Wo man in Rathenow über die Geschichte jüdischer Bürger stolpern soll
Es gibt sie schon an anderen Stellen: Mit einer Auftaktaktion begann im Juni 2026 ein neues Erinnerungsprojekt zur Verlegung weiterer Stolpersteine in Rathenow.
Schüler eines Deutsch-Grundkurses der Klassenstufe 11 der Bruno-H.-Bürgel-Gesamtschule werden sich nun unter Anleitung ihrer Lehrerin Flavia Hinneburg intensiv mit den Schicksalen jüdischer Menschen beschäftigen, die während der Zeit des Nationalsozialismus aus Rathenow verschleppt wurden oder fliehen mussten.
Da die Verlegung eines Stolpersteins einen erheblichen zeitlichen Vorlauf erfordert, werden die vorgesehenen Standorte auf den Gehwegen bereits jetzt gekennzeichnet. „Damit soll frühzeitig auf das Projekt sowie auf die Folgen von Diktatur, Verfolgung und Faschismus aufmerksam gemacht werden“, wie es aus dem Rathaus heißt. In der Berliner Straße 51 wurde die Stelle für die künftigen Stolpersteine für Alfred, Laura, Hilde und Edith Schul markiert. Ein weiterer Standort befindet sich in der Göttliner Straße 55 in Rathenow-West. Dort soll künftig an Salomon Marcus erinnert werden.
Als weiterer Kooperationspartner konnte die Otto-Seeger-Grundschule gewonnen werden. Unter Anleitung von Lehrerin Simone Kuckel begaben sich Schüler einer sechsten Klasse auf Spurensuche im Stadtteil Rathenow-West und wurden dabei fündig. Dort soll voraussichtlich im März 2027 ein weiterer Stolperstein gesetzt werden.

Im Zuge des Projekts sind umfangreiche Archivrecherchen vorgesehen. Unterstützung erhalten die Schüler von Historikerin Dr. Bettina Götze, die sich seit vielen Jahren mit der Geschichte jüdischen Lebens in Rathenow beschäftigt und eine Übersicht über die bislang bekannten hier verschleppten jüdischen Menschen zusammengestellt hat. Dr. Götze engagiert sich ehrenamtlich in der Arbeitsgruppe Demokratie, die Teil des Aktionsbündnisses „Unser Rathenow. Miteinander. Füreinander.“ ist.

Das vor 30 Jahren gestartete Stolperstein-Projekt geht auf Künstler Gunter Demnig zurück, der die 10×10 cm großen Stolpersteine aus Messing fertigt. Bislang sollen bereits rund 116.000 in mehr als 1.860 Kommunen in 31 europäischen Ländern verlegt worden sein – die meisten in Deutschland. Die vier Stolpersteine in Rathenow hat Demnig im März 2007 persönlich verlegt. Noch 1933 hatte die einstige jüdische Gemeinde mehr als 100 Mitglieder. Bis Ende 1943 sank die Zahl auf Null.





