Von Falkensee bis Rathenow: eine Frau Gottes jetzt an der Spitze des neuen Kirchenkreises Havelland
Sarah-Magdalena Kingreen wurde im neuen Kirchenkreis Havelland als Superintendentin eingeführt.
Zum 1. Januar 2026 entstand der neue Kirchenkreis Havelland, mit insgesamt zirka 120 Kirchen. Nach Entpflichtung der Leitungen der bisherigen Kirchenkreise Nauen-Rathenow und Falkensee zum 30. April wurde Sarah-Magdalena Kingreen am 3. Mai in St. Jacobi in Nauen feierlich in ihr Amt eingeführt.
Zuvor war die neue Superintendentin Pfarrerin und Stiftungsvorstandsvorsitzende der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche Berlin. Rund 300 Gäste des gesamten Kirchenkreises kamen zum Regionalgottesdienst. Viele Pfarrerinnen und Pfarrer zogen gemeinsam mit Generalsuperintendent Kristóf Bálint in die Kirche ein. „Als Kind hörte Sarah-Magdalena Kingreen immer wieder dieses Gedicht, ohne zu wissen, wo das Havelland so richtig ist. Mit ihrer Bewerbung schloss sich der Kreis – angekommen in einem vertrauten, unvertrauten Land“, so Bálint, der Fontanes Ballade „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ zitiert hatte. „Es gilt Gemeindestrukturen anzusehen und weiterzuentwickeln. Und Kirchengebäude anzusehen und ihre Geschichte zu beachten. Das Amt hat den Reiz der Entwicklung, zusammen mit Anderen.“
Nach den förmlichen Amtstreuefragen überreichte Bálint der neuen Superintendentin die Berufungsurkunde für zehn Jahre und als Geschenk eine Flasche besonderen Küchen-Olivenöls – anstatt einer Salbung, die die evangelische Kirchenordnung nicht kennt.
„Halleluja! Am Sonntag Kantate! Wir singen dem Herrn ein neues Lied!“, begann Pfarrerin Kingreen ihre Predigt und nahm Bezug auf die eine Woche zuvor erfogte Wiedereinweihung der Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow. Sie verwies: „Kirchtürme rhythmisieren unser Land. Sie sind und bleiben Identitätsmarker im Havelland. Für alle Menschen. Unabhängig von Glaubensgewissheiten. Unsere Kirchen verbinden uns mit den Menschen, die lange vor uns hier gelebt, gebetet und gehofft haben und mit der Zukunft. Ja, wir brauchen sie. […] Was wir tun müssen, ist: Darüber reden, wozu eigentlich, vor allem wie wir sie nutzen, erhalten. Und das ist eine echte Aufgabe, Herausforderung, und wird vielfältig werden. Es wird auch Trennungen geben – neben der Einweihung in Rathenow steht der Abschied von der Lutherkirche.“
Der 3. Mai war auch Kingreens Geburtstag. Neben eigenem Honig vom neuen Pfarrer Jan-Niclas Bertram (Reformationsgemeinde Westhavelland mit 16 Dörfern) war unter den vielen Geschenken ein besonderes Kreuz, ein großer Blumenstrauß und natürlich eine Knautsch-Havelland-Birne als Willkommensgruß im Kirchenkreis Havelland.
Ein Wiedersehen gab es mit Pfarrerin Cornelia Kulhwik aus Berlin-Dahlem, bei der Kingreen 2019 bis 2021 ihr Gast-Vikariat absolviert hatte. „Wenn unser Kirchenkreis dann 500 Tage besteht, das ist Pfingsten im nächsten Jahr, lasst uns da feiern zu einem Havelländischen Kirchentag: Evangelisch im Havelland“, so Kingreen am Ende ihrer Predigt.
Am 28. Februar wählten 72 Anwesende der insgesamt 75 Synodalen Kingreen mit 51 Stimmen zur neuen Superintendentin. Die Falkenseer entschieden vor allem für die Beibehaltung ihres Prinzips der kollegialen Leitung und nicht gegen sie als Person.
Sie stammt aus einer Pfarrersfamilie; ihr Ehemann Jan Kingreen ist Pfarrer an der Garnisonskirche Potsdam. Geboren in Wolfenbüttel, aufgewachsen bei Hannover, kennt Kingreen das ländliche Leben. Von 2007 bis 2015 studierte sie in Berlin Schulmusik und Theologie, zog 2017 nach Potsdam-Bornstedt, an die Grenze des Kirchenkreises Havelland, in den sie bereits Radtouren unternahm.
Nun möchte sie das Havelland und die Menschen besser kennenlernen. Schwerpunkte ihres „reizvollen Amtes“ sieht sie in Nutzungskonzepten für Kirchengebäude, Angebote für den Nachwuchs und Öffentlichkeitsarbeit. Ihr Kirchenkreis, flächenmäßig einer der größten in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, umfasst nahezu alle Orte des Landkreises Havelland.





