Sonntags wieder Gottesdienste in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche
So lange die Sankt-Marien-Andreas-Kirche eine Baustelle war, fanden Gottesdienste in der Lutherkirche statt. Jetzt hat das Provisorium ausgedient. Von Heinz-Walter Knackmuß
Am Sonntag, den 19. April 2026, fand der letzte reguläre Gottesdienst in der Lutherkirche mit Pfarrer Hardy Enseleit statt. Am kommenden Sonntag, 26 April 2026, wird die Sankt-Marien-Andreas-Kirche nach der letzten Phase des Wiederaufbaus mit einem Festgottesdienst eröffnet und wird dann jeden Sonntag und an allen kirchlichen Feiertagen um 10.30 Uhr für die Menschen zur Verfügung stehen.
Die Lutherkirche war einmal geweiht worden, weil es so viele Christen in Rathenow gab, dass die Sankt-Marien-Andreas-Kirche die Gläubigen nicht mehr fassen konnte. Nach Zerstörung des städtischen Wahrzeichens im Zweiten Weltkrieg (1945) war man froh, dass die Lutherkirche als Gottesdienststätte uneingeschränkt genutzt werden konnte, und der angrenzende Evangelische Kindergarten trug dazu bei, dass das Lutherhaus mit der Lutherkirche zu einem Gemeindezentrum in der Stadt Rathenow wurde.
Am 6. September 1959 hatte Pfarrer Friedrich Korth unter schwierigsten Umständen das Schiff der Sankt-Marien-Andreas-Kirche wieder aufgebaut und mit einem Gottesdienst eröffnet. Seitdem stand die Kirche für die Gottesdienste im Sommer zur Verfügung, und im Winterhalbjahr kehrte man in die beheizbare Lutherkirche zurück. Für viele Menschen wurde aber die Lutherkirche zur Heimat und zu ihrer sonntäglichen Glaubensfestigung in den Gottesdiensten.

Es war für die Lutherkirche eine Schuke-Orgel angeschafft worden. Gerhard Henschel hatte das Altarbild geschaffen, das in der Mitte Jesus Christus zeigt und über ihm das Paradies und unter ihm die Grablegung. Das Altarbild zeigt den Schöpfungsbericht der Bibel und die Wanderung des Volkes Israel beim Auszug aus Ägypten bis zu Jesus Christus. Auf der rechten Seite geht es dann weiter mit der Geschichte der Menschheit nach dem Tod von Jesus Christus und endet mit einem Fragezeichen, das die Angst des Künstlers darstellt, dass die Menschheit sich in einem Atomkrieg selbst vernichten könnte.
Christian Eißer schuf als Steinmetzmeister den Taufstein in Blütenform in der Lutherkirche aus Cottaer Sandstein. Es war sein Meisterstück. Sven Nemeth von der Firma Neils-Stein fertigte dann einen Taufkerzenhalter aus Sandstein als dazu passenden Stempel für die Blüte. Die Fenster in der Lutherkirche waren im Eingangsbereich mit bunten Glasfenstern geschmückt, die biblische Geschichten erzählen. Die Glocke von Turm rief jeden Sonntag über viele Jahre die Gläubigen in die Kirche. Nun nimmt die Gemeinde mit Wehmut Abschied von diesem Zentrum des Glaubens in Rathenow, aber wenn eine Tür zugeht, öffnet sich immer eine neue Tür.





