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Donnerstag, 16. April 2026

Zoff im Kleingarten – Über riesige Probleme in Rathenow und anderswo

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Biene-Obstblüte
Die Frühlingsidylle ist im Kleingartenverein "Freiheit" in Rathenow getrübt. Wer ähnliche Erfahrungen macht, kann Kontakt aufnehmen. Symbolfoto: René Wernitz

Wie sich der Umgang mit Kleingärtnern dramatisch verändert – eine Einordnung aus Sicht des westhavelländischen KGV „Freiheit“ e.V. Von Carola Rocks (Vereinsvorsitzende)

Im März 2025 berichtete BRAWO über den Generationswechsel im Kleingartenverband Westhavelland. Der neue Vorsitzende wurde als engagierter Gartenfachberater vorgestellt, an dessen Empfehlungen sich Kleingärtner orientieren könnten. Ein Jahr später zeigt sich aus Sicht eines betroffenen Vereins: Die Realität hat sich deutlich anders entwickelt.

Dabei handelt es sich nicht um ein isoliertes Problem. In Eberswalde gingen kürzlich zahlreiche Kleingärtner auf die Straße. Ihr Motto: „Gärtnern statt klagen“. Hintergrund sind Konflikte um Rückbauverpflichtungen, Pachtverhältnisse und die Auslegung des Bundeskleingartengesetzes. Dort wie hier berichten Pächter von zunehmender Verunsicherung.

Auch im Westhavelland werden Entscheidungen aus der Vergangenheit zunehmend neu bewertet. Anlagen, die über Jahre akzeptiert oder dokumentiert waren, stehen plötzlich infrage. Pächter sehen sich Rückbauforderungen gegenüber, obwohl sie im Vertrauen auf bestehende Regelungen gehandelt haben. Viele empfinden dies als Bruch des Vertrauensschutzes.

Besonders umstritten ist derzeit der Umgang mit Feuerstätten in Bestandslauben. Obwohl diese vielerorts seit Jahrzehnten existieren, wird ihre Nutzung pauschal infrage gestellt. Aus Sicht vieler Betroffener fehlen dafür nachvollziehbare rechtliche Grundlagen. Gleichzeitig berichten Pächter von erheblicher Verunsicherung im Umgang mit entsprechenden Schreiben und Auflagen.

Auch das Verfahren rund um sogenannte Bauanträge sorgt für Unverständnis. Für zahlreiche Maßnahmen – teils auch kleinere Veränderungen – werden Anträge verlangt, ohne dass transparente Kriterien für Genehmigungen erkennbar sind. Gleichzeitig wird beklagt, dass zu wenige Bauanträge gestellt würden. Viele Vereine sehen hier einen Zusammenhang: Je unklarer die Regeln, desto größer die Unsicherheit.

Zudem verdeutlicht ein Beispiel aus unserem Verein die Unterschiede zwischen dargestellter Theorie und praktischer Umsetzung vor Ort. Eine Parzelle, die zuvor von einem langjährig verantwortlichen Funktionsträger bewirtschaftet wurde – zugleich ehemaliger Vereinsvorsitzender sowie heutiger Verbandsvorsitzender und Gartenfachberater –, wurde an die heutige Vereinsvorsitzende mit erheblichen Altlasten übergeben. Dies steht in deutlichem Widerspruch zu den Empfehlungen, die im BRAWO-Artikel vom 29. März 2025 als Orientierung hervorgehoben wurden.

Auf rund 500 Quadratmetern befanden sich zahlreiche Gehölze, darunter auch im Kleingarten nicht vorgesehene Arten, sowie groß gewachsene Kirschlorbeer- und Schmetterlingsfliederbestände und mehr als zwei Dutzend Bäume oder Baumstümpfe. Beete waren durch dichte Wurzelstrukturen und massenhaft verbliebene Blumenzwiebeln kaum noch nutzbar. Die Wiederherstellung einer kleingärtnerischen Nutzung erforderte zunächst umfangreiche Rodungs- und Aufräumarbeiten. Dennoch erfolgte bereits im darauffolgenden Jahr eine Abmahnung wegen angeblich mangelnder kleingärtnerischer Nutzung.

Solche und ähnliche Konstellationen führen bei vielen Betroffenen zu der Frage, wie praktikabel die aktuellen Anforderungen im Alltag tatsächlich sind. Gleichzeitig stellt sich die grundsätzliche Frage, wie das Kleingartenwesen langfristig attraktiv bleiben soll, wenn es von mehr und mehr Pächtern als nicht ausreichend nachvollziehbares „Kontrollwesen“ verstanden wird.

Kleingärten leben vom ehrenamtlichen Engagement ihrer Mitglieder und vom Vertrauen zwischen Vereinen und Verband. Viele Gartenfreunde wünschen sich deshalb vor allem klare, nachvollziehbare Regeln und einen offenen Dialog darüber, wie Kleingartenanlagen künftig gemeinsam gestaltet werden sollen.

Die aktuellen Entwicklungen betreffen einzelne Vereine unterschiedlich stark, werfen aber grundsätzliche Fragen auf, die über einzelne Anlagen hinausreichen. Wer ähnliche Erfahrungen gemacht hat und sich konstruktiv austauschen möchte, kann sich gern per E-Mail an kgv-freiheit-rn@gmx.de melden.

In der Mitte ein in verschiedenen Blautönen besprühter Verteilerkasten, links und rechts davon kniet jeweils ein Mann. Der linke hat ein helles Hemd an, der recht trägt ein grau-blaues Jackett und einen runden Hut.

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