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Sonntag, 14. Juni 2026

Dietmar Woidke im Havelland: Wie es hier „Zur Sache“ ging

Havelland, Rathenow
Dietmar_Woidke
Im Rathenower Kulturzentrum stellte sich Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) zwei Stunden lang den Fragen anwesender Bürger. Foto: Simone Weber

Die Regierung des Bundeslands Brandenburg gastierte im Landkreis Havelland und in der Kreisstadt Rathenow.

Im Januar 2024 gab es in Luckenwalde letztmals das Format „Zur Sache, Brandenburg!“. Dann ging es allmählich in die heiße Wahlkampfphase über. Noch bestand eine SPD-CDU-Grüne-Dreierkoalition. Die Landtagswahl erfolgte im September 2024. Im Ergebnis bildete sich eine neue Koalition aus SPD und BSW. Diese platzte Anfang 2026. Seit März besteht nun eine SPD-CDU-Koalition in Landtag und Regierung. Am Dienstag, 19. Mai 2026, setzte Regierungschef Dietmar Woidke (SPD) sein Gesprächsformat fort – Gastgeberkommune war die Kreisstadt Rathenow.

​Wie schon von April 2022 bis Januar 2024 wurde „Zur Sache, Brandenburg!“ an „Kabinett vor Ort“ gekoppelt. Allerdings reisten dafür die Regierungsvertreter und ihr Chef nach Ribbeck, wo es zum Austausch mit der havelländischen Kreisspitze um Landrat Roger Lewandowski (CDU) kam. Später ging es einzeln in verschiedene Orte, darunter Friesack und Semlin, und am Abend ins Rathenower Kulturzentrum. Hier stellte sich die Landesregierung den Fragen anwesender Bürger. 

Im Großen Saal des Schlosses Ribbeck tagte das Landeskabinett gemeinsam mit der Verwaltungsspitze des Landkreises Havelland. Foto: Simone Weber

Auf der Bühne saßen sieben Fachminister und die Staatskanzlei-Chefin. Die Kulturministerin und der Justizminister wurden durch ihre Staatssekretäre vertreten. Bereits im Foyer wurden die rund 80 Besucher gefragt, ob sie im Theatersaal eine bestimmte Frage stellen wollen. 

„Rathenow hat im Landkreis die höchste Arbeitslosigkeit und eine entsprechende Sozialstruktur“, so der parteilose Bürgermeister Jörg Zietemann in seinen Eröffnungsworten. Er mahnte an, dass der Wirtschaftsraum Westbrandenburg mehr Unternehmens-Ansiedlungen braucht und eine bessere Anbindung an Berlin – höhere RE-4-Taktung – und an das Autobahnnetz. 

Als erster ließ Jörg Schönberg (Gemeindevertreter Schönwalde/Die Linke) wissen, was ihn aktuell besonders umtreibt. „Steuererleichterungen für Unternehmen müssen mit der klaren Forderung nach Standorttreue verbunden sein“, so Woidke auf Schönbergs Frage nach Unterstützung der Landesregierung im Kampf gegen die geplante Schließung des Bosch-Siemens-Haushaltsgeräte-Werks in Nauen zu 2027. 

Weitere 14 Fragen zu unterschiedlichsten Themen – wie Erhalt des Pakts für Pflege, Unterstützung von Senioren bei steigenden Energiekosten, Erhalt von Dorfstrukturen, Sondervermögen, Kriminalität vor Ort, Suchtangeboten auf dem Land, Unterstützung von Unternehmensansiedlungen, bis zur Havelland-Beteiligung an Internationaler Bauausstellung 2034-2037 Berlin – folgten.

So breit das Spektrum so unterschiedlich waren die Fragesteller. Zum Bürgerdialog kamen, zum Teil auch aus dem Osthavelland, einige SPD-Mitglieder, Abgeordnete, Rathenower Amtsleiter, Unternehmer, Vertreter des Kinder- und Jugendparlaments (KiJuPa), andere junge Leute, Senioren mit ihren Sorgen sowie ein paar Bürger, die dieser Landesregierung „sehr kritisch“ gegenüber stehen. 

Viele der Anwesenden engagieren sich vor Ort ehrenamtlich in der Politik, im Verein oder privat und schilderten ihre Sorgen. Die Gesprächskultur blieb gepflegt, auf Antworten folgte kleiner Applaus. Die Stimmung war trotz teils schwieriger Fragen locker-entspannt, und die meisten Gäste sowie Kabinettsmitglieder gingen mit einem grundsätzlich positiven Gefühl nach Hause – auch wenn die Umsetzung mancher Antworten nur unter Vorbehalt wegen knapper Kassen möglich ist. Im Anschluss nahmen sich die Minister im Foyer noch Zeit, um mit den Bürgern direkt ins Gespräch zu kommen – was auch gut genutzt wurde.

Die vorherige Sitzung der Landesregierung mit der havelländischen Kreisspitze war nur in jetziger Koalitionskonstellation eine Premiere. Letztmals war das Kabinett im Mai 2023 vor Ort, damals in Falkensee. Aktuelle Schwerpunkte am Dienstag waren der Gesundheitsbereich mit dem Pilotprojekt „Mobiler Landarzt Havelland“ und die Digitalisierung mit der „Mein Havelland“-App. Zum (Dauer)-Thema Schienenverkehr sagte Woidke, dass für 2027/2028 finanzielle Gründe eine RE-4-Takt-Verdichtung nach Berlin nicht erlauben. Die Machbarkeitsstudie eines zusätzlichen Bahnhalts in Rathenow-Heidefeld wird wohl im Juni 2026 präsentiert.

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