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Samstag, 10. Oktober 2026

30 Jahre Arkaden-Markt in Brieselang – vom Gummiwerk zur Ortsmitte

Brieselang
Ein schwarz-weiß Bild eines von Häusern umringten Platzes, am Rande sind Markstände zu sehen und der Platz ist voller Menschen.
Eröffnung des Marktplatzes in Brieselang vor 30 Jahren.​ Foto: Gemeindearchiv

Rathaus, Geschäfte, Wohnungen und ein zentraler Platz mitten in Brieselang – für viele gehört der Marktplatz heute selbstverständlich zum Ortsbild. Vor rund drei Jahrzehnten sah es an dieser Stelle allerdings noch völlig anders aus: Wo heute die Ortsmitte liegt, befand sich zuvor ein Teil des Brieselanger Gummiwerkes, ein Industriestandort.​

Am 3. Oktober 2026 ist es auf den Tag genau 30 Jahre her, dass der neue Brieselanger Marktplatz eingeweiht wurde. Zeitgenössische Berichte und Planungsunterlagen dokumentieren, wie aus dem ehemaligen Werksgelände innerhalb weniger Jahre ein neues Ortszentrum entstand.

Die Bezeichnungen wechselten im Hinblick auf die Berichterstattung in den 1990er Jahren. In den Unterlagen ist vom „Ortszentrum“, vom „Marktplatz“, vom Projekt „Am Marktplatz“ und schließlich vom „ArkadenMarkt“ die Rede. Sie beschreiben die Entwicklung des neuen Zentrums, dessen Herzstück der heutige Brieselanger Marktplatz ist.

Wo zuvor das Gummiwerk stand

Über Jahrzehnte prägte das Brieselanger Gummiwerk das Gelände. Zur Anlage gehörten unter anderem die Werkseinfahrt mit Pförtnerhaus, Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäude, Werkstätten und weitere Betriebsgebäude. Noch 1992 standen nach damaligen Berichten auf dem rund fünf Hektar großen Areal unter anderem das Verwaltungsgebäude und die Werkstatt des Gummiwerkes.

Für viele Brieselangerinnen und Brieselanger war das Gelände eng mit dem eigenen Arbeitsleben oder dem ihrer Familien verbunden. Zahlreiche Menschen aus dem Ort hatten im Gummiwerk gearbeitet. Der spätere Marktplatz entstand also nicht auf einer freien Fläche, sondern auf einem Areal, das über Jahrzehnte Teil der Brieselanger Industriegeschichte gewesen war.

Bereits 1992 wurde ein neues Wohn- und Geschäftszentrum auf dem ehemaligen Gummiwerksgelände konzipiert. 1993 war der Teilrückbau des Gummiwerkes abgeschlossen. Das war für viele Menschen, gar Familien, zunächst durchaus schmerzhaft, hatten sie doch generationsübergreifend ihren Arbeitsplatz verloren.

Eine wesentliche Rolle bei der weiteren Entwicklung spielte die Kommunale Entwicklungsgesellschaft Brieselang (KEG) unter ihrer damaligen Geschäftsführerin Christine Otto. Auch ehemalige Beschäftigte des Gummiwerkes wirkten im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen daran mit, das Gelände für eine Neubebauung vorzubereiten.

Der Weg zum neuen Ortszentrum verlief allerdings keineswegs geradlinig. Nachdem die Liegenschaft von der Treuhand erworben worden war, mussten zahlreiche Schwierigkeiten bewältigt werden. 1994 stand das Vorhaben nach damaligen Berichten zeitweise sogar vor dem Aus. Die Probleme erschienen so groß, dass eine Rückgabe des Geländes an die Treuhand im Raum stand. Erst das Engagement vieler Beteiligter brachte das Vorhaben wieder voran.

Wohnen, Arbeiten und Einkaufen in einer neuen Mitte

Die Planungen gingen von Beginn an weit über die Gestaltung eines einfachen Marktplatzes hinaus. Der Architekt und Städteplaner Gil Helou entwickelte das Konzept eines neuen Ortszentrums, das Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Dienstleistungen und Begegnung an einem Ort vereinen sollte.

Die Planungen sahen die bis heute charakteristische Bebauung rund um den Platz vor: mehrgeschossige Häuser, Geschäftsräume im Erdgeschoss, Wohnungen in den darüberliegenden Etagen und die Arkaden entlang der Gebäude. Hinzu kamen Flächen für Verwaltung, Büros und weitere Dienstleistungen. Im Zentrum sollte ein öffentlicher Platz entstehen, der nicht nur Einkaufsort, sondern zugleich Treffpunkt und Veranstaltungsfläche sein sollte.​

Das war für die Brieselangerinnen und Brieselanger ein bedeutender Schritt. Ein klassisch gewachsenes Ortszentrum hatte es bis dahin in dieser Form nicht gegeben. Mit dem neuen Ensemble sollten neue Weichen gestellt werden, um die Attraktivität deutlich zu erhöhen.

September 1995: Grundstein für das Ortszentrum

Am 1. September 1995 wurde der Grundstein für das neue Ortszentrum gelegt. Mit dabei waren unter anderem Architekt Gil Helou, KEG-Geschäftsführerin Christine Otto und die damalige Bürgermeisterin Karin Radzewitz. Die Planungsunterlagen trugen bereits die Bezeichnung „Ortszentrum Brieselang – Am Marktplatz“. Nach Jahren der Vorbereitung wurde damit sichtbar, dass aus den Plänen tatsächlich ein neuer Teil Brieselangs entstehen sollte.

Nur neun Monate später, am 31. Mai 1996, wurde am ersten Gebäude Richtfest gefeiert. Auch das damalige Amt Brieselang und die Gemeinde sollten Räume im neuen Zentrum beziehen. Die zuvor teilweise auf verschiedene Standorte verteilte Verwaltung konnte dadurch stärker gebündelt werden. Kürzere Wege für die Bürgerinnen und Bürger und bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten gehörten zu den Erwartungen seinerzeit.

Oktober 1996: Brieselang weiht seinen Marktplatz ein

Gut ein Jahr nach der Grundsteinlegung war es so weit. Am 3. Oktober 1996 wurde der neue Brieselanger Marktplatz offiziell eingeweiht. Zur Eröffnung kamen zahlreiche Brieselangerinnen und Brieselanger auf dem neuen Platz zusammen. An Teilen des Ortszentrums wurde zu diesem Zeitpunkt noch gearbeitet. Marktstände und ein Festprogramm begleiteten die Feier.

Hier sind die namensgebenden Arkaden an den Rändern des Marktplatzes gut zu sehen. Foto: Sandra Euent

Das Programm begann um 10 Uhr mit Ansprachen. Bürgermeisterin Karin Radzewitz, KEG-Geschäftsführerin Christine Otto und Architekt Gil Helou gehörten zu den Beteiligten. Um 11 Uhr folgte die eigentliche Marktplatzweihe. Während auf dem Platz bereits gefeiert wurde, gingen die Bauarbeiten sogar weiter.

Für das gesamte Ensemble wurden damals unter anderem rund 170 Eigentumswohnungen und etwa 3.400 Quadratmeter Ladenfläche genannt. Zu den damaligen Vorstellungen gehörten außerdem ein Vier-Sterne-Hotel und ein Gebäude für Seniorinnen und Senioren. Nicht jede Idee aus dieser Entwicklungsphase wurde später genauso umgesetzt. Noch im Dezember 1996 öffneten erste Geschäfte am neuen Markt, manche sind sogar noch heute vorhanden – Ladenbesitzer der ersten Stunde sozusagen.

Haslach und Brieselang: Eine Verbindung, die weiter zurückreicht 

Zur Einweihung des Marktplatzes am 3. Oktober 1996 gehörte auch eine größere Delegation aus Haslach im Kinzigtal, heute eine Stadt mit rund 7.000 Einwohnern aus dem Ortenaukreis in Baden-Württemberg, rund 40 Kilometer von Freiburg entfernt. Die Verbindung zwischen Brieselang und der baden-württembergischen Kleinstadt reicht bis in die 1980er Jahre zurück als die Ost-West-Freundschaft begann. Denn: Am 20. Dezember 1986 kam erstmals eine Gruppe aus Haslach nach Brieselang. Ab 1989 entstanden verstärkt persönliche Kontakte. Nach der politischen Wende wurden die Beziehungen deutlich ausgebaut.

Haslach übernahm in dieser Zeit für Brieselang eine Art Patenrolle. Aus den zunächst kirchlichen und privaten Begegnungen entwickelte sich zunehmend auch ein kommunaler Austausch. Brieselangerinnen und Brieselanger reisten nach Haslach, Gäste aus dem Kinzigtal kamen nach Brieselang. Auch Vertreter der Kommunen und Beschäftigte der Verwaltungen besuchten sich gegenseitig. Eine wichtige Rolle als Brückenbauer spielte Pfarrer Heinrich Gehrmann, der später zum Ehrenbürger Brieselangs ernannt wurde. 

Bei der Marktplatzweihe am 3. Oktober 1996 wurde diese Verbindung besonders sichtbar. 73 Haslacherinnen und Haslacher kamen zum Tag der Deutschen Einheit nach Brieselang. Zur Delegation gehörten Vertreter der Haslacher Pfarrgemeinden, des Stadtrates und der Stadtverwaltung. Der damalige Haslacher Bürgermeister Heinz Winkler gehörte zu den Rednern. Nach der Marktplatzweihe wurde um 12 Uhr die Haslacher Straße eröffnet. Winkler und die damalige Brieselanger Bürgermeisterin Karin Radzewitz enthüllten gemeinsam das Straßenschild. Ein Pflastermosaik mit dem Wappen der Stadt Haslach wurde ebenfalls in die Straße eingelassen. Gestaltet hatte es der Brieselanger Grafiker Volkmar Brandt aus farbigem Glas. 

Vom Marktplatz zum „ArkadenMarkt“

Bei der Einweihung wurde auch der Name „ArkadenMarkt“ bekanntgegeben – eine Anspielung auf die markanten Arkaden der neuen Bebauung. Die Gewerbetreibenden am Marktplatz gründeten eine Interessengemeinschaft und verständigten sich darauf, künftig gemeinsam unter dem Namen „Interessengemeinschaft ArkadenMarkt“ aufzutreten. Ein eigenes Logo sollte in den Geschäften, auf Geschäftspapieren und bei gemeinsamen Aktionen verwendet werden.

Schon früh sollte der Platz mehr sein als eine Ansammlung von Geschäften. Wochenmärkte, Veranstaltungen, kulturelle Angebote und Feste sollten Leben in die neue Ortsmitte bringen. Bereits am 16. August 1997 fand der erste Markttag statt. Am 6. und 7. Dezember folgte der Brieselanger Arkaden-Weihnachtsmarkt. Im April 1999 waren bereits 30 Läden im Marktbereich ansässig.

Ein Stein am Brunnen weist auf die Grundsteinlegung hing. Foto: Sandra Euent

1997 kommt der Marktbrunnen hinzu

Mit der Einweihung war die Gestaltung noch nicht abgeschlossen. Im Sommer 1997 kam ein weiteres prägendes Element hinzu: der Marktbrunnen. Die Idee dafür stammte vom Brieselanger Künstler Guido von Martens. Nach den zeitgenössischen Berichten sollte die Gestaltung typische brandenburgische Elemente miteinander verbinden: Stein, Wasser und Holz. Die verwendeten Steine waren skandinavischen Ursprungs, die Holzelemente schuf Ulrike Trümmer aus der Lausitz. An der bildhauerischen Umsetzung war der Bildhauer Karbe aus der Uckermark beteiligt. 

Am 12. Juli 1997 wurde der Brunnen bei einem Fest auf dem ArkadenMarkt geweiht. Die Brunnenweihe nahm die damalige „Nixe Mareen“ vor. Innerhalb weniger Jahre waren damit nicht nur Verwaltung, Wohnungen, Geschäfte und Dienstleistungen entstanden. Auch Märkte, Feste und gestalterische Elemente wie der Marktbrunnen und das Haslacher Wappen gaben dem neuen Zentrum ein eigenes Gesicht.

Von Patrik Rachner/Gemeinde Brieselang

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