Achse historisch kostbarer Objekte im Undine-Dorf Nennhausen – Altes Gärtnerhaus liegt mit drauf
Schloss und Kirche in Nennhausen: Genau zwischen den historisch bedeutsamsten Objekten des westhavelländischen Dorfs steht ein Fachwerkbau, dem man durchaus ansieht, wie sehr der Zahn der Zeit an ihm nagt.
Anno 1811 hat die Dreier-Reihe auf rund 250 Metern schon bestanden. Es war das Jahr, in dem der damals überaus prominente Dichter Friedrich de la Motte Fouqué (1777-1843) jene literarische Gestalt ersann, ohne die es sehr wahrscheinlich nicht „Die kleine Meerjungfrau“ von Hans Christian Andersen (1837) gebe und auch keine „Arielle, die Meerjungfrau“ von Disney (1989). Seine „Undine“, dieses weiblich-mystische Wesen ohne Schwanzflosse – aus einer Parallelwelt unter der Oberfläche eines Sees -, soll Fouqué unter einer Eiche im Nennhausener Schlosspark geschrieben haben. Der Baum brach 2006 bei einem Orkan in sich zusammen, die liegengebliebenen Reste sind ein Naturdenkmal. Die Wohnstätte desjenigen, der im Park für Bäume und alle anderen Pflanzen zuständig war, besteht noch.
Das Alte Gärtnerhaus ist knapp 100 Jahre älter als die „Undine“. Es ist sozusagen genauso morsch wie die Eiche es war. Noch vor etwa 15 Jahren drohte der marode Fachwerkgiebel einzustürzen. Er wurde in der Folge eher notdürftig repariert. Der Zahn der Zeit nagt weiter. Mit einer Sanierung wäre die Gemeinde Nennhausen, zu der das Undine-Dorf Nennhausen als Ortsteil gehört, finanziell überfordert. Erklärtes Ziel des Kulturverein Nennhausen e.V. ist: „Wir retten das Alte Gärtnerhaus“. Er will auch online (Spenden-)Gelder auftreiben, um es zu sanieren. Ein Verkauf solle unbedingt vermieden werden, wie es auf der Vereinsseite im Internet heißt. Aktuell höchste Spende sind 1.500 Euro von der EMB Mark Brandenburg. Was BRAWO darüber berichtete, steht hier.
Im Haus kann sich jeder eine kleine Fouqué-Ausstellung ansehen – allerdings nur sonntags zwischen 14.00 und 17.00 Uhr und auch nur in der wärmeren Jahreszeit. Vereinsmitglieder versorgen mit Kaffee und Kuchen. Spezielle Veranstaltungen gibt es auch mitunter. Für den 26. Juli 2026, ab 16.00 Uhr, wird eine „Offene Jamsession“ angekündigt. Der Verein ist dankbar für jeden Gast und jeden Euro. Nennhausen ist ein eher wenig von Touristen frequentierter Ort.

Ein kleiner Schritt, um die überregionale Popularität von Fouqués Meisterwerk, Schloss, Kirche und Altem Gärtnerhaus zu steigern, wäre es sicher, wenn sich Nennhausen ganz offiziell als „Undine-Dorf“ bezeichnen würde. 215 Jahre nach Veröffentlichung der „Undine“ und 20 Jahre nach Ende der Lebenszeit der Fouqué-Eiche wäre eine Neupflanzung sicher auch eine imagefördernde Maßnahme für alle, die sich mit der historischen Ortsachse Schloss-Gärtnerhaus-Kirche verbunden fühlen. Übrigens liegt auch eine Filiale der Volksbank Rathenow mit drauf. 2027 würde sich ebenso geradezu aufdrängen: Der Geburtstag von Friedrich de la Motte Fouqué jährt sich dann zum 250. Mal. Sein Degen, den er in den Befreiungskriegen gegen das napoleonische Frankreich führte, hat er der Kirche vermacht. Er hängt dort noch heute an einer Wand.





