Brandenburg an der Havel, Premnitz, Rathenow: Die Städte wollen Pendler zurückholen
Brandenburg an der Havel, Premnitz und Rathenow: Aus rivalisierenden wurden Partnerstädte: Die Wirtschaftsregion Westbrandenburg wurde vor 15 Jahren begründet. Wo ihre nächste Karrieremesse stattfindet.
Stahl, Chemie und Optik waren mal Hauptprogramm in den Industriestädten Brandenburg an der Havel, Premnitz und Rathenow. Auf die Systemwende folgte zäher Strukturwandel. Die Top-Arbeitgeber brachen allmählich weg. Auch in anderen Branchen, sogar in Schulen und Kitas, bestimmten Existenzängste den Alltag, wenn der Abbau von Personalüberhängen drohte. Die Arbeitslosenzahlen schossen in die Höhe. Die Rathenower Spitzenquote stammt aus 2003 und belief sich auf 26 Prozent.
Junge Leute hatten es schwer, einen Ausbildungsplatz zu finden. Wenn sie vom Betrieb übernommen wurden, drohte ihnen als erste die Entlassung wegen zu weniger „Sozialpunkte“. Auch Niedriglöhne wurden in nicht tarifgebundenen Branchen zum Alltag. Wer konnte, suchte sein berufliches Glück anderswo. Wer nicht gänzlich fortzog, pendelt womöglich immernoch zwischen Westbrandenburg und Potsdam/Berlin.
Heute herrscht auch in der Wirtschaftsregion Westbrandenburg ein Fachkräftemangel. Daher wird das Motto ihrer Karrieremesse zum Auftrag: „Fachkräfte gewinnen, Pendler zurückholen, Zukunft sichern“. Unternehmen können sich bis zum 20. Februar auf der Internetseite www.jobs-westbrandenburg.de anmelden.
Jörg Zietemann, Bürgermeister der Gastgeberstadt Rathenow und ein Schirmherr der Karrieremesse, lässt wissen: „Persönliche Begegnungen schaffen Vertrauen und geben oft den entscheidenden Impuls für eine berufliche Zukunft. Ich rufe die Unternehmen daher auf, diese Chance zu nutzen, sich als attraktive Arbeitgeber zu präsentieren und direkt mit den zahlreichen Besuchern in Kontakt zu treten.“
Die Messe am 9. Mai findet wie bereits 2025 im Kulturzentrum sowie auf dem Märkischen Platz statt (9.00 bis 13.00 Uhr). Aus dem Vorjahr übernommen: In fünfminütigen Kurzpräsentationen können Unternehmen ihre Jobangebote, Karrierechancen und Besonderheiten vor Ort vorstellen. Da die Möglichkeiten hierbei begrenzt sind, sollten sich Interessierte mit der Anmeldung beeilen.
Dass Brandenburg an der Havel, Rathenow und Premnitz – in Kooperation mit dem Landkreis Havelland – eine Wirtschaftsregion bilden, ist Resultat wirtschaftspolitischer Entwicklungen im Land Brandenburg. 2005 hatte es 15 sogenannte „Regionale Wachstumskerne“ (RWK) ausgewiesen, darunter Brandenburg an der Havel. Die vormalige Praxis, bei der Fördergelder wie sozusagen per Gießkanne verteilt wurden, wich der Konzentration auf die RWK.
2010 hätte es durchaus zur Neustrukturierung kommen können. Rathenow und Premnitz wollten selbst zum RWK werden. Im Grunde blieb alles beim Alten. Der Stadt Brandenburg wurde jedoch attestiert, dass sie zu stark für sich allein stehe und nicht weit genug in die Region hineinwirke. Denn ein Ziel der märkischen Förderpolitik ist: „Stärkung der Motorfunktion der RWK und Ausstrahlung auf ihr Umland“. Durch die Wirtschaftsregion Westbrandenburg sollte Besserung gelingen. Das Gemeinschaftsprojekt mit Rathenow und Premnitz startete 2011.





