Up Platt: „Von den Fischer un sien Fru“
Bei der sechsten Plattdeutschen Werkstatt im Museum Kolonistenhof in Großderschau (bei Rhinow / Havelland) drehte sich fünf Tage lang alles um die Regionalsprache Niederdeutsch. Die Werkstatt ab 10. August 2026 endete mit einem öffentlichen Auftritt in der örtlichen Kolonistenkirche. Von Christamaria Ruch
14 Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 16 Jahren eint das Interesse, Plattdüütsch zu lernen oder ihre Kenntnisse zu erweitern. Sie alle besuchten die Ferienwerkstatt unter Leitung von Helga Klein. Neben Stammgästen gab es auch drei Kinder, die nun das erste Mal dabei waren. Mit Astrid Flügge und Bärbel Harmel standen Helga Klein erneut erfahrene Plattsprecherinnen zur Seite.
Gemeinsam vermittelten sie dem Nachwuchs die Liebe zur plattdeutschen Sprache. „Ich bin jedes Mal erfreut und erstaunt, dass Kinder ohne plattdeutsche Vorkenntnisse innerhalb einer Woche Gedichte und Lieder up Platt lernen“, so Bärbel Harmel. Und: „Die Kinder sind wissbegierig.“ Dann vertiefte sie sich wieder mit der sechs Jahre alten Aria und übte ein Gedicht. Aria und Christian gehörten zu den jüngsten Kindern in der Werkstatt: Sie standen kurz vor ihrer Einschulung.
Die 16 Jahre alte Janike ist von Anfang an dabei und überzeugt von Jahr zu Jahr mit ihrem Zuwachs an Sprachkenntnissen. „Wenn Leute Platt sprechen, bleibt die Sprache erhalten“, so Janike. Sie sieht viele Parallelen zu Hochdeutsch, aber auch zu Englisch. „Meine Urgroßtante spricht und schreibt auf Platt, das finde ich schön“, so Janike weiter. Gemeinsam mit der 14-jährigen Laura übernahm sie nun auch Verantwortung in der Ferienwoche und übte mit den Kindern das Textlernen.
Die Ferienwoche up Platt wurde finanziell unterstützt mit Mitteln aus dem Programm „Kultur macht stark“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Kooperationspartner waren erneut die Kirchengemeinde Sieversdorf–Hohenofen–Dreetz und Großderschau sowie der Verein für Niederdeutsch im Land Brandenburg.
Die plattdüütsche Werkstatt zieht weit über Großderschau hinaus ihre Kreise. Selbst aus Brandenburg an der Havel kommen inzwischen Kinder, um Plattdeutsch zu lernen. „Jedes Kind bringt sich hier nach seinen Möglichkeiten ein. Viele springen auch über ihren Schatten und wachsen im Laufe der Ferienwoche über sich hinaus“, so Helga Klein aus ihren Erfahrungen und mit Blick auf den Auftritt im Rampenlicht. Denn jedes Jahr endet die plattdüütsche Werkstatt mit einem Programm vor Publikum in der Kolonistenkirche.
Die 14 jungen Plattsprecher bereiteten sich mit Konzentration auf ihre Reime, Gedichte, Geschichten, Sketche und Lieder vor. Eine Gruppe aus Bad Wilsnack erlebte beim Programm ihren Gastauftritt. Denn in Bad Wilsnack liefen zeitgleich die zweiten Ferienspiele up Platt im Hort „Wirbelwind“ unter Leitung von Cordula Czubatynski.
Als Höhepunkt des mehr als einstündigen Programms am 14. August 2026 erwies sich die Aufführung des Märchens „Von den Fischer un sien Fru“. Die acht Jahre alte Leonora schlüpfte in die Rolle des Fischers, der seiner Frau immer größere Wünsche erfüllen muss. „Wenn wir Platt sprechen, bleibt die Sprache auf der Welt“, so Leonora.
Die Autorin ist Geschäftsführerin des Verein für Niederdeutsch im Land Brandenburg e.V. – mit Sitz in Wittstock.





