Ort wirkt wie verwunschen, strahlt majestätische Ruhe und Frieden aus und ist allemal einen Besuch wert.





