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Freitag, 8. Mai 2026

Als ein Flugzeug-Auto in Tremmen Station machte

Ketzin/Havel, Tremmen
Ein schwarz-weiß Bild. Im Hintergrund ist eine Kirche und ein Gedenkobelisk zu erkennen. Im Vordergrund steht ein Gefährt, das wie ein zum Auto umgewandeltes Fahrrad aussieht, recht und links stehen mehrere Menschen unterschiedlichen Alters.
Das Flugzeug-Auto 1933 bei seinem Halt vor der Kirche in Tremmen. Foto: Otto Lehnhardt

1.700 Kilometer quer durch Deutschland – mit einem kuriosen Gefährt: Das Flugzeug-Auto ist weder Flugzeug noch Auto. Vorne ist es breit und nach hinten schmal zulaufend, aber mit vier Rädern mit Ballonreifen. Unter der Plane sitzend radelten die drei Mendener aus dem Sauerland, Willi Kessemeier, Carl Schauerte und Hermann Grünschläger, drei Monate und 25 Tage über 1.700 Kilometer durch Deutschland – vor 93 Jahren im Jahre 1933. ​

So berichteten es jedenfalls damals die Zeitungen. Ein Originalfoto mit dem so genannten Flugzeug-Auto von 1933 stellte Tremmens Ortschronist Lothar Lehnhardt zur Verfügung. Wie er sagte, stammt dieses Foto wahrscheinlich von seinem Vater Otto Lehnhardt, der schon als Kind und Jugendlicher fotografiert habe. 

Lothar Lehnhardt hatte gleich festgestellt: Die Bildunterschrift in der Westfalenpost, in der das Foto abgebildet und über das Ereignis im Jahre 2015 berichtet wurde, ist falsch. Das Foto sei nicht auf Rügen aufgenommen, sondern, wie unschwer zu erkennen ist, vor der Tremmener Kirche, sagte er. Und in der Beschreibung des kuriosen Ereignisses ist Tremmen auch als Besuchsort beschrieben – gleich noch mit einem weiteren kuriosen Ereignis.

Bier in Kannen und Eimer abgefüllt

Dort habe die drei ein großer Lastwagen mit Bierfässern überrascht. Der Beifahrer sei mit einer großen Schelle vorausgelaufen und habe „Braun- und Weißbier“ gerufen. Die Leute wären dann mit Kannen und Eimern gelaufen und hätten sich Bier abfüllen lassen. Das wäre zuhause noch einmal aufgekocht, mit Wasser verdünnt und dann in Flaschen abgefüllt worden, so die Westfalenpost. 

Alle diese Erlebnisse sind nachzulesen, und zwar in den Tagebüchern, die Herman Grünschläger in einer Telefonzelle geschrieben hat. So auch, dass sie bei den Bauern oft recht gut, meist besser als in den Städten, versorgt wurden, denn sie reisten ganz ohne Geld. Allerdings hielten sie auch fest: „große Bauern waren oft knickerig“.

Ihre Idee, sich in der Havel durch Angeln mit Fisch zu versorgen, war wohl auch nicht die beste. So wird beschrieben, dass Hermann Grünschläger seit morgens drei Uhr zu diesem Zweck an der Havel saß. Das Ergebnis war mehr als bescheiden und erheiterte die anderen beiden. Ein Fischchen, gerade mal 5 Zentimeter lang, war die Ausbeute.

Hausierbuch für Straßenmusik

Oft verdiente Hermann Grünschläger ein wenig Geld bei der Straßenmusik mit seiner „Quetschkommode“. Aber das war streng geregelt. Sie mussten ein Hausierbuch führen, welches in den Polizeistationen mit Stempel und Unterschrift versehen wurde und somit diese Art des Broterwerbs genehmigte.

Viele Stationen beschrieben die Drei. So auch Berlin, wo sie mit ihrem eigenwilligen Gefährt das Brandenburger Tor passierten. Weitere Stationen waren unter anderem Magdeburg, Hamburg, Rostock und Rügen. Nicht nur schöne Erlebnisse hatten die Abenteurer. Hunger, am meisten wohl in Berlin, Krankheiten, Pannen und auch Schikanen der Polizei zeichneten ihren ungewöhnlichen Weg, der dann schleunigst enden musste, weil im Dritten Reich derartige Abenteuer als Bettelunwesen und Landstreicherei bezeichnet und geahndet wurden. Endstation Heimat soll am 15. Oktober 1933 gewesen sein. Nichts bekannt wäre heute über den Verbleib des abenteuerlichen Gefährts, so die Westfalenpost.

Durch kleine Gitterstäbe hindurch ist ein Hahnenkopf zu sehen. Der Hahn ist dunkelbraun mit einem roten Kamm.

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