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Donnerstag, 16. April 2026

Das Aussehen Friedrich de la Motte Fouqués

Fouqué-Altersbildnis, um 1842
Heute in Marbach befindliches Altersbild Fouqués, um 1842. Maler: unbekannt

Sich von dem am 12. Februar 1777 auf der Brandenburger Dominsel geborenen Friedrich de la Motte Fouqué „ein getreues Bild“ zu machen, ist gar nicht so einfach. Von Bernhardt Rengert

Verständlicherweise gibt es so lange vor Erfindung der fast ungebremst-massenhaften do-it-yourself-Fotografie von ihm kein einziges derartiges Spiegelbild. Üblich war seinerzeit, sich – lassen wir den Scherenschnitt hier mal außer Acht – ein Bild von sich zeichnen, malen oder wenn es denn mehrfach verwendet werden sollte, auch für den Druck „stechen“ zu lassen. Alles Verfahren, die nicht eben billig, auf jeden Fall stets Zeitaufwändig sind und auch gewisse künstlerische Fähigkeiten voraussetzen. Das leistete man sich höchstens gelegentlich und eher nur in der Oberschicht.

Fouqué gehörte dem nach Deutschland emigrierten hugenottischen Adel französischer Abstammung an, dessen Großvater es unter Friedrich II. in Preußen wieder zu Ansehen, Ruhm und einigem Reichtum gebracht hatte. Die Familie war also durchaus vermögend. Kurzum, es gibt sogar etliche verschiedene Bilder Fouqués. Bei genauerer Betrachtung reduziert sich ihre Zahl aber auf gerade einmal zwei, tatsächlich schon zu Lebzeiten von ihm gefertigte Bildnisse, die bis heute immer wieder gern gedruckt werden.

Das ist der bekannte, um 1818 zu datierende Crayonstich von Friedrich Fleischmann und das nachweislich 1827 von Caroline Bardua geschaffene Ölportrait des Dichters. Vom Fleischmann-Stich heißt es, dass der nach einer von dem Kampfgefährten und Maler Wilhelm Hensel geschaffenen Bleistiftzeichnung entstanden sei und der auch ein Portrait-Gemälde gefertigt hätte. Während es das Gemälde wohl nicht oder nicht mehr gibt, könnte ihm Fouqué für die Zeichnung „von Angesicht zu Angesicht“ gesessen haben. Frontal, in nahezu identischer Pose, mit verschränkten Händen auf seinen Degen gestützt, wie sie dann auch Fleischmann gestochen hat, hält ihn Hensel hier fest. Hensel zeichnet ihn nahezu dienstranglos im uniformen Rock der Freiwilligen Jäger. Einzig ein Johanniterkreuz auf der linken Brust hebt Fouqué etwas hervor. Die gängige Datierung auf 1818 dürfte nicht stimmen, denn Fouqué wird bereits nach der Völkerschlacht in Leipzig (16.-19.10.1813) aus dem Heer entlassen und das im Rang eines Majors.

Fleischmann hat dann auch richtig die entsprechenden Ehrenzeichen und Schulterstücke in seinem Stich festgehalten. Das heißt aber auch, dass Hensels Zeichnung noch vor der des Künstlers und Fouqué-Schützlings Philipp Veit entstanden sein muss. Veit, der Fouqués Reiterschwadron nach Leipzig dann bis Paris weiter befehligte, hatte Fouqué  1813 auf einer heute verschollenen Zeichnung bereits mit entsprechenden Schulterstücken festgehalten. Erhaltenen Briefen können wir entnehmen, dass diese flüchtige Skizze „nach der Natur“ entstanden ist.  Das dürfte auch auf eine bislang 1816 datierte Zeichnung zutreffen, die Moritz Retzsch von Fouqué schuf. Retzsch zeichnet Fouqué in Zivil, im feinen Mantel sitzend, mit einer Schreibfeder in der Rechten und einem aufgeschlagenem Schreibheft in der Linken.

Das von Retzsch hier festgehaltene Dress könnte indes gut und gern auch das Kostüm Fouqués als „vornehmer Herr aus Kaschmir“ sein, in dem der Dichter 1821 im Festumzug anlässlich des „Lalla-Rookh“-Hoffestes im Berliner Schloss teilnahm. Zeitlich auf jeden Fall danach einzuordnen ist auch mindestens eine erhaltene Vorzeichnung der Portraitmalerin Caroline Bardua für ihr heute im Sachsen-anhaltinischen Dessau aufbewahrtes Fouqué-Bildnis. Der Vollständigkeit halber ist dann nur noch ein um 1842 zu datierendes, heute in Marbach befindliches Altersbild des Dichters von unbekannter Hand zu erwähnen.

Die Kreidezeichnung zeigt ihn als gebrochenen Mann, nun schlohweiß, aber mit noch weitgehend vollem, weniger lockigem, kurzen Haar. Geblieben sind auch seinen markanten, tiefen Geheimratsecken und der vorspringende Haaransatz mittig auf der hohen Stirn, mit buschigen Brauen über den müden Augen. Überlange, schmale Koteletten vormals kurz, umschließen jetzt fast das ganze Gesicht. Noch immer trägt er seinen – nun weißen – Schnauzbart, etwas ungepflegter und buschiger als ehedem. Das lange gehegte Unterlippenbärtchen, das bei Fleischmann noch zu sehen ist, fehlt indes schon bei Retzsch  und auch im Bardua-Gemälde. Es mag der Mode zum Opfer gefallen sein und sah ja auch wirklich ein bisschen albern aus. Fouqué ist eher klein, mit einem nur leicht ovalen, fast runden Kopf auf etwas kurz geratenem Hals. Dass er gern lange schläft und dem Madeira sehr zugeneigt ist, mag hier nur am Rande erwähnt sein. Wenig später überlebt er einen Treppensturz in seiner Berliner Wohnung nicht und stirbt am 23. Januar 1843.

Halten wir also fest; Fouqué war nicht eben schön – kein Vergleich etwa zum Frauenschwarm und mit ihm befreundeten Dichter, Naturforscher und Weltumsegler Adalbert von Chamisso. Was aber war es dann, was immerhin drei Frauen an ihm schätzten, die ihn im Laufe seines Lebens heirateten? Am Ende reduziert sich alles auf seinen klangvollen Namen, der auch bei Hofe stets etwas galt. Selbst vermögend war er schon nach der ersten Ehe nicht mehr, doch ungebrochen reich an geistigen Gaben. Was bleibt, ist die zauberhafte Märchennovelle „Undine“, in der er einer unerfüllten Jugendliebe zu dauerhaft weltliterarischem Rang verhalf. – Und die erschien erstmals bereits Jahre bevor eines der hier aufgezählten zeitgenössischen Bildnisse des Dichters seine mehr oder weniger massenhafte Verbreitung fand.

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