Aus Steggelsdorp wurde Steckelsdorf
1335-2035: Im westhavelländischen Steckelsdorf bei Rathenow steht in neun Jahren ein rundes Jubiläum an. Es bleibt also noch reichlich Zeit, um vielleicht aus gegebenem guten Anlass endgültig zu klären, woher der Ortsname stammt bzw. welche Bedeutung ihm zugrunde liegt.
In der erstmaligen urkundlichen Erwähnung von Steckelsdorf ist von Steggelsdorp die Rede. Das klingt klar nach niederdeutschem Einfluss auf die hiesige Sprache. Theoretisch kommt Stegel als Grundwort infrage.
Wikipedia im Internet liefert hierzu eine interessante Info: „In den Vier- und Marschlanden tragen Wege den Namen Stegel, die von den Deichen aus im rechten Winkel vom Gewässer weg führen. In früheren Zeiten waren diese Wege wegen des feuchten Marschbodens als Bohlenwege angelegt.“
Wäre also Steggelsdorp einst vielleicht nur über einen solchen Stegel erreichbar gewesen, könnte der Ortsname logisch erscheinen. In dem Fall müsste das Terrain rund ums Dorf sehr nass oder morastig gewesen sein. Denkbar auf jeden Fall, dass der Steckelsdorfer See vor Jahrhunderten größer war.
Die Siedlungsgeschichte ist uralt und reicht überaus weit in vorchristliche Zeiten zurück. Steckelsdorfer Bodendenkmäler sind Beleg dafür, dass schon Menschen in der Jungsteinzeit (Neolithikum) hier lebten. Unter anderem gab es auch germanische Siedlungsspuren aus der Römischen Kaiserzeit und Spuren aus dem Slawischen Mittelalter.
Die Namen etlicher Orte der Region haben eindeutig slawische Wurzeln. Unklar, ob ein vormals slawischer Name unter niederdeutschem Spracheinfluss in Steggelsdorp umgeformt wurde, was dann die Sache mit dem Stegel erübrigen würde. Vielleicht zieht man einfach mal wissenschaftliche Experten zu Rate, die sich Onomastiker (Namenskundler) nennen. Am prominentesten ist Prof. Dr. Jürgen Udolph.
Völlig klar ist dagegen, dass Steckelsdorf im März 1335 vom aus Bayern stammenden brandenburgischen Markgrafen jener Zeit verpfändet wurde. Die diesbezügliche Urkunde ist auf Latein abgefasst. Hier ist von „Steggelsdorp et Bukow, fitas prope Ratnowe“ die Rede, also von Steckelsdorf und Buckow, ganz in der Nähe von Rathenow. Wer den Wortlaut lesen möchte, sollte im Internet nach einem Klassiker der Geschichtsforschung, der Urkundensammlung des Adolph Friedrich Riedel Ausschau halten.





