Wertvoller Einhornteppich aus dem Mittelalter ist in die St. Gotthardtkirche zurückgekehrt
Weltweit sucht er seinesgleichen. Nicht einmal Wissenschaftler können genau sagen, woher er kommt und was genau er uns sagen möchte – Er ist eine Sensation: Im Beisein der Ostdeutschen Sparkassenstiftung wurde am Mittwoch der 5,5 m breite und 1 m hohe mittelalterliche Einhornteppich nach seiner Restaurierung wieder an seinen angestammten Platz in der Taufkapelle der St. Gotthardtkirche präsentiert.
Die wertvolle Tapisserie, also die Technik des Einwirkens von Bildern und Motiven in ein textiles Flächengebilde und auch das Erzeugnis dieser Technik, wurde im vergangenen Jahr aufwändig von der Potsdamer Textilrestauratorin Julia Zitzmann unter Mitarbeit von Isa Hesse und Mareike Kamm restauriert.
Gefördert wurde die über 150.000 Euro teure Restaurierung von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Mittelbrandenburgischen Sparkasse in Potsdam, dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, der Hermann-Reemtsma-Stiftung, dem Freundeskreis der Kulturstiftung der Länder, dem Museum Barberini sowie von Spenderinnen und Spendern. Der Gemeindekirchenrat dankt allen Unterstützerinnen und Unterstützern ganz herzlich. Zudem konnte mit dieser Hilfe eine neue Spezialvitrine von der Vitrinenmanufaktur Reier aus Lauta angefertigt werden, die ein optimales Klima für den mittelalterlichen Wirkteppich garantiert und die Präsentation in der St. Gotthardtkirche dauerhaft ermöglicht. Im Museum Barberini in Potsdam wurde der Brandenburger Einhornteppich in der internationalen Ausstellung „Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst“ nach der Restaurierung vom 25. Oktober 2025 bis 1. Februar 2026 mit über 150 anderen Exponaten aus aller Welt gezeigt.
Lena Blessing, Leitung Team Stiftungsangelegenheiten Ostdeutsche Sparkassenstiftung, sagt bei der Präsentation: „Der Einhornteppich aus der Taufkapelle der St. Gotthardtkirche ist ein herausragendes Zeugnis mittelalterlicher Textilkunst – ein einzigartiger Schatz von großer Detailfülle und vielschichtiger Symbolik. Mit der Förderung seiner Restaurierung sowie der Bereitstellung einer Spezialvitrine durch die Ostdeutsche Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Mittelbrandenburgischen Sparkasse wird dieses besondere Kunstwerk bewahrt und dauerhaft der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zugleich möchten wir das Bewusstsein für die kulturellen Schätze in den Kirchen Brandenburgs fördern. Projekte wie dieses eröffnen neue Zugänge zur Geschichte der Region und tragen zur Stärkung ihrer kulturellen Identität bei.“
Prof. Dr. Claudia Rückert, Referentin für Kunstgut im Kirchlichen Bauamt und Dörte Busch vom Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege haben die Restaurierung fachlich begleitet.
Dr. Michael Philipp blickte als Chefkurator des Museums Barberini auf die Einhorn-Ausstellung zurück und ordnete den Einhornteppich der St. Gotthardtkirche fachlich ein: Der Einhornteppich stammt vermutlich aus dem 15. Jahrhundert. Unter welchen Umständen dieser in die Brandenburger St. Gotthardtkirche kam, ist ungeklärt. Auch die ursprüngliche Funktion ist nicht bekannt, eventuell diente er als Wandteppich, Banklaken oder als Antependium (Altarschmuck). Er besticht durch seine intensive Farbigkeit, die wegen des Alters erstaunlich ist. Ebenso unbekannt ist seine Herkunft. Der Teppich stellt eine Jagdgesellschaft in höfischer Tracht dar, die in Burgund verbreitet war. Eine Jungfrau umfasst das Horn eines Einhorns. Eine Deutung könnte sein, dass die Jungfrau vor einer Entscheidung steht, eine Ehe einzugehen oder ein klösterliches Leben in Keuschheit zu wählen. Das Einhorn könnte als Symbol für Christus stehen.
Matthias Farke hat als Vitrinenfachplaner den Bau der neuen Vitrine aus konservatorischer Sicht fachlich begleitet.
Der Öffentlichkeit wird der restaurierte Einhornteppich am 19. Juni um 15 Uhr in der St. Gotthardtkirche präsentiert. Inspiriert vom Einhornteppich haben die Bücherkinder der Evangelischen Grundschule Brandenburg an der Havel haben ein Einhornbuch mit eigenen Texten gestaltet. Es werden Kostproben daraus zu hören sein. Die Ausstellung im Museum Barberini und die Bücherkinder wurden filmisch begleitet von Mathias Frick. Der Regisseur der ARTE-Dokumentation „Das Einhorn. Kulturgeschichte einer Sehnsucht“ (zu sehen in der ARTE-Mediathek) wird ebenfalls anwesend sein und seinen Film präsentieren.





