Carsten Muschol aus Pritzerbe – per Spreewaldkahn im Havelparadies
Carsten Muschol ist zertifizierter Natur- und Landschaftsführer. Mit einem umgebauten Spreewaldkahn bietet er Havelsafaris ab Pritzerbe.
Zu sehen, zu hören und zu riechen gibt es wahrlich einiges, seitdem die Untere Havel zwischen Pritzerbe und Havelberg wieder mehr und mehr ihre eigentliche Gestalt annehmen darf. Zu DDR-Zeiten war sie Transitstrecke zu Wasser. Waren wurden befördert, und auch schon vorher, war hier vieles auf Transport-Schifffahrt nach Berlin und Hamburg ausgelegt. Von diesem Teil der Infrastrukturgeschichte erzählen noch die alten Schleusen, deren neun Meter breite Tore auf Lastkähne ausgelegt sind.
Heute mühen sich Hobby-Kapitäne auf floßähnlichen Hausbooten durch die Schleusentore. Die Untere Havel ist für die große Schifffahrt nicht mehr geeignet. Sandbänke säumen begrünte Ufer. Gänse stehen im Wasser, die Havel ist an vielen Stellen eher flach. Im Zuge der Renaturierung wurden bisher 16 Altarme und 53 Flutrinnen wieder angeschlossen, 123 Hektar Auenwald gepflanzt. Auf 29 Kilometer wurde Deckwerk entfernt. Das sind jene steinigen Ufer, die den Fluss wie in ein Korsett zwängten.
Statt Steine stehen Weiden und Schilf am Ufer, kleine Sandstrände überall. Der NABU Deutschland hat dazu beigetragen, dass dieses Paradies wiederbelebt wurde. Das Projekt an der Unteren Havel gilt als Europas größte Renaturierung. Bis 2033 soll der Fluss auf 90 Kilometer wieder frei sein.

Der NABU möchte nun zeigen, dass der Gewinn nicht nur bei der Natur, sondern auch bei der Wirtschaft liegt. Mehr als 1.100 bedrohte Arten haben laut NABU an der Unteren Havel ihre Heimat. Gerade im trockenen Brandenburg ist es wichtig, Wasser in der Landschaft zu halten. Der NABU rechnet vor, „nach dem Dürresommer 2018 zahlten Bund und Land 72 Millionen Euro Dürrehilfen an 778 Agrarbetriebe.“
Auch das Reisegeschäft soll profitieren. Auf Teilen der Unteren Havel dürfen motorisierte Boote, wie die Hausboote, unterwegs sein. Das schrecke die Paddler und Kanuten aber eher ab, so Muschol. Die genießen die Untere Havel lieber dort, wo motorisierte Schifffahrt draußen bleiben muss, wie an der Mögeliner oder Gülper-Havel. Die Hausboote sieht er kritisch, oder besser deren Menge. „Vermietet werden sie oft von großen Anbietern, die nicht vor Ort sitzen. Die Urlauber bringen dann mit, was sie brauchen. Allzu viel Geld bleibe so nicht in der Region“, meint der zertifizierte Natur- und Landschaftsführer, ein gebürtiger Havelländer. „Für die Anwohner werden Hausboote auch immer wieder zur Lärmbelastung.“
Ein anderes Problem sieht Muschol in unachtsamen Touristen, die abseits der Pfade Tiere aufschrecken, manchmal sogar Lagerfeuer machen. Richtig wütend wird er auf wilde Camper und rücksichtslose Angler, die sogar mit Rasenmäher und Säge anrücken. Er zeigt eine Fläche am Wasser, an der jemand den Rasen zeltfreundlich reduziert hat, im Weg hängende Äste einfach abgesägt wurden.
„Das sind Ausnahmen. Die meisten Menschen verhalten sich ordentlich“, betont Carsten Muschol. Er wünscht sich für seine Heimat einen sanften, respektvollen Naturtourismus. Er selbst, sagt er, betreibt seine Safaris und seinen Kanuverleih nebenbei, „weil es schön ist, hier auf dem Wasser“.





