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Freitag, 8. Mai 2026

Von Lebensmittelbus bis Lokaljournalismus: In Wiesenburg wurden zahlreiche Vorschläge für die Zukunft der Gemeinden gesammelt.

Wiesenburg
Mitmachkonferenz
Wiesenburg wurde erneut zum Treffpunkt für Menschen, die sich Gedanken über das Leben auf dem Land machen. Foto: Eva Loth

Am vergangenen Samstag trafen sich wieder viele Interessierte aus nah und fern in der Kunsthalle Wiesenburg, um Ideen und Vorhaben zu diskutieren und Mitstreiter zu finden. Nur die Themen haben sich im Laufe der Zeit verändert, obwohl einiges auch nach 20 Jahren noch aktuell ist.

Vielen ist inzwischen unter anderem die Nahversorgung der Bürger wichtig. In den meisten Orten gibt es keine Einkaufsmöglichkeiten mehr. Man muss in den nächstgrößeren Ort fahren. Das ist besonders für diejenigen, die nicht mobil sind, eine Herausforderung. Der ÖPNV passt nicht immer zu den Vorhaben wie Einkauf oder Arztbesuch. So standen die verschiedenen Vorschläge zur Diskussion. Dazu gehörten Sammelbestellungen mit Abholung in den Dorfgemeinschaftshäusern, ein Lebensmittelbus ähnlich den Bäckereiautos oder auch ein Kleinstmarkt, der vielleicht auch digital als Kiosk sein kann. Hohe Hygieneauflagen erschweren immer wieder Vorhaben engagierter Bürger.

Vermisst werden in vielen Dörfern zudem die kleinen Gaststätten, die früher nicht nur für ein Feierabendbier, sondern auch als Treffpunkt für Gespräche und Austausch wichtig waren. Mit ihrem Verschwinden geht vielerorts ein Stück dörflicher Alltagskultur verloren. Auch das Thema bienenfreundliche Gärten spielt in der Region eine zunehmende Rolle.

Ganz wichtig für alle Einwohner ist die Versorgung mit lokalen Informationen aus der Region. Die erscheinenden Zeitungen werden immer überregionaler, sodass die Menschen sich nicht mehr wiederfinden. Dabei kann man den Printmedien keinen wirklichen Vorwurf machen, denn viele Entscheidungen hingen an extrem gestiegenen Kosten. Und diese bekommen auch Abonnenten zu spüren.

Im Gegensatz dazu sind BRAWO und die Online-Portale Fläming 365 und Zauche 365 für alle kostenfrei zugänglich. Die BRAWO versucht, regionale Themen nach ihren Möglichkeiten aufzunehmen. Zugleich ist die wirtschaftliche Abhängigkeit von Werbekunden ein Faktor, der die redaktionelle Gewichtung beeinflussen kann.

Die beiden Online-Portale stehen immer wieder vor der Herausforderung einer Finanzierung. Verschiedene Projekte wurden und werden von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) gefördert, vieles machen die wenigen Mitarbeiter ehrenamtlich. Das derzeitige Projekt und somit die Finanzierung laufen Ende des Jahres aus.

Auch einige der Lokaljournalisten befinden sich bereits im Rentenalter und werden sich in absehbarer Zeit zurückziehen. Es braucht daher sowohl neue Mitarbeiter als auch eine gesicherte Finanzierung, sonst steht die lokale Berichterstattung vor dem Aus. Als erste Maßnahme wird es im Frühsommer ein Treffen mit Lokaljournalisten aus der Region geben. Dort sollen weitere Möglichkeiten besprochen und hoffentlich Lösungen gefunden werden. Interessenten für diese Arbeit können sich bereits jetzt bei Andreas Trunschke unter kontakt@webfischerei.de und Dorothee Bornath unter mail@bornath.de melden.
Viele der Teilnehmer am Samstag waren „Wiederholungstäter“, andere waren zum ersten Mal dabei. Sie schätzten besonders die Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen und sich zu vernetzen. Die Gespräche wurden sachlich geführt, auch wenn man nicht einer Meinung war. Gänsehaut rief bei vielen der kleine Rückblick auf die vergangenen 20 Jahre hervor. Alle Teilnehmer sind nun gespannt, was aus den Projektideen wird.
Jedes Jahr werden auf der Mitmachkonferenz auch die Initiativpreise verliehen, sowohl für Projekte und Initiativen als auch für die Jugend. Für letzteren wurden zwei besondere Projektideen ausgewählt, über die die Anwesenden abstimmen konnten. Das Preisgeld wurde von der Sensthof-Stiftung zur Verfügung gestellt.
Verleihung
Jugend-Initiativ-Preis
Beworben hat sich zum einen die Oberschule Brück mit ihrem Projekt: Naturglück – eine Schülerfirma an der Oberschule Brück. Ihr Werbeslogan lautet: „Wir katapultieren vergangenes Wissen der Heilpflanzen in die Moderne“. Eines der Ziele ist es, mit der Schülerfirma auf heimische Pflanzen aufmerksam zu machen, die man eigentlich nur als Unkräuter kennt und die eher lästig aus Beeten gezupft werden. „Zumal diese, wie zum Beispiel der Spitzwegerich, als Salben bei juckenden Insektenstichen Linderung versprechen und somit eigentlich großen Nutzen für uns haben sollten.“ Trotzdem „treten wir sie jeden Tag mit Füßen“ und versuchen ihre Anzahl mit Herbiziden zu verringern. Dieses Bild soll verändert den Nutzern nähergebracht werden. „Aktuell stellen wir auf Anfrage Produkte her, die benötigt werden“, heißt es in der Bewerbung.
Das zweite Projekt ist eine Kooperation der Initiative für die Natur mit der Geschwister-Scholl-Grundschule in Bad Belzig und heißt: Raus in die Natur – ein Projekt der Initiative für die Natur. Zum Start im Jahr 2025 wurden Nistkästen für Wildvögel mit Kindern der Geschwister-Scholl-Grundschule in Bad Belzig gebaut und ein Futterhäuschen mit Kamera zur Vogelbeobachtung installiert. Die Kinder waren sehr engagiert, sehr interessiert und hatten sofort Ideen für weitere Projekte. Auf Wunsch und in Absprache mit der Klassenlehrerin wurden vier Aktionstage für 2026 geplant. Die meisten Punkte sammelte „Raus in die Natur“ vor der Schülerfirma Brück.

Verleihung Fläming-Initiativ-Preis

Beim Fläming-Initiativ-Preis standen drei Projektideen zur Auswahl. Zum einen war es das „Erzählcafé für Frauen“. Die Idee für einen „Frauen-Dialog“ entstand in einem Gespräch zwischen Ingelore Schwarz und Helga Holz. Es zündete unter anderem durch die Erfahrungen von Helga Holz als Sanierungsbeauftragte für die Gemeinde Wiesenburg von 1989 bis zirka 2015. In diesem Zusammenhang entstanden bewegende Einblicke in soziale und emotionale Erfahrungen, die sich für die Menschen mit den tiefgründigen Veränderungen infolge der Wende ergeben hatten. Diese Wahrnehmung verstärkte sich bei einer Veranstaltung anlässlich des Weltfrauentags am 8. März 2024 in Mal‘s Scheune in Wiesenburg. Es war der 35. Jahrestag nach der Wende und es stand die Situation der Frauen, besonders im Osten, im Fokus. Daraus entstand die Idee für einen Frauen-Dialog-Ost-West nach dem Konzept „Reden und Zuhören“, eine Veranstaltung von „Mehr Demokratie“! Ziel: „Zusammenwachsen und zusammen wachsen.“ Es geht bei diesem Motto um die nachhaltige Überwindung der Wende-Herausforderungen mittels konstruktiver Beteiligungsangebote.

Die Initiative „Lebendiger Friedhof Niemegk“ hatte sich ebenfalls beworben. Der Impuls zur Umgestaltung des Friedhofes entstand aus der Bürgerschaft. Diese Umgestaltungsideen wurden in der Stadtverordnetenversammlung Niemegk eingebracht und von dort per Mehrheitsbeschluss für gut und umsetzungswert befunden. Interessierte Bürger und weitere Engagierte gründeten die Initiative „Lebendiger Friedhof Niemegk“, die sich seit März 2022 regelmäßig trifft. Es etablierte sich eine Zusammenarbeit zwischen Amtsverwaltung, Bauhof und Initiative. Die Initiatoren möchten anregen, den Friedhof in Niemegk sowohl für Tiere und Pflanzen als auch für die Menschen, die diesen Ort der Geschichte und Geschichten nutzen, lebendig und freundlich zu gestalten.

Der dritte Bewerber war der „Parkförderverein Wiesenburg“. Er unterstützt die Gemeinde als Eigentümerin des Schlossparks, einem überregional bekannten 127 Hektar großen Gartendenkmal. Der Werbeslogan heißt „Das schönste Gartendenkmal zwischen Potsdam und Wörlitz“. Das Hauptziel ist die Erhaltung des Parks beziehungsweise die Weiterentwicklung dieses Gartendenkmals. Außerdem gilt es, die öffentliche Wahrnehmung des Parks zu stärken. Den Verein gibt es seit 1998. Aktuell hat er 127 Mitglieder. Die Beweggründe sind verschieden. 43 Prozent der Mitglieder des Vereins leben in Wiesenburg und interessieren und begeistern sich für „ihren“ Park. Sie wünschen sich einen guten Pflegezustand und engagieren sich deshalb. 22 Prozent kommen aus anderen Ortsteilen der Gemeinde und sehen den Park als Leuchtturm der Region, der unbedingt erhalten werden sollte. Weitere Vereinsmitglieder (45 Prozent) sind aus der Region Berlin/Brandenburg, die meisten aus Potsdam-Mittelmark. Nur vier Prozent sind überregional beheimatet. Viele der überregionalen Mitglieder haben ihre Schulzeit oder ihre Jugend in Wiesenburg verbracht, fühlen sich mit ihrer Heimat beziehungsweise dem Park emotional verbunden. Das Einzelengagement ist sehr verschieden. Es gibt Vereinsmitglieder, die Patenbäume finanzieren, Pflanzenmaterial für den Park veredeln, Äpfel sammeln, Rosen vermehren, Saatgut sammeln, Geschichtsforschung betreiben, alte Parkansichtskarten sammeln, historische Literatur suchen und besorgen, Flyer entwerfen, Parkführungen durchführen oder bei Veranstaltung auf unterschiedlichste Weise unterstützen.

Sieger bei der Abstimmung wurde der Parkförderverein vor dem Erzählcafé und der Initiative aus Niemegk. Die Auszeichnungen wurden musikalisch untermalt und von der Landtagsabgeordneten Melanie Balzer (SPD) vorgenommen.

Durch kleine Gitterstäbe hindurch ist ein Hahnenkopf zu sehen. Der Hahn ist dunkelbraun mit einem roten Kamm.

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