Seit 25 Jahren: Janine mit großem „B.“ in der City von Rathenow
Eigentlich wollte sie Sport studieren oder Rechtspflegerin werden. Doch kurzerhand ging es in den Einzelhandel, um den Beruf von der Pike auf zu erlernen. Und seit nunmehr 25 Jahren betreibt die Janine mit dem großen „B.“ ihr Geschäft in Rathenow.
Was soll man da machen, wenn der Einzelhandel sozusagen über die Gene vererbt wurde? Janine (heute Fürstenberg) ließ nach dem Abitur die Bewerbungen um ein Sportstudium in Potsdam und eine Ausbildung zur Rechtspflegerin am Amtsgericht Brandenburg sausen. Zum 1. August 1995 wurde Mode Sandbrink zum Ausbildungsbetrieb.
Das Geschäft bestand da noch nicht, eröffnete erst rund acht Wochen danach. Die neue Auszubildende erfuhr zunächst von all dem, was zu einer Geschäftseröffnung gehört. Die Lehrzeit war wegen des abgelegten Abiturs um ein Jahr verkürzt worden. Danach ging es in den familieneigenen Jeansladen namens „Canyon“, der sich an der Ecke Brandenburger / Berliner Straße befand. Heute ist „Poldi“ an der Stelle ansässig.
Nach Umbau und Sortimentswechsel wurde „Canyon“ zum 1. Oktober 2001 zu „Janine B.“ Das liegt nun 25 Jahre zurück. 2006 – also vor 20 Jahren – erfolgte der Umzug ins neu geschaffene City-Center. Der Inhaberin ging es dabei gar nicht gut, denn sie war schwanger.
Klar, dass das große „B.“ im Namen Fragen nach sich zieht. Janine Fürstenberg verweist lediglich auf familiären Hintergrund mütterlicherseits. Die Mutter, die ihren Berufsstart bei der DDR-Handelsorganisation (HO) erlebte, steht heute häufig mit im Geschäft.
Familie geht bei der Inhaberin über alles, wie sie betont, und ohne Familie stünde sie nicht lächelnd im Geschäft. Die Einzelhändlerin ist bekannt für ihr Lächeln, lächelt eigentlich immer. Nur einmal – das war am 18. März 2020 – lächelte sie nicht in eine Pressekamera.
An jenem Frühjahrsmittwoch war der Markt auf dem Märkischen Platz überaus gut besucht. Es sei da richtig voll gewesen, so Janine Fürstenberg, während in den Läden der Betrieb ruhte. Das war nur ein Vorgeschmack darauf, wie kommende Corona-Maßnahmenpakete das normale Leben auf den Kopf stellen sollten.
Janine mit dem großen „B.“ kam kreditfinanziert durch die Pandemie. Vorbei war die Freude darüber, dass frühere Kredite endlich getilgt waren. In der Rückblende seit dem 11. September 2001 gab es allerdings kaum Jahre, in denen die Welt nicht in irgendeinen Krisenmodus schaltete. Trotz alledem hat Rathenow eine neu geschaffene, attraktive City-Zone, auch wenn die Umbaujahre für Einzelhändler wie „Janine B.“ wegen Umsatzverlusten durchaus schmerzhaft waren. Zuletzt soll der wegen Bauarbeiten gesperrte City-Kreisel belegt haben, was passiert, wenn viele Kunden nicht mit gewohnten bzw. kürzesten Autofahrten die Geschäfte erreichen können.
Ob Baustellen oder nicht sind männliche Kunden bei „Janine B.“ in der klaren Minderheit. Die Inhaberin sowie die der Modehäuser Sandbrink und Wendt haben das schon länger im Blick. Wo Frau bestimmt, was shopping-unfreudiger Mann trägt, können sie sich gern Pakete zur Anprobe daheim schnüren lassen. Das sei so ein Angebot aus Corona-Zeiten, das sich bis dato bewährt hat.
Noch mit Disketten, Festnetz- und Faxgeräten hat die Laufbahn begonnen. Mit der Zeit gehen, heißt auch für Janine Fürstenberg digitale Präsenz zeigen. Inzwischen ist sie über Social-Media-Kanäle mit Teilen ihrer Kundschaft vernetzt. Was zu sagen hat die Frau hinter „Janine B.“ auch überregional. Seit 25 Jahren ist sie Delegierte des Havellands beim Einzelhandelsverband Berlin-Brandenburg.





