Auf dem Kriegspfad über Rathenow und Nauen
Schweinfurt – Magdeburg – Rathenow – Bamme – Barnewitz – Nauen – Fehrbellin: Im Jahr 1675 benötigte das Heer des Großen Kurfürsten 21 Tage bis zu dem Ort in Brandenburg-Preußen, an dem es die schwedischen Besatzer besiegte.
Vor 351 Jahren geschriebene Stadtgeschichte zeigen die Rathenower Schwedentage am 27./28. Juni 2026 auf dem Weinberg. Wichtig zu wissen: 1675 galt noch der Julianische Kalender, heute ist es der Gregorianische. Bei Umstellung wurden zehn Tage kassiert. Was sich ursprünglich zwischen dem 14. und 18. Juni 1675 ereignete, wird nun mit dem Zeitraum 24. bis 28. Juni angegeben.
Das kurfürstliche Heer befand sich seit 1674 außerhalb von Brandenburg-Preußen. Es lagerte im fränkischen Schweinfurt, als die Schweden im Frühling 1675 bis zur unteren Havellinie vorrückten. Sie besetzten strategisch wichtige Orte. Laut Julianischem Kalender setzte der Große Kurfürst sein Heer am 26. Mai gen Brandenburg in Bewegung. Am 11. Juni erreichte es Magdeburg. Das verregnete Wetter schien nur so lange mies, wie es die Brandenburger bremste. Letztlich erwiesen sich Wasser von oben und aufgeweichte Wege als vorteilhaft.
In der lokalen Rathenower Geschichtsschreibung über die Befreiung der ebenso von Schweden besetzten Stadt ragen der Ortsteil Böhne und die Altstadt-Insel heraus. Doch auf dem Weg zum Sieg bei Fehrbellin lagen weitere Orte – sehr selten, teils niemals erwähnt.
Die jetzt anstehenden Schwedentage zeigen, was sich im Stadtgebiet in den Tagen vor und während der Befreiung ereignete. Zu dieser war es in der Nacht zum 15. Juni 1675 gekommen. Wohl über Vieritz kommend, hatten Kurfürst und Heer die westlich der Havel gelegene Region erreicht. Vor dem Angriff auf die Schweden in Rathenow war der Landesherr nachweislich in Böhne. Wer die strategische Lage verstehen will, die sich aus der Befreiung ergab, benötigt eine Karte, die frühere Infrastruktur abbildet.

Die besetzten Städte Brandenburg und Rathenow waren durch eine über Seelensdorf (bei Pritzerbe) führende Heerstraße verbunden. In diesem winzigen Ort befand sich die aus der Stadt Brandenburg kommende schwedische Streitmacht von wohl etwa 12.000 Mann. Sie sollte eigentlich in Rathenow über die Havel gehen. Vom Verlust der Stadt überrascht und in völliger Unkenntnis von Lage und brandenburgischer Heeresstärke, ging es von Seelensdorf fixen Schrittes ostwärts nach Barnewitz, wo die Schweden die Nacht zum 16. Juni verbrachten.
Eine alte Karte, gezeichnet aber erst Anfang des 19. Jahrhunderts, belegt, dass es angesichts des Regenwetters eigentlich nur über Mützlitz und Garlitz nach Barnewitz gehen konnte. Denn eine riesige Kolonne mit Kavallerie, Infanterie, Kutschen, Geschützen und zivilem Fußvolk benötigte unbedingt halbwegs brauchen Untergrund, um schnellstmöglich voran zu kommen. Der von Rathenow über Bamme verlaufende damalige Hauptweg war sicher der einzig wirklich brauchbare. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde hier die erste Chaussee der Region gebaut (über Mützlitz und Marzahne) zur Stadt Brandenburg. Wohl auf einem alternativen Weg waren die Schweden aus Seelensdorf kommend zunächst nach Mützlitz gelangt. Heute würde man auf der Döberitzer Straße den Ort erreichen, von wo es geradewegs weiter nach Garlitz geht.
Dem Kurfürst selbst war am 15./16. Juni noch unklar, wohin sich die Schweden bewegen würden. Er erfuhr von einem Bauern, dass er sie am frühen 16. noch in Barnewitz gesehen hätte. Die Brandenburger setzten ihnen umgehend über Bamme hinterher. Nach Einbruch der Nacht kamen sie bis vor Barnewitz, wo sich noch die schwedische Nachhut befand. Wegen der Dunkelheit kam es zu keinem Gefecht mehr, am nächsten Morgen war die Nachhut verschwunden.
Auf dem weiteren Weg gen Gohlitz und Nauen stießen die Verfolger auf zurückgelassene und umgestürzte Wagen, Geschütze und tote Pferde. Die Schweden hatten es nun sehr eilig. Der Kurfürst setzte bei der weiteren Verfolgung auf noch mehr Schnelligkeit und vorrangig auf berittene Truppen. Sie konnten den Gegner bei Fehrbellin stellen, wo es kam am 18. Juni 1675 zur siegreichen Schlacht kam.





