Archäologische Sensation: Radkreuz aus dem Havelland passt in Gussform aus Spandau
Es gibt rund 350 Frauen und Männer im Land Brandenburg, die sich ehrenamtlich in der Bodendenkmalpflege betätigen. Eine Frau machte im westlichen Havelland einen außergewöhnlichen Fund.
Das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum (BLDAM) hält den genauen Fundort geheim. Das soll wohl den Bereich vor illegaler Raubgräberei bewahren, durch die Artefakte auf dem Antiquitätenmarkt angeboten werden und in privaten Sammlungen landen. ferner werden sie der Wissenschaft entzogen.
Durch die Tätigkeit der ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerin Juliane Rangnow konnte ein bronzenes Radkreuz aus dem 10. oder 11. Jahrhundert ins Archäologische Landesmuseum in Brandenburg an der Havel gelangen, wo es bis zum 11. März 2026 – gemeinsam mit dazugehöriger Gussform – gezeigt wird.
Bei jüngst erfolgter Präsentation des winzigen Fundes in Potsdam wurde eine Besonderheit betont: Das Radkreuz Form war in eine Form gegossen worden, die bereits vor mehr als 40 Jahren in Berlin-Spandau zutage kam und als „Spandauer Kreuz“ bekannt wurde. Die 1983 bei Ausgrabungen auf dem slawischen Burgwall in Berlin-Spandau gefundene Gussform eines kleinen Radkreuzes gilt als einer der ältesten Nachweise der frühen Christianisierung zwischen Elbe und Oder.
Sie wurde neben den Überresten einer frühen Holzkirche gefunden. Ein Abguss der Form sei bislang weder in Spandau noch anderswo gefunden worden – der aktuelle Fund des dazu passenden Gussstücks sei somit einzigartig.
Neben dem Kreuz traten weitere Funde aus dem Slawischen Mittelalter zutage, darunter Münzen, teils vergoldete Schmuckfragmente sowie eiserne Waffen. Es handelt sich um Zeitzeugnisse einer Phase, in der das Christentum sich ausbreiten wollte, aber die slawische Kultur dagegen gehalten hatte. Das Jahr 983 steht für einen großen Aufstand, bei dem die christlich geprägte Elite wieder aus der Havelregion verdrängt wurde. Die hiesige slawische Bevölkerung konnte ihre politische und religiöse Unabhängigkeit für rund anderthalb Jahrhunderte zurückerlangen.
Das Radkreuz und die anderen Artefakte wurden nicht zufällig gefunden. Juliane Rangnow gelangen sie per genehmigter Detektorbegehung. Wie das BLDAM informiert, würden die rund 350 in der märkischen Bodendenkmalpflege ehrenamtlich tätigen Leute einen wichtigen Beitrag zur Erfassung, Erhaltung und Vermittlung des archäologischen Erbes leisten. Alle seien offiziell benannt und Absolventen eines Lehrgangs, den das BLDAM in enger Zusammenarbeit mit der Archäologischen Gesellschaft Berlin und Brandenburg e.V. organisieren würde. Seit 2022 gebe es einen Mitarbeiter beim BLDAM, der die ehrenamtlich tätigen Frauen und Männer unterstützt und berät.





