Wiederaufbau der Sankt-Marien-Andreas-Kirche: Kahrs und Ziegler schoben das Finale an
Bundespolitik ist für die SPD-Mitglieder Dagmar Ziegler und Johannes Kahrs längst biografische Geschichte. Mit einer politischen Aktion des Jahres 2018 haben sie sich in Rathenow verewigt.
Anfang November 2018 hatte der Haushaltsausschuss des Bundestags in einer sogenannten „Bereinigungssitzung“ beschlossen, dass der finale Wiederaufbau des Rathenower Bauwerks in Höhe von 50 Prozent der Gesamtkosten von 7,5 Millionen Euro durch den Bund gefördert wird. Damit das klappt, musste sich das Land Brandenburg aber erst bereit erklären, die andere Hälfte zu stemmen.
Hinter dem Berliner Millionen-Coup steckten die SPD-Bundestagsabgeordnete Dagmar Ziegler (Wahlkreis 56: Prignitz/Ostprignitz-Ruppin/Havelland) und ihr damaliger Hamburger Fraktionskollege Johannes Kahrs, der im Mai 2020 sein Bundestagsmandat niederlegte. Ziegler trat 2021 nicht mehr zur Wahl an. Der Kofinanzierungs-Ball lag lange beim Land Brandenburg.
Erst seit 2021 stand die märkische Hälfte zur Verfügung. Der Vorsitzende des Förderkreises zum Wiederaufbau der Kirche wusste, dass hier der Politik zu danken war, ließ allerdings wissen: „Aber vor allen Dingen danken wir Gott, für seinen Segen, der uns mithilfe von vielen Menschen dazu verholfen hat, das Gotteshaus weiter aufzubauen“, so seinerzeit der evangelisch stark geprägte Heinz-Walter Knackmuß (Jahrgang 1944).
Der finale Wiederaufbau startete Ende 2023. Die Sankt-Marien-Andreas-Kirche wurde zur Baustelle. Wenn an diesem Sonntag, 26. April 2026, per Festgottesdienst mit Bischof und anschließender Gemeindeparty auf dem Kirchberg das Projektende gefeiert wird, ist fast alles wieder so, wie es bis zur Zerstörung vor 81 Jahren war. Die Kirchentür öffnet sich um 10.00 Uhr. Freilich steht auch allen Vereinsmitgliedern der Besuch frei. Knackmuß hat einige Prominente in den Förderkreis gelotst, darunter Politiker wie Frank-Walter Steinmeier (2007) und Dietmar Woidke (2018), die ebenso Mitgliedsbeiträge zahlen. Dagmar Ziegler und Johannes Kahrs traten nie bei.
Der seit 1996 Spenden sammelnde Förderkreis zum Wiederaufbau, der 30 Jahre nach Gründung eigentlich einpacken könnte, geht in die Verlängerung. Noch werden mehr als 2,5 Millionen Euro benötigt, weil es auch wieder eine Orgel wie bis 1945 sein soll und eine nachgeschnitzte barocke Kanzel. Der Verein vergibt „Orgelpfeifen“ zu je 100 Euro und „Kanzelstifterbriefe“ zu je 50 Euro. Mehr dazu steht auf www.kirchen-rathenow.de oder kann unter 03385/5200224 bei Heinz-Walter Knackmuß erfragt werden. Da politische Förderinitiativen nicht mehr zu erwarten sind, könnte sich jetzt ein Mäzen in Rathenow verewigen.





