Seniorenkonferenz: Gemeinsam für bezahlbaren Wohnraum und lebendige Stadt
Die Senioren in Bad Belzig interessieren sich sehr dafür, was in ihrer Stadt und den Ortsteilen passiert. Und sie wollen nicht nur passiv zusehen, sondern sich auch aktiv einbringen. Um Neues zu erfahren, hatte der ehrenamtlich arbeitende Seniorenbeirat der Stadt kürzlich zur Seniorenkonferenz eingeladen. Zu Beginn der Veranstaltung wurden mit Dr. Rüdiger Hartung und Dr. Jürgen Zabke zwei langjährige Mitarbeiter verabschiedet.
Anwesend waren auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die den Seniorinnen und Senioren Rede und Antwort standen. Und das mussten sie reichlich. Gleich zu Beginn stellte Bauamtsleiter Marco Grambow ein Bauprojekt vor. „Wohnen am Bach“ – eine neue Wohnsiedlung soll durch einen Investor am Standort des ehemaligen Mischfutterwerks entstehen. Denn auch in Bad Belzig steigt die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum, nicht nur für junge Leute, sondern auch für ältere Menschen. Gebaut werden soll in modularer Bauweise, was den Prozess erheblich beschleunigt. Architekt Sigurd Larsen sieht eine Hofsiedlung, eine Gartensiedlung und eine Waldsiedlung vor. Die Träger öffentlicher Belange wurden bereits gehört, im Frühsommer erfolgt die öffentliche Auslegung der Pläne. Die Stadtverwaltung hofft, dort 2027 Baurecht schaffen zu können. Die Fragen der Senioren richteten sich explizit an die Barrierefreiheit der Wohnungen, ob eventuell auch Fahrstühle eingebaut werden könnten. Versprechen konnte das Marco Grambow jedoch nicht, denn das läge beim Bauherren. Aber der Wunsch kann durchaus weitergeleitet werden. Es gibt sogar schon Anfragen für die Wohnungen. Interessenten können sich an das Bauamt wenden, das die Anfragen an den Investor weiterleitet. Jürgen Gottschalk, Vorsitzender des Seniorenbeirats, begrüßt das Vorhaben. Viele möchten gern ihren Lebensabend im gewohnten sozialen Umfeld verbringen, aber nicht in ein Heim ziehen. Deshalb wünscht man sich zusätzlich auch eine soziale Betreuung im neuen Wohngebiet.
Wohnprojekte, Barrierefreiheit und kulturelle Angebote
Damit Seniorinnen und Senioren nicht vereinsamen, gibt es eine Vielzahl an Angeboten in Bad Belzig. Das Diakonische Werk Potsdam-Mittelmark ist seit zwei Jahren Träger des Projektes „Pakt für Pflege“. Unter Anleitung von Bärbel Krämer gibt es viele Veranstaltungen, wie den monatlichen Frühstückstreff, Erste-Hilfe-Kurse, Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Umgebung und kleine Geburtstagsfeiern im privaten Raum. Bisher ist all das über Fördermittel gesichert. Aber wie lange noch? Die Seniorinnen und Senioren fürchten, dass es wegfällt. Sie fordern Haushaltsmittel für sich, so wie es diese auch für die Kinder und Jugendlichen gibt.
Immer wieder stolpern Seniorinnen und Senioren im wahrsten Sinne des Wortes über Straßen und Gehwege der Stadt. Diese sind in teilweise unhaltbarem Zustand und nicht nur für die ältere Bevölkerung eine Gefahrenquelle. Teilweise sei die Behebung der Zustände nicht leicht, weil es unterschiedliche Verantwortlichkeiten durch Land, Kreis oder Kommune gibt. Aber Marco Grambow hat sich alle Kritiken, Wünsche und Vorschläge notiert und nimmt sie mit in die Verwaltung.
Interessiert hat auch der Stand der Sanierung der Brandenburger Straße. Diese Maßnahme wurde zurückgestellt und dafür die Sanierung der Ortsdurchfahrt Klein Glien vorgezogen. Grund dafür war die Situation in den Stadtwerken, welche für die Leitungen zuständig sind. Nachdem sich dort sie Lage normalisiert hat, hofft die Stadt, mit der Sanierung im dritten Quartal 2027 beginnen zu können. Auch die „Ruinen“ in der Magdeburger Straße ärgern die Bürger. Leider sind der Verwaltung diesbezüglich die Hände gebunden.
Angeregt wurde ebenfalls die Beschattung des Marktplatzes, um dort kleine Ruheoasen zu schaffen. Dort geht es inzwischen mit dem Real-Labor darum, Ideen zu sammeln und umzusetzen. Gern dürfen die Senioren weitere Vorschläge einbringen, wo eventuell noch Bänke aufgestellt werden sollten.
„Kommt die neue Internationale Reha-Klinik nun oder nicht?“, wurde vor Ort nachgefragt. „Es geht sehr langsam voran“, erklärt Bürgermeister Robert Pulz. Die ursprünglichen Standortpläne mussten aufgrund archäologischer Funde geändert werden. Aber der Investor stehe zu seinen Plänen. Jedoch gibt es keinen verbindlichen Zeitplan.
Viele Gerüchte ranken derzeit um die Therme. Dass sie defizitär ist, sei kein Geheimnis. Jährlich steckt die Stadt viel Geld hinein. Um mehr Effizienz soll sich nun ein neuer Geschäftsführer kümmern. „Solange ich Bürgermeister bin, kämpfe ich für den Erhalt der Therme“, so Robert Pulz. Für die Einwohner der Stadt und der Umgebung sei der Besuch im Moment eine Preisfrage, denn die meisten Gäste kommen von außerhalb. Die Seniorinnen und Senioren bedauern die Abschaffung der Jahreskarte. Es gibt zwar neue Rabatte und Aktionen, die aber nicht ganz zufriedenstellen. Auch das Kulturzentrum selbst steht in der Kritik. Es werden Veranstaltungen und die Gemütlichkeit vermisst. Für die Verwaltung sind mehr Investitionen nicht möglich. Da spielt wieder das Ehrenamt eine ausschlaggebende Rolle.
Erfreut sind die Anwesenden jedoch, dass es auf der Burg vorwärtsgeht. Nach der Misere mit dem vorherigen Pächter sind die neuen Betreiber nun dabei, alles nach und nach zu sanieren. Das geht natürlich nicht auf einen Schlag. So gäbe es auch keinen Tag X, an dem offiziell neu eröffnet wird. „Es wird also ein silent opening“, so Robert Pulz, wobei nach und nach verschiedene Bereiche wieder in Betrieb genommen werden. „Wir sind stolz, dass wir das wieder hingekriegt haben“, so abschließend der Bürgermeister.





