Rathenow – Genthin: Geschichte westlich der Havel
Zwischen dem Rathenower Heimatbund e.V. und dem Kreismuseum Jerichower Land in Genthin besteht seit vielen Jahren eine die Ländergrenze übergreifende fruchtbare Zusammenarbeit. Zuletzt gab es Besuch aus dem westlichen Havelland. Von Martin Sommerfeld
Weite Teile des heutigen westlichen Havellands gehörten bis in die frühen 1950er Jahre zum Kreis Jerichow II – eine Tatsache, die auf eine jahrhundertelange gemeinsame Vergangenheit verweist. Diese Geschichte wird seit nunmehr 140 Jahren vom Genthiner Museum bewahrt und erfolgreich erforscht.
Am 8. März 2026 folgten einige Mitglieder des Heimatbunds Rathenow einer Einladung zur Eröffnung der Sonderausstellung „Neuanfang in Sachsen-Anhalt“ im Genthiner Museum. Konzipiert wurde die Wanderausstellung vom Haus der AlltagsGeschichte in der Lutherstadt Wittenberg unter Mitwirkung von Dr. Christel Panzig. Die Ausstellung beleuchtet die Flucht und Vertreibung zum Kriegsende 1945 sowie den schweren Neuanfang der Geflüchteten und Vertriebenen im heutigen Sachsen-Anhalt.
Passend zum Eröffnungsdatum, dem Internationalen Frauentag, hoben Museumsleiterin Antonia Beran und Dr. Christel Panzig hervor, dass insbesondere die Frauen jener Zeit die Hauptlast bei der Vertreibung und dem Neubeginn tragen mussten. Viele Geflüchtete aus Schlesien, West- und Ostpreußen oder der Neumark stießen in ihrer neuen Heimat zunächst auf Misstrauen und Ablehnung. Eine Integration war nur zu oft mit großen Schwierigkeiten verbunden. Die Ausstellung zeigt auf zahlreichen Schautafeln persönliche Schicksale und erlaubt anhand von Ausstellungs- und Erinnerungsstücken einen lebendigen Einblick in die Zeit von Flucht und Vertreibung.
Ein besonderes Glanzlicht am Eröffnungstag war eine Mitmachaktion: Die Besucher wurden gefragt, ob sie selbst oder ein Familienangehöriger einst ihre Heimat verlassen musste. Im Ergebnis antworten 16 mit „Ja“.
Die sehenswerte Ausstellung über Flucht, Vertreibung und Neuanfang ist noch bis zum 31. Mai 2026 im Kreismuseum Jerichower Land, Mützelstraße 22, in Genthin, für Besucher geöffnet. Doch auch unabhängig von der aktuellen Sonderausstellung ist ein Besuch des Museums, das in Vielfalt und Umfang in der Region seinesgleichen sucht, allen regionalgeschichtlich Interessierten wärmstens zu empfehlen.





