Wirtschaftsregion im Westen von Brandenburg: Daniel Keip, Jörg Zietemann und Thomas Rosenberg liebäugeln mit Robert Pulz aus Bad Belzig
Die Wirtschaftsregion Westbrandenburg ist ein Gebilde mit Lücke zwischen Brandenburg an der Havel und Premnitz / Rathenow. Das mittelmärkische Amt Beetzsee mit der Stadt Havelsee kommt hier nicht vor. Stattdessen rückt Bad Belzig in den Fokus.
Dass Brandenburg an der Havel, Rathenow und Premnitz – in Kooperation mit dem Landkreis Havelland – eine Wirtschaftsregion bilden, ist Resultat wirtschaftspolitischer Entwicklungen im Land Brandenburg. 2005 hatte es 15 sogenannte „Regionale Wachstumskerne“ (RWK) ausgewiesen, darunter Brandenburg an der Havel. Die vormalige Praxis, bei der Fördergelder wie sozusagen per Gießkanne verteilt wurden, wich der Konzentration auf die RWK.
2010 hätte es durchaus zur Neustrukturierung kommen können. Rathenow und Premnitz wollten selbst zum RWK werden. Im Grunde blieb alles beim Alten. Der Stadt Brandenburg wurde jedoch attestiert, dass sie zu stark für sich allein stehe und nicht weit genug in die Region hineinwirke. 2011 wurde die gemeinsame Wirtschaftsregion Westbrandenburg begründet. Damalige Spitzenvertreter waren BRB-Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU), HVL-Landrat Burkhard Schröder (SPD) sowie die Bürgermeister Roy Wallenta (parteilos/Premnitz) und der 2026 verstorbene Ronald Seeger (CDU/Rathenow).

Wachsende Kooperationsbereitschaft zeigte sich insbesondere bei den Vorbereitungen auf die Bundesgartenschau 2015 Havelregion. Wäre es 2019 zur Verwaltungsstrukturreform im Land Brandenburg gekommen, lägen die Stadt Brandenburg und das mittelmärkische Amt Beetzsee jetzt im Landkreis Havelland.
Der Reformplan wurde 2017 von der Landesregierung abgeblasen. Bis dahin hatte sich in HVL und BRB offenbart, dass man aneinander kein Interesse hatte. Dem Amt Beetzsee war es eher egal, ob es havelländisch werden oder mittelmärkisch bleiben würde. Schließlich hatten dortige Dörfer und die Stadt Pritzerbe bis in die 1950er Jahre mit Premnitz und Rathenow noch zum Landkreis Westhavelland gehört. In der Wirtschaftsregion Westbrandenburg stellt das Amt, konkret die amtsangehörige Stadt Havelsee, nun eine mittelmärkische Lücke zwischen der Stadt Brandenburg und dem Landkreis Havelland dar.

Von denen, die 2011 die Wirtschaftsregion begründeten, ist keiner mehr im Amt. In aktueller Konstellation kam es zuletzt zum erstmaligen gemeinsamen Arbeitstreffen der zwei parteilosen Bürgermeister Jörg Zietemann (Rathenow) und Thomas Rosenberg (Premnitz) mit dem neuen Brandenburger Oberbürgermeister, Daniel Keip (SPD). Dazu eingeladen wurde der parteilose Bürgermeister aus Bad Belzig, Robert Pulz.
Wie es heißt, soll die mittelmärkische Kreisstadt künftig stärker eingebunden werden. Erster konkreter Schritt könnte die Beteiligung am jährlich stattfindenden Berufemarkt der Wirtschaftsregion sein. Nächster Termin ist der 26. September 2026. Veranstaltungsorte sind wie in den Vorjahren das Technologie- und Gründerzentrum sowie das benachbarte Überbetriebliche Ausbildungszentrum in Brandenburg an der Havel.
Beim Treffen habe Oberbürgermeister Daniel Keip die besondere Verantwortung von Brandenburg an der Havel als Oberzentrum der Region betont, wie es aus dem dortigen Rathaus heißt. Die Stadt müsse in vielen Bereichen Impulse setzen, gleichzeitig könnten zahlreiche Zukunftsaufgaben nur im Schulterschluss mit den Nachbarkommunen erfolgreich bewältigt werden. Ziel sei es, den regionalen Arbeitsmarkt zu stärken, Fachkräfte in Westbrandenburg zu halten und die Attraktivität der gesamten Region nachhaltig zu steigern. Die Stadtoberhäupter wollen sich fortan regelmäßig austauschen. Das nächste Treffen soll Anfang 2027 in Bad Belzig stattfinden.





