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Sonntag, 11. Oktober 2026

Der Alte Fritz und die neue Kartoffel

Großderschau, Havelland, Premnitz
kartoffel
Mancher bevorzugt mit Schale gekochte Kartoffeln. Foto: Silvia Passow

Vor 270 Jahren soll der König von Preußen auf originelle Weise die in seinem Land weitgehend unbekannte Feldfrucht unters bäuerliche Volk gebracht haben.

Die einen essen sie am liebsten gekocht oder gebraten, andere mögen sie als Salat. Dabei war der Kartoffel diese Beliebtheit hierzulande nicht in die Wiege gelegt. Im Gegenteil, es bedurfte einiger Tricks und Verordnungen, damit auch die Bauern im Havelländischen vor 270 Jahren die ihnen noch unbekannte Feldfrucht anbauten. 

​Die Kartoffel stammt aus Südamerika. Ihr europäischer Siegeszug begann wahrscheinlich in Spanien. In Preußen war es König Friedrich II. der den Anbau mit List und Befehlsgewalt vorantrieb. Der Grund: Die Kartoffel, so Friedrich, sei weniger anfällig als Getreide. 

Der Monarch setzte Kartoffelprediger ein, Pastoren, die den Landleuten das Pflanzen von Kartoffeln nahebrachten. Und er verfasste 15 Kartoffelbefehle, die auch als Kartoffelerlasse, bekannt wurden. Der erste erschien 1756 – also vor 270 Jahren – und da heißt es: „Es ist von uns in höchster Person in unseren anderen Provinzen die Anpflanzung der sogenannten Tartoffeln, als sehr nützlich und sowohl für Mensch und Vieh auf sehr vielfältige Weise dienliches Erdgewächs, erstlich anbefohlen.“ 

Anbefohlen klingt irgendwie sehr nett, gemeint war tatsächlich befohlen. Tartoffeln war dabei nur einer von vielen Namen für die Knolle. In Ostbrandenburg hießen sie Ardschocken oder Endschocken, in der Lausitz kannte man sie als Schucken oder Schocken und um Rathenow nannte man sie Kartüffeln.

Friedrich befahl zwar den Kartoffelanbau, doch allein die Notwendigkeit 14 weiterer Kartoffelerlasse belegt, dass sich die Knolle zunächst nicht recht durchsetzen wollte: „Was der Bauer nicht kennt,…“. Eine Legende berichtet davon, dass Friedrich II. Kartoffeln anbauen und die Felder von Soldaten bewachen ließ. Als die Bauern dies bemerkten, fragten sie die Soldaten, was sie da täten. Diese erklärten, sie wachen über die Kartoffeln für die königliche Speisekammer. Daraufhin nutzten die Bauern die erstbeste Chance und stahlen sich etwas von den königlichen Knollen. Die Wachsoldaten schauten derweil ganz auftragsgemäß in eine andere Richtung.

Ob es sich so zugetragen hat? Möglich wäre es. Auf jeden Fall hat es Friedrich II. bzw. der Große oder der Alte Fritz irgendwie geschafft, dass Kartoffelanbau sich ausbreitete in seinem Königreich, zu dem Brandenburg als Provinz gehörte. Um neue Anbauflächen und neuen Siedlungsraum zu schaffen, hatte der König das Rhinluch und das Dossebruch trockenlegen lassen. Es entstanden neue Dörfer. Diese Geschichte erschließt sich am besten auf dem Kolonistenhof sowie in der Kirche im havelländischen Großderschau. Am 14. Juni (11.00 bis 17.00 Uhr) wird das Dorf zu einem der Zielorte bei der Brandenburger Landpartie 2026.

Ein weiterer Zielort ist schon am 13. Juni (11.00 bis 17.00 Uhr) der Lucke-Hof in Premnitz. Hier wird bäuerliche Geschichte der Familie Lucke ab dem 18. Jahrhundert erlebbar. Die Chronologie verbindet das Jahr des ersten königlichen Kartoffelerlasses mit einem Namen, dem von Peter Lucke.

Die Kartoffel wurde zu einer wichtigen Feldfrucht. Vom 19. Jahrhundert bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurde sie vielfach sogar destilliert. Frühere Brennereien auf Dörfern zeigen diese Kartoffelschnaps-Geschichte an, die nach 1945 endete. Jetzt war die Kartoffel wieder ein reines Nahrungsmittel – aber nicht nur für Menschen. Nach 1990 schrumpfte der Anbau – auch weil Schweinemast mittels Kartoffeln aus der landwirtschaftlichen Mode gekommen war. In der havelländischen Agrar-Branche werden Kartoffeln heute nur noch selten angebaut. Beliebt sind sie weiter in Kleingärten.

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