Sonntags wieder Gottesdienste in der „Havelland-Kathedrale“
In der Nacht zum 29. April 1945 hatten sowjetische Brandgranaten die Sankt-Marien-Andreas-Kirche getroffen, die daraufhin zur Ruine ausbrannte. 81 Jahre später, am 26. April 2026, wurden per Festgottesdienst der Abschluss des Wiederaufbaus und die Wiedereinweihung der Kirche gefeiert.
Gäste aus nah und fern wohnten dem bei, darunter Brandenburgs Kultusministerin Manja Schüle und der Ex-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs, der im Herbst 2018 am Anfang der Finanzierung des finalen Wiederaufbaus stand. Die voll besetzte Kirche bot Platz für rund 650 Leute.
Seit erstem Nachkriegsgottesdienst 1952 war ein eher provisorischer Teilwiederaufbau schon 1959 vollendet. Der 1996 gegründete Förderkreis zum Wiederaufbau – mit seinem Gründungsvorsitzenden Heinz-Walter Knackmuß – verschaffte viel Aufmerksamkeit und sammelte Spendengelder für den angestrebten grundlegenden Wiederaufbau. Ein herausragender Moment war, als der Kirchturm 2001 wieder eine Spitze bekam.
920 Tage vor dem Festgottesdienst hatten die Arbeiten zur abschließenden Sanierung der Hülle der Kirche – mit Wiederherstellung der Kreuzgewölbe im Chor und Einbau der Kirchenschiff-Seitenemporen – begonnen. Zudem gab es unter anderem neue Tontechnik, Beleuchtung sowie einen neuen Fußboden mit Heizung.

„Wenn der HERR nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen. …“ (Psalm 127), so begann Pfarrer Hardy Enseleit den Gottesdienst. Der geschäftsführende Pfarrer, Jens Greulich, erläuterte die Bauweise der gotischen Kreuzgewölbe. Beide erinnerten an die Baugeschichte des Gotteshauses seit dem 13. Jahrhundert, dessen Zerstörung 1945 und an das hartnäckige Engagement, das seit 1950 zum Wiederaufbau geführt hat.
„Es ist unfassbar schön geworden!“, so Bischof Christian Stäblein. „Eine Stadt braucht eine Kirche, wo man der Stadt Bestes sucht und zusammenkommt. Ich würde heute noch drauflegen: Es ist die Havelland-Kathedrale. Unter Gottes schützender Hand haben Sie Ihre Heimat – ohne Hass und Hetze.“

Zuletzt flossen je 3,75 Millionen Euro Fördermittel von Bund und Land Brandenburg. „Wir kommen mit dem Geld aus“, so Greulich in seiner Rede, in der er besonders dem Förderkreisvorsitzenden für 30-jähriges Engagement dankte. „Der Wiederaufbau hat einen Namen“, drückte es Knackmuß‘ Stellvertreter, Hartmut Fellenberg, aus, der die Fördermittel verwaltete und der Gemeinde so 500.000 Euro Honorar sparte. Landrat Roger Lewandowski ehrte Knackmuß und Greulich mit Schreibgeräten, die aus einem Holzbalken gefertigt wurden, der 1945 aus der brennenden Kirche gerettet worden war.

„Wir haben noch weitere Ziele“, so Knackmuß. Das sind eine Schuke-Orgel, wie sie bis 1945 in der Kirche bespielt werden konnte (rund 1,5 Millionen Euro) und die Nachschnitzung der ebenso zerstörten barocken Kanzel von 1709 (rund eine Million Euro). Ferner will der Förderkreis Photovoltaik auf das Kirchendach bringen.
Auf dem Gemeindefest am Nachmittag wurden Spenden gesammelt. Für Musik sorgten ein Gospel- und ein Jazz-Chor. So viel wie zuletzt wird zukünftig wohl nicht los sein im und am Gotteshaus.
Die Sankt-Marien-Andreas-Gemeinde mit rund 1.600 Mitgliedern kann nun ihre Kirche wieder nutzen. Reguläre Gottesdienste finden sonntags um 10.30 Uhr statt. Für Besucher sind Kirche und Turm, nach noch nötigen Genehmigungen und kleinen weiteren Arbeiten, wohl erst ab dem nächsten Monat zur Besichtigung freigegeben. Am 13. Juni gastiert das Gesangsensemble „Concino“. Neuste Informationen veröffentlicht die Gemeinde auf ihrer Internetseite www.ev-kirche-rathenow.de. Der Förderkreis ist auf www.rathenow-kirchen.de präsent.





